WM - Zwanziger enthüllt Geheim-Plan um Klinsmann

Das Sommermärchen 2006 ist in bester Erinnerung. Bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land spielte die Nationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann groß. Nun enthüllt der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger in seinem Buch einen geheimen Plan der Verbandsspitze: Es hätte ganz anders kommen können.

Das Verhältnis von Zwanziger zu Klinsmann war gespannt. Dazu kam, dass die Leistungen der Nationalmannschaft unmittelbar vor der WM nicht eben zu großem Optimismus anregte. Im März 2006 verlor Deutschland mit 1:4 in Italien.

Aufgrund dieser Niederlage entstand beim DFB ein Alternativplan: Hätte das Team auch in den ersten WM-Spielen enttäuscht, hätte der neu installierte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer als Trainer übernommen. Das verrät Zwanziger nun in seinem Buch "Die Zwanziger Jahre", aus dem die "Bild" Auszüge veröffentlichte.

"Ganz Deutschland, und ich schließe mich da ein, sah schwarz für die WM", führt Zwanziger aus. "Jürgen Klinsmann war erschüttert. Nach dem Spiel herrschte Schweigen. Dann holte er sofort alle Spieler in einen Nebenraum. Was dort im einzelnen gesagt wurde, weiß ich nicht. Und als er in den Tagen nach dem Spiel wie geplant wieder in die USA flog und sich bei einem Workshop der WM-Trainer, bei dem es vornehmlich um administrative und organisatorische Fragen ging, von Bierhoff und Löw vertreten ließ, eskalierte der Zorn."

Sammer wurde nicht informiert

Der damalige DFB-Präsident bekundete zwar öffentlich seine Loyalität zum Trainer, feilte aber intern am Plan B. "Wenn sich bei der WM tatsächlich ein sportliches Desaster abzeichnen sollte und Klinsmann nicht mehr zu halten wäre, so beschlossen wir, sollte kurzfristig Matthias Sammer das Ruder übernehmen. Von diesem Plan B wussten nur vier Leute: Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach und ich. Wir hatten nicht mal Sammer selbst informiert; wenn es so weit gekommen wäre, hätte er es schon noch rechtzeitig erfahren."

Auch der damalige Co-Trainer Joachim Löw war offenbar keine Alternative. "Er wäre selbst verbrannt gewesen", schreibt Zwanziger.

"Auch wenn Matthias Sammer von unseren Geheimplänen nichts ahnte, bin ich sicher, dass er uns im Fall des Falles nicht im Stich gelassen hätte. Nicht weil er, wie ihm manche unterstellten, auf den Posten des Bundestrainers schielte und sich für den besseren Mann hielt. Aber sein Pflichtbewusstsein hätte ein Nein nicht zugelassen. Zum Glück sind wir alle nicht in die Verlegenheit gekommen.“

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