Tennis - Petkovic setzt auf ihr Kämpferherz

Das Happy End in Bollywood blieb aus, und trotzdem trat Andrea Petkovic nach dem verpassten Finale beim letzten Turnier des Jahres den Heimflug aus dem indischen Pune mit einem guten Bauchgefühl an. "Ich bin sehr, sehr glücklich mit der Art, wie ich in dieser Woche gespielt habe. Ich wollte einfach ein paar Matches bestreiten und bis zum Ende dabei sein. Das habe ich fast geschafft."

Der Frust über das 2:6, 5:7 im Halbfinale gegen Jelena Switolina aus der Ukraine war schnell verflogen, als Belohnung liebäugelte die Darmstädterin sogar mit einem großen Stück Kuchen zum Ausklang einer Seuchensaison.

Doch die vom Verletzungspech gebeutelte Petkovic weiß nicht erst seit der Niederlage gegen die Nummer 156 der Welt, dass ihr Comeback einer Geduldsprobe gleicht.

"Mir fehlt noch die Konstanz. Ich bin Meilen von dem entfernt, was ich kann. Ich spiele ein paar gute Matches hintereinander, dann kommt wieder ein schreckliches", sagte die 25-jährige Petkovic, die in diesem Jahr insgesamt sieben Monate wegen einer Rücken- und einer Sprunggelenk-Blessur pausieren musste. Was zur Folge hatte, dass sie im Ranking von Rang zehn bis auf Platz 192 abstürzte. 54 Siegen 2011 stehen zwölf Erfolge in diesem Jahr gegenüber.

Rittner glaubt an ihren Schützling

Doch "Petko", die das Nichtstun hasst, hat ein großes Kämpferherz. Bereits nach einem Kreuzbandriss vor vier Jahren hatte die konstanteste Grand-Slam-Spielerin 2011 den Anschluss wieder gefunden und sich in die Top Ten gespielt. Zuletzt hatte die Halbfinal-Teilnahme in Luxemburg für Optimismus nach all dem Katzenjammer gesorgt - auch bei Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner. "Für Andy war es ein Seuchendrama-Jahr. Aber man hat schon in Luxemburg gesehen, dass sie wieder den Glauben an sich hat. Da war wieder die alte Euphorie", sagte Rittner, in deren Team Petkovic ein fester Bestandteil ist: "Wir brauchen sie als Charakter, um das zu erreichen, was wir vorhaben." Nämlich den Titel bald nach Deutschland zu holen.

So weit denkt Petkovic, die derzeit vor allem mit ihrem Returnspiel hadert, erst einmal nicht. Zunächst will sie eine Woche pausieren, um dann - wahrscheinlich mit einem Konditionstrainingslager mit Angelique Kerber (Kiel) - voll in die Vorbereitung auf 2013 einzusteigen. Eine Saison, in der sie wenig Punkte zu verteidigen hat, aber bei den Australian Open (14. bis 27. Januar) wohl erst einmal in die Qualifikation muss. Allerdings darf "Petko" in Melbourne auf eine Wildcard hoffen.

Zusammen mit Haas beim Hopman Cup

Gut lachen hat sie mit Blick auf das neue Jahr allemal. Gleich zu Beginn wird der Eintracht-Frankfurt-Fan zusammen mit Tommy Haas die deutschen Farben beim Hopman Cup in Perth vertreten. "Ich wollte schon immer mal mit Tommy spielen. Er ist ein großer Spieler, ich habe ihn immer bewundert", sagte Petkovic.

Ihre schweren Verletzungen haben die Einser-Abiturientin in punkto Karriereende offenbar zum Umdenken bewegt. Mittlerweile kann sie sich vorstellen, auch mit 30 Jahren noch auf der Tour unterwegs zu sein. "Ich habe mir immer gesagt, ich werde 2016 aufhören. Dieses Jahr hatte ich immer im Kopf. Mit den Verletzungen hat sich das aber alles ein bisschen verschoben", schrieb Petkovic am Rande der Royal Indian Open in Pune in ihrem WTA-Blog.

In vier Jahren will die ehemalige Nummer neun der Welt eine Entscheidung über ihre Zukunft treffen. "Wenn ich dann spüre, ich habe noch eine Menge in mir, dann spiele ich weiter. Wenn nicht, mache ich etwas anderes. Da sind Hunderte von Dingen, die ich machen will", sagte Petkovic, die unbedingt noch an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro teilnehmen möchte.

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