Tennis - Weber: "Federer holt seinen sechsten Titel"

Die Gerry Weber Open finden im kommenden Jahr bereits zum 21. Mal in Halle/Westfalen statt. Turnierdirektor Ralf Weber hatte vor 20 Jahren bei der Gründung die Idee, dieses als Rasenturnier durchzuführen. Heute schreiben wir das Jahr 2012 und inzwischen genießt das größte deutsche Turnier auch dank einer modernen Eventarena mit 11.500 Zuschauerplätzen weltweite Reputation.

Herr Weber, die Vorbereitungen für die Gerry Weber Open 2013 laufen doch sicherlich schon. Was können die Fans von der 21. Auflage erwarten?

Ralf Weber: "Zunächst die Feststellung, wie sie es von uns gewohnt sind, erneut ein attraktives Spielerfeld. Die Vereinbarungen mit Roger Federer und Rafael Nadal haben weiterhin Bestand, so dass ich heute davon ausgehen kann, dass beide kommen. Dies hat mir Roger am Rande der ATP-Weltmeisterschaft in London ausdrücklich zugesagt. Zwar stehen diese beiden Weltstars im Fokus der Öffentlichkeit, ich habe aber mit Janko Tipsarevic die weitere Zusage eines Top-Ten-Spielers erhalten. Zudem wurde erneut der hoch talentierte 21-jährige Kanadier Milos Raonic als Perspektivspieler verpflichtet und mit Kei Nishikori wird im kommenden Jahr ein Spieler mit dabei sein, der heute in seiner Heimat Japan das ist, was Boris Becker bei uns in den 80er, 90er Jahren war: ein Volksheld. Beide stehen heute schon unter den Top 20 der Welt. In punkto "Tennistainment" befinden wir uns derzeit in Gesprächen mit nationalen und internationalen Künstlern aus der Musikszene."

Sportlich dürfte der neuerliche Zweikampf von Roger Federer und Rafael Nadal im Blickpunkt stehen, oder?

Ralf Weber: "Das ist sicherlich richtig. Aber gerade dieses Jahr hat gezeigt, dass die sportlichen Überraschungen ein Turnier beleben. Nehmen wir zum Beispiel Tommy Haas. Er hat die diesjährigen Gerry Weber Open gewonnen und sich auf Platz 21 der Welt vorgespielt. Am Ende dieser Saison ist er zum ATP-Comebacker des Jahres gewählt worden. Wer hätte ihm das zugetraut? Kaum jemand. Deshalb sind Namen immer wichtig für ein Turnier, doch das Geschehen bestimmen nicht immer die Protagonisten. Eine Prognose will ich trotzdem abgeben: Im nächsten Jahr holt sich Roger seinen sechsten Titelgewinn bei uns. Davon bin ich überzeugt, er im Übrigen aber auch."

Bisher war das deutsche Davis-Cup-Team immer fester Bestandteil ihres Turniers, bleibt das auch unter dem neuen Teamchef Carsten Arriens so?

Ralf Weber: "Nun ist ja Carsten Arriens, den ich aus der Tennis-Bundesliga her kenne, nicht für die Turnierplanung der Spieler verantwortlich. Ob er darauf Einfluss nehmen wird, den Spielern zu sagen, wo sie spielen sollen, weiß ich nicht. Für mich steht fest, und das haben mir die Deutschen immer gesagt, eine bessere Vorbereitung auf Wimbledon als bei uns können sie sich nicht vorstellen. Dies belegen aktuell die Zusagen für das kommende Jahr von Philipp Kohlschreiber, Florian Mayer und Philipp Petzschner".

Was erwarten Sie von den deutschen Stars und von Titelverteidiger Tommy Haas?

Ralf Weber: "Zu den deutschen Tennisprofis etwas zu sagen, kann sich wie Wiederholungen anhören: Bei uns spielen sie immer ihr bestes Tennis, was anhand der sechs Turniersiege in den zwanzig Jahren von Michael Stich bis Tommy Haas zu belegen ist."

Mit Kei Nishikori schlägt der erste Japaner auf, der jemals in die Top 20 der Weltrangliste stürmte?

Ralf Weber: "Wir hatten Nishikori bereits für das diesjährige Jubiläumsturnier verpflichtet, aber leider fiel er verletzungsbedingt aus. Seine sportliche Entwicklung ist schon bemerkenswert und er genießt in seiner Heimat bereits Kultstatus. Ich gehe davon aus, dass seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Vielleicht kommt er zu uns als Top Ten-Spieler. Das Zeug dazu hat er jedenfalls."

Im Moment werden gerade die Karten für die Rasensaison neu gemischt. Ab 2015 liegen zwischen dem Ende der French Open und dem Beginn von Wimbledon drei Wochen. Was bedeutet das für die Gerry Weber Open?

Ralf Weber: "Zunächst müssen wir festhalten, dass unsere Entscheidung vor 20 Jahren ein Rasentennisturnier zu veranstalten, zu einer Renaissance dieses Spielbelags geführt hat. Hinzu kommt, dass wir die Gerry Weber Open zu einem weltweit anerkannten Turnier geführt haben, das Maßstäbe gesetzt hat. Die Anerkennung und Wertschätzung von Rasentennis hat letztlich dazu geführt, dass Wimbledon nun eine Woche später beginnt und den Profis die Möglichkeit einräumt, eine längere Rasensaison zu spielen."

Auch andere deutsche Standorte wie Hamburg oder Stuttgart wollen nun ab 2015 ein Rasenturnier veranstalten. Begrüßen Sie diese Initiativen?

Ralf Weber: "Selbstverständlich begrüßen wir diese Entwicklung. Von daher hoffe ich, dass seitens der ATP ein zweites Rasenturnier nach Deutschland vergeben wird, denn es haben sich auch andere europäische Turnierorte,wie unter anderem Gstaad, beworben. Wir sind auf jeden Fall bereit, unser Knowhow einzubringen, wenn es gewünscht wird."

Ist Ihnen bewusst, dass Ihre damalige Idee diese Entwicklung möglich gemacht hat?

Ralf Weber: "Heute ja, damals nein. Meine Überlegungen waren, wie wir uns mit einem neuen Turnier von den übrigen absetzen können. Bei diesen Gedankenspielen gingen mir Boris Becker, Michael Stich und Steffi Graf nicht aus dem Kopf. Sie waren Weltstars und haben zu der Zeit große Triumphe auf Rasen gefeiert. Also habe ich mir gedacht, wenn die bei uns spielen würden, dann doch wohl nur auf Rasen. Alles andere ist hinreichend bekannt, auch die Partnerschaft mit Wimbledon von der ersten Minute an. Dass dies später solche weitreichenden Konsequenzen haben könnte, war von mir nicht im Ansatz zu erahnen."

Macht Sie das stolz?

Ralf Weber: "Stolz ist das falsche Wort. Wir fühlen uns eher nach zwanzig Jahren bestätigt, dass wir stets an uns und unsere Ideen geglaubt haben. Und da wir immer unseren eigenen Weg gegangen sind, hat es zu dieser Entwicklung geführt."

Eigener Weg ist das Stichwort. Wie steht es um die Pläne, parallel ein Damenturnier zu veranstalten?

Ralf Weber: "Das Interesse ist weiterhin vorhanden. Allerdings ist festzuhalten, dass die von uns aufzubringenden finanziellen Investitionen sorgsam überlegt sein müssen. Von daher ist dieses Thema noch offen."

Wollen Sie die Spielerinnen aus dem deutschen Fed Cup trotzdem in das Turniergeschehen einbinden - etwa mit Schaukämpfen?

Ralf Weber: "Dies haben wir in diesem Jahr bereits mit Angelique Kerber und Julia Görges erfolgreich praktiziert und findet auch im kommenden Jahr seine Fortsetzung. Die Zusagen von Angelique Kerber und Andrea Petkovic liegen bereits vor. Zudem ergibt sich ab 2015 die zusätzliche Woche zwischen den French Open und den Gerry Weber Open, so dass wir dahingehend Überlegungen anstellen werden, wie wir am ersten Turnier-Wochenende die deutschen Fed-Cup-Spielerinnen bei uns einbinden können. Sie haben dann zugleich die Möglichkeit, sich trainingsmäßig bei uns auf Wimbledon vorzubereiten. Für sie eigentlich eine optimale Lösung."

Gibt es schon konkrete Verpflichtungen für die Champions Trophy?

Ralf Weber: "Wie gesagt, Angelique Kerber und Andrea Petkovic sind fix. Was fehlte waren die Herren für ein Mixed-Duell. Aber auch da sind die Vorbereitungen abgeschlossen: Die beiden Wimbledonsieger Michael Sich und Richard Krajicek werden dabei sein. Bekanntlich war Michael der erste Gerry Weber Open-Sieger 1993 und Richard stand 1999 bei uns im Finale. Für beide sind ihre Triumphe auf Rasen, unter anderem in Wimbledon und Halle, immer etwas Besonderes und daher kommen beide gerne zurück ins Gerry Weber Stadion."

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