WM - Auf dem Zahnfleisch nach Paris

"Ich sehe dieses Spiel auch als Härtetest". So charakterisiert der deutsche Bundestrainer den Länderspiel-Klassiker auf Trainingsspiel-Niveau. Und ein Härtetest wird es zweifellos. Denn Frankreich hat sich längst von Chaos und Phlegma befreit und spielt wieder richtig guten Fußball.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte das vor einem Jahr schon am eigenen Leib erfahren müssen, als sie in Bremen vor heimischem Publikum regelrecht vorgeführt wurde und am Ende mit 1:2 noch gut bedient gewesen war. Frankreich, weiß Löw, "hat zu seiner alten Stärke zurückgefunden".

Schlimmer noch für das Duell am Mittwochabend (21:00 Uhr im Liveticker): "Les Bleus“ erwarten Deutschland auch in geschlossener Mannschaftsstärke, wohingegen Löw mit seinem letzten Aufgebot auf dem Zahnfleisch nach Paris reist.

Löw nimmt's gelassen

"Diese Problematik gibt es schon so lange wie es Länderspiele gibt“, argumentiert Löw gelassen. "Damit muss ein Bundestrainer eben auch leben."

Miroslav Klose hatte ebenso verletzungsbedingt abgesagt wie Bastian Schweinsteiger und das Dortmunder Trio aus Marcel Schmelzer, Mario Götze und Marco Reus. Manuel Neuer hätte zwar gewollt, allerdings darf der Bayern-Keeper im Klassiker nicht zwischen die Pfosten.

René Adler soll gegen Frankreich seine Chance bekommen. "Manuel hat das auch so zu akzeptieren“, erklärte Löw, nachdem Neuer zuletzt seinen Unmut über die Entscheidung zum Ausdruck gebracht hatte.

Aber der Tausch im Tor ist wohl symbolisch für das, was Löw im Idealfall mit dem Prestige-Duell zum Ausdruck bringen will: "Wir können zeigen, dass wir in Deutschland mehr als nur elf gute Spieler haben."

Nur Lahm bleibt, wo er ist

Dies wäre das Ziel im Vorfeld eines Großturniers, meint Löw. Durch Probieren und Experimentieren "irgendwie einen Kader zusammenstellen, in dem dann jede Position doppelt besetzt ist". Experimente auf der Rechtsverteidiger-Position wird es auch nach dem Ausfall von Schmelzer nicht geben, erklärt Löw. "Ich plane mit Philipp auf der rechten Seite, das wird eine Dauerlösung sein."

Zweifellos wäre es ein Signal, ein psychologischer Fingerzeig, wenn dieses Experiment mit einem massiv geschwächten Kader doch noch in Paris zum Erfolg führen würde.

Auf alle Fälle hat Deutschland noch ein paar Rechnungen zu begleichen. Beim letzten Sieg einer deutschen Elf gegen Frankreich im August 1987 war ein Großteil der heutigen "Adler" noch nicht einmal geboren.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Adler/Hamburger SV (26/35) - Lahm/Bayern München (29/95), Mertesacker/FC Arsenal (28/85), Hummels/Borussia Dortmund (24/23), Boateng/Bayern München (24/28) - Khedira/Real Madrid (25/36), Kroos/Bayern München (23/34) - Müller/Bayern München (23/38), Özil/Real Madrid (24/43), Podolski/FC Arsenal (27/106) - Gomez/Bayern München (27/57)

Frankreich: Lloris/Tottenham Hotspur (26 Jahre/43 Länderspiele) - Debuchy/Newcastle United (27/13), Koscielny/FC Arsenal (27/7), Sakho/Paris St. Germain (22/11), Evra/Manchester United (31/47) - Cabaye/Newcastle/United (27/19), Matuidi/Paris St. Germain (25/9), Sissoko/Newcastle United 23/6) - Valbuena/Olympique Marseille (28/18), Benzema/Real Madrid (25/54), Ribéry/Bayern München (29/70)

Schiedsrichter: Mazzoleni (Italien)

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