WM - Neuer verhöhnt, Löw attackiert Fans

Fünf Siege aus sechs Spielen. Das DFB-Team hat einen weiteren Schritt in Richtung WM 2014 in Brasilien gemacht. Dennoch blieb ein fader Beigeschmack.

Ungläubig hockte Manuel Neuer auf dem Rasen und blickte Richtung Tor.

Dort holten die Kasachen den Ball zum 1:3 aus dem Netz (46.). Vorausgegangen war ein schwerer Fehler des deutschen Nationaltorhüters, der zuvor beim Spielaufbau gepatzt hatte.

"Ich habe versucht, den Ball weiterzuleiten und wollte ihn zu meinen Mitspielern lenken. Das ist mir leider nicht gelungen", entschuldigte sich Neuer.

Einen Tag vor seinem 27. Geburtstag verteilte er ungewöhnliche Geschenke. Anstatt den Ball nach vorne zu schlagen, entschied sich Neuer dafür, die Situation spielerisch zu lösen. Eine fatale Fehlentscheidung, die den Unmut des Publikums auf sich zog. "Ich habe die vielen Pfiffe gehört, aber abstellen konnte ich sie nicht."

Äußerst verärgert über die Reaktion der eigenen Fans sowie das hämische Klatschen zeigte sich Bundestrainer Joachim Löw, der dieses Verhalten kritisierte. "Manuel gehört zu den besten Torhütern der Welt und hat mal einen Fehler gemacht. Dass er für den Rest des Spiels mit Ironie begleitet wurde, finde ich unsportlich."

BVB-Fraktion erzielt alle Treffer

Dabei sind Patzer von Neuer nichts Neues. Unvergessen ist das Spiel vor einem Jahr gegen Borussia Mönchengladbach, als er unter Druck den Pass zum Gegentor direkt in die Füße von Marco Reus spielte. Ein schwerwiegender Fauxpas, den Bayern-Trainer Jupp Heynckes damals treffend analysierte.

"Sein Problem ist, dass er den Ball zu schnell ins Spiel bringen will. Da muss er ruhiger werden.“ Gegen tief stehende Kasachen wagte sich Neuer immer wieder weit aus dem Tor, was er eigentlich abstellen wollte. "Das war ganz klar mein Ding, das geht auf meine Kappe", so Neuer, der am liebsten direkt in der Kabine verschwunden wäre.

Nach starkem Beginn mit Treffern von Marco Reus (23.), Mario Götze (27.) und Ilkay Gündogan (32.) offenbarte das DFB-Team spätestens nach seinem Patzer erneut Nachlässigkeiten und fehlende Gier wie im Hinspiel. Trotz 80 Prozent Ballbesitz, 28 Torschüssen und einer Passquote von 90,5 Prozent kam Kasachstan wieder ins Spiel.

Gündogan und Reus überzeugen

"Man sieht schon den Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Halbzeit. Dadurch, dass ich den Fehler gemacht habe, hat man bei einigen Spielern die Verunsicherung gespürt. Vielleicht wären sie selbstbewusster gewesen, wenn mein Fehler nicht passiert wäre und hätten mehr nach vorne gespielt", bemerkte Neuer.

Aber Reus (90.) machte bei seiner Rückkehr in die Startelf mit dem 4:1-Endstand (90.) alles klar. Neben Gündogan zählte er zu den besten Akteuren auf dem Platz - und zeigte ebenso wenig Verständnis für die Pfiffe wie sein Teamkollege. "Das kann ich nicht verstehen - so etwas kann ich nicht nachvollziehen", ärgerte sich Gündogan.

Nach dem Spiel gab's aufmunternde Worte für Neuer - anstatt ihn zu kritisieren. Der Bayern-Keeper ärgerte sich am meisten selbst über seinen Fehler und glaubt nicht, dass das Nürnberger Publikum nur deswegen gepfiffen hat, weil er beim Rekordmeister in München zwischen den Pfosten steht. "Nein, das denke ich nicht."

Für Neuer zählt vielmehr, dass seine Mannschaft in der WM-Qualifikation den nächsten wichtigen Sieg eingefahren und acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat. "Letztlich ist es jedem selbst überlassen, wie er seine Emotionen im Stadion zeigt. Ich halte mich deswegen mit meinen Aussagen zurück und sage lieber nichts."

Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack.

VIDEO - Klartext von Joachim Löw

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