Transfers - Drogba und Anelka können keinen Reis mehr sehen

China schien auf dem Weg, das gelobte Land für alternde Stars zu werden. Nun aber nehmen Spieler wie Nicolas Anelka oder Didier Drogba Reißaus.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, jedenfalls nicht mit John Jairo Mosquera. "Ich will in meinem ganzen Leben keinen Reis mehr sehen. In Cottbus habe ich mir sofort eine Bratwurst und einen Döner geholt", sagte der Kolumbianer nach seiner Flucht aus China der Bild-Zeitung. Doch nicht nur dem Neuzugang des Fußball-Zweitligisten Energie Cottbus ist die Zeit im Reich der Mitte auf den Magen geschlagen - die Superstars Nicolas Anelka und Didier Drogba nehmen ebenfalls Reißaus. Auch ein Abgang des früheren Dortmunders Lucas Barrios vom Double-Gewinner Guangzhou Evergrande steht im Raum.

Die hochfliegenden Träume der Macher der "vermeintlichen Super League" (Guardian), das spielerische Niveau in China in neue Sphären zu heben, scheinen sich zu zerschlagen. "In China wissen die Leute nicht, was organisierter Fußball ist. Auf mich werden sie sicherlich nicht hören. Darum habe ich ihnen einen Star gebracht, der es ihnen zeigt", sagte Jun Zhu, der Vorsitzende des Erstligisten Shanghai Shenhua, nach der Verpflichtung von Drogba im Sommer.

"Geld ist nicht das Wichtigste"

Der Stürmerstar der Elfenbeinküste, der im Sommer 2012 einen Vertrag bis Ende 2014 unterschrieben hatte, befindet sich aber nach nur einem halben Jahr in China schon wieder im Abflug. Eine vom türkischen Meister Galatasaray Istanbul bereits als perfekt gemeldete Verpflichtung dementierte Shenhua allerdings. Für wen Drogba in Zukunft spielberechtigt ist, muss der Weltverband FIFA entscheiden.

"Geld ist nicht das Wichtigste. Ich erwarte hier einen neuen Lebensstil. Ich hoffe, ich kann China einen Teil meiner Kultur nahebringen und im Gegenzug etwas über die Kultur hier lernen", hatte Drogba nach seinem Abgang vom Champions-League-Sieger FC Chelsea noch gesagt. "Es ist ganz einfach - China ist noch nicht bereit für Drogba", sagte ein Shenhua-Fan.

Während der Abgang des 34-Jährigen noch hakt, ging der Transfer des französischen Ex-Nationalspielers Anelka (33) zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin in der vergangenen Woche über die Bühne. Wegen klubinterner Querelen - Gerüchten zufolge streitet Internet-Millionär Zhu mit anderen Anteilseignern um die Kontrolle - war bereits länger über einen Abschied des Europameisters von 2000 spekuliert worden.

Frauen-Besuch nur bei Siegen

Vielleicht hätten sich die Abenteurer vor ihren Gastspielen aber auch einfach mal bei Jan Kocian über die Gepflogenheiten in der neuen Wahlheimat erkundigen sollen. Der frühere Profi des FC St. Pauli trainierte bis Ende Juni 2012 South China AA. Die Spieler würden zusammen "essen, wohnen und trainieren", sagte Kocian. "Zu ihren Frauen dürfen sie nur, wenn das Team gewinnt."

Mit diesen Problemen braucht sich Mosquera, der im März 2012 zum FC Changchun Yatai wechselte, nicht mehr zu plagen. Bleibt nur zu hoffen, dass der 25-Jährige für konditorische Köstlichkeiten zu begeistern ist. Schließlich ist Cottbus nicht nur für seinen Zweitligisten, sondern auch für seinen Baumkuchen berühmt.

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