Vierschanzentournee - Jacobsen nach Thriller weiter Nummer eins

Der Norweger Anders Jacobsen hat mit einem grandiosen zweiten Versuch das Neujahresspringen in Garmisch-Partenkirchen noch für sich entschieden. Er fing damit den Österreicher Gregor Schlierenzauer noch ab, der zur Halbzeit weit vor ihm lag, und gewann wie schon in Oberstdorf. Bester Deutscher war Andreas Wellinger als Neunter, Severin Freund fiel als 15. in der Gesamtwertung nun etwas zurück.

Im ersten Durchgang musste Jacobsen eine Schrecksekunde verkraften. Die Skienden des Tourneesiegers von 2007 überkreuzten sich, und er konnte nur mit Glück einen Sturz verhindern.

Dennoch rettete sich der 27-Jährige auf 131 Meter und Rang neun zur Halbzeit.

Mit einem Traumsprung auf 143 Meter rollte Jacobsen im zweiten Versuch das Feld von hinten auf und verwies Schlierenzauer mit einem Wimpernschlag von 0,9 Punkten Vorsprung noch auf Rang zwei. In der Tournee-Gesamtwertung liegt der Norweger nun 12,5 Punkte vor dem Österreicher.

"Wie ein Helikopter-Flug"

"Der erste Durchgang war etwas wie ein Helikopter-Flug. Aber der zweite war perfekt. Es war ein perfekter Tag", freute sich der WM-Dritte von Sapporo. Jacobsen hatte zwischenzeitlich schon seine Karriere beendet, und sich erst für diesen Winter zu einem Comeback entschieden.

Anders Bardal und Tom Hilde auf den Rängen drei und vier komplettierten das herausragende norwegische Teamergebnis.

Zwei Mitfavoriten mussten hingegen ihren Traum vom Gesamtsieg dagegen begraben: Der Schweizer Simon Ammann, der die Tournee noch nie gewonnen hat, verpasste den zweiten Durchgang ebenso wie Wolfgang Loitzl.

Das Aus von Loitzl war der dritte herbe Schlag für die favorisierten Österreicher: Schon in Oberstdorf hatten sich Thomas Morgenstern und Andreas Kofler aus dem Rennen um den Gesamtsieg verabschiedet.

Wellinger überzeugt erneut

Nicht ganz nach Wunsch verlief der Wettkampf für die deutschen Adler. Zwar qualifizierten sich gleich acht für den zweiten Durchgang und fünf landeten unter den besten 15, eine Platzierung in Podiumsnähe blieb aber aus.

Eine verpatzte Landung im ersten Durchgang verhinderte eine bessere Platzierung als Rang neun für Wellinger. Der Shootingstar des Teams zeigte sich dennoch zufrieden mit seiner Leistung und blickte optimistisch zur dritten Station der Tournee nach Innsbruck. "Innsbruck ist noch neu für mich. Aber ich denke, dass ich mich darauf so gut einstellen kann, wie auf Garmisch", so der 17-Jährige.

Andreas Wank wurde Elfter, Ex-Weltmeister Martin Schmitt feierte vor 20.500 Zuschauern im ausverkauften Garmischer Skistadion als 14. sein bestes Saisonergebnis und landete damit einen Rang vor dem Dritten von Oberstdorf, Severin Freund. Freund, der den ersten Durchgang etwas verpatzte, rutschte damit in der Tournee-Gesamtwertung vom dritten auf den fünften Rang ab. Der Rückstand des Bayern auf den nun drittplatzierten Hilde beträgt aber lediglich fünf Punkte.

Michael Neumayer, Danny Queck und Maximilian Mechler belegten in dieser Reihenfolge die Plätze 21 bis 23, während Richard Freitag nicht über Position 25 hinaus kam.

Schmitt auch in Österreich dabei

Dank seiner erneut starken Vorstellung ist Schmitt bei den österreichischen Tourneespringen weiter mit von der Partie.

Parallel zum Wettkampf in Bischofshofen findet das Continental-Cup-Springen in Zakopane statt. Dort liegt Schmitt in der Gesamtwertung der aktuellen Wettkampfperiode auf Rang zwei. Bleibt der 34-jährige bis nach Zakopane unter den besten drei, hätte der Deutsche Skiverband einen zusätzlichen Startplatz für die Weltcupspringen nach der Tournee.

Eine taktische Überlegung, die, wie Werner Schuster bereits bestätigt hat, für den Bundestrainer durchaus eine Möglichkeit gewesen wäre. Doch Schuster entschied anders. "Es war eine sehr knappe Geschichte. Wir haben es nach dem Leistungsprinzip gesehen, Martin gebührt hoher Respekt, er hat sich das verdient", so der Bundestrainer.

Stand nach 2 von 4 Springen:

1. Anders Jacobsen (Norwegen) 586 Punkte, 2. Gregor Schlierenzauer (Österreich) 574, 3. Tom Hilde (Norwegen) 548, 4. Dimitri Wassiljew (Russland) 544, 5. Severin Freund (Rastbüchl) 543

6. Anders Bardal (Norwegen) 534, 7. Kamil Stoch (Polen) 526, 8. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 525, 9. Jaka Hvala (Slowenien) 521, 10. Michael Neumayer (Berchtesgaden) 521, ... 12. Martin Schmitt (Furtwangen) 516

... 15. Richard Freitag (Aue) 505, ... 18. Maximilian Mechler (Isny) 497, ... 25. Andreas Wank (Oberhof) 378, ... 47. Felix Schoft (Partenkirchen) 223, ... 52. Karl Geiger (Oberstdorf) 116

VIDEO - ANDERS JACOBSEN IM EUROSPORT-INTERVIEW

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