WM - Giroud: Ein Krieger im Strafraum

Im vergangenen Sommer wechselte Olivier Giroud beinahe zum FC Bayern. Letztlich entschieden sich die Münchener für Mario Mandzukic und Claudio Pizarro, während Giroud sich dem FC Arsenal anschloss. Im Länderspiel gegen Deutschland (Mittwoch, 21:00 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de) hat der Nationalstürmer die Chance zu zeigen, dass er es ebenso mit Mario Gomez hätte aufnehmen können.

Twitter ist für so manchen Fußballstar ein wahrlich hilfreiches Medium, um seine Gedanken und Gefühle - manchmal auch ein Foto seines Astralkörpers - in die mediale Öffentlichkeit zu streuen.

Auch Olivier Giroud nutzt dieses Mittel der Selbstvermarktung und "zwitschert" beinahe täglich mehrere Meldungen. "Wurde in die Nationalmannschaft Frankreichs berufen! Ja!", ließ er die digitale Gemeinde an seiner Freude teilhaben, von Didier Deschamps für die "Équipe Tricolore" nominiert worden zu sein.

Für Giroud ist die Partie gegen den DFB eine besondere: Der 26 Jahre alte Stürmer erzielte gegen die Löw-Elf am 29. Februar 2012 sein erstes Länderspieltor für "Les Bleus". In der "Équipe" streitet sich der Arsenal-Angreifer mit Real-Madrid-Torjäger Karim Benzema um den einen Platz in der Sturmspitze im 4-3-3-System Deschamps'.

"Spätzünder" Giroud

Anders als heutzutage im Fußball gewohnt, ist Giroud ein regelrechter "Spätzünder". Der Linksfuß durchlief keine Jugendnationalmannschaft und kickte bis zum Sommer 2010 noch beim Zweitligisten FC Tours. Danach stand der Torjäger vor einem Wechsel zu Celtic Glasgow, doch Montpellier-Präsident Louis Nicollin überzeugte ihn von einem Verbleib in Frankreich: "Willst du dich damit langweilen, gegen Kilmarnock zu spielen? Komm' lieber zu uns, da hast du mehr zu lachen."

Es war zweifelsohne die richtige Entscheidung des mittlerweile 14-maligen Nationalspielers. Giroud schoss Montpellier in der vergangenen Saison mit 21 Treffern zur ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte und ist mittlerweile fester Bestandteil der "Bleus". Sein ehemaliger Nationaltrainer Laurent Blanc titulierte den 1,92 m großen Angreifer einst als "Krieger im Strafraum".

Vorbild auch neben dem Platz

Doch nicht nur auf dem Platz macht Giroud auf sich aufmerksam. Der als sehr intelligent geltende Kicker ließ sich im Mai 2012 auf dem Cover des Homosexuellen-Magazins "Têtu" ablichten. "Ich mache keinen Unterschied zwischen Homos und Heteros", erklärt der verheiratete Giroud seine Beweggründe: "Und es würde mich sehr freuen, wenn ich mit dieser Aufnahme dazu beitragen kann, etwas am Blick und an der Mentalität zu ändern."

Aufgrund seiner sportlichen Leistungen weckte er das Interesse der internationalen Top-Klubs. Der 26-Jährige hätte seine Zelte gar beinahe beim FC Bayern aufgeschlagen. "Ich persönlich hatte keine direkten Gespräche mit Bayern München, aber meine Berater", sagte Giroud Anfang Mai 2012 in einem Interview mit der "Sport Bild". Letztlich entschied sich der deutsche Rekordmeister für Mario Mandzukic und Claudio Pizarro, Giroud schloss sich dem FC Arsenal für zwölf Millionen Euro an. Er ist der 23. Franzose in der Ära Arsène Wengers.

Gute Form nach Stotterstart

Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt der technisch versierte Torjäger immer besser in Tritt und schafft es peu à peu, in die großen Fußstapfen Robin van Persies (30 Premier-League-Tore 2011/2012) zu treten. In 37 Pflichtspielen für die "Gunners" traf Giroud bereits 14 Mal. "Seine Bilanz ist sehr ordentlich, vor allem für jemanden, der seine erste Saison in der Premier League absolviert", weiß auch der britische Eurosport-Redakteur Tom Adams.

Adams' französischer Kollege Maxime Dupuis sieht in Giroud ebenfalls einen technisch starken Fußballer mit einem "sehr guten Kopfballspiel", der aber "verdammt" sei, die Jokerrolle in der "Équipe Tricolore" einnehmen zu müssen. "Gegen Weißrussland hat es Deschamps mit Giroud in der Spitze und Benzema auf Rechtsaußen versucht - ohne Erfolg", erklärt Dupuis, der glaubt, dass Giroud im Zweikampf mit Benzema kaum eine Chance haben wird.

Das Länderspiel gegen Deutschland bietet dem Angreifer somit einmal mehr die Möglichkeit, seinen Trainer von seinen Stärken zu überzeugen - ein erneuter Treffer gegen die DFB-Elf wäre bei diesem Unterfangen äußerst hilfreich.

Und spätestens kurz nach Abpfiff werden auch seine Twitter-Follower erfahren, ob ihm dieser gelungen ist.

VIDEO - Exklusiv: Das ist Olivier Giroud

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