Tennis - Kerber: "Der Pokal steht in meinem Zimmer"

Angelique Kerber war die Aufsteigerin der Tennis-Saison 2012. Mit zwei Turniersiegen, dem Halbfinale in Wimbledon und ihrer Teilnahme am WTA-Finale der besten acht Spielerinnen in Istanbul hat sich die 24-jährige Kielerin in der Weltspitze etabliert. 2013 will Kerber weiter angreifen - ohne Weisheitszähne, aber mit Tauchschein.

Frau Kerber, zwischen Ihrem Ausscheiden beim WTA-Masters in Istanbul und dem Trainingsbeginn lagen nur knapp drei Wochen. Konnten Sie trotzdem ausreichend regenerieren?

Angelique Kerber: "Die Pause war vielleicht ein paar Tage zu kurz. Aber während meines achttägigen Urlaubs auf den Malediven konnte ich komplett abschalten. Ich hatte keinen Schläger dabei und habe gar nicht an Tennis gedacht. Im Anschluss habe ich mir allerdings alle vier Weisheitszähne ziehen lassen. Das war ein bisschen schmerzhaft, aber jetzt habe ich meine Ruhe."

Sie haben im Urlaub den Tauchschein gemacht. War das eine spontane Entscheidung?

Kerber: "Ich hatte es mir immer schon vorgenommen, weil ich auch als Kind sehr gerne unter Wasser geschwommen bin. Jetzt war ich jeden Tag vier, fünf Stunden auf dem Boot und unter Wasser. Einmal habe ich sogar einen Hai gesehen, das war ein gutes Gefühl, kein Angstgefühl. Alles aus einer anderen Perspektive zu sehen, war megacool. Ich konnte total abschalten, das war eine ganz andere Welt. Mit dem Schein kann ich auf der ganzen Welt bis zu 18 Meter tief tauchen."

Sie haben zunächst in Polen trainiert, dann in der Schüttler-Waske-University in Offenbach und zum Abschluss in Kiel. Was waren die Schwerpunkte der Vorbereitung?

Kerber: "Der Aufschlag und die Fitness. Vor einem Jahr lag das Augenmerk fast ausschließlich auf der Fitness. Diesmal gab es viele kleine Elemente - wie beispielsweise das Angreifen."

Wie motivierend ist es, wie in Offenbach mit Andrea Petkovic und dem österreichischen Spitzenspieler Jürgen Melzer zu trainieren?

Kerber: "Da kann man noch mal zwei bis drei Prozent mehr rausholen. Wenn Andrea im Kraftraum zum Beispiel ein paar Kilos mehr drückt, will man das auch und andersrum. Das setzt Kräfte frei."

2012 haben Sie sich in der Weltspitze etabliert. Wird 2013 ein Jahr der Bestätigung oder des Angriffs auf den ganzen großen Erfolg?

Kerber: "Beides. Es wird sicher ein ganz anderes Jahr als 2012. Ich werde von Anfang an eine Gejagte sein. Der Druck wird da sein. Aber ich habe ja schon in den letzten Monaten erfahren, wie das ist und gezeigt, dass ich damit ganz gut umgehen kann. Und ich bin noch die Gleiche wie vor einem Jahr - nicht als Sportlerin, aber als Person."

Spüren Sie es, dass Tennis-Deutschland auf den ersten Grand-Slam-Erfolg einer Spielerin seit Steffi Graf wartet?

Kerber: "Der Druck ist da, das kann man gar nicht wegdiskutieren. Aber ich nehme ihn an. Ich nehme mir natürlich vor, irgendwann mal etwas Großes zu reißen. Wenn die Zeit dafür reif ist, dann wird es auch klappen. Aber wenn man sich zum Beispiel auf einen Grand-Slam-Sieg oder die Nummer eins fokussiert, klappt es nicht."

Wo haben Sie den Pokal stehen, den Sie als Zweitplatzierte bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres gewonnen haben?

Kerber: "Der Pokal steht in meinem Zimmer, so dass ich ihn vom Bett aus sehen kann. Ich hatte nie mit dem zweiten Platz gerechnet, sondern eher mit einem Rang zwischen fünf und zehn. Am lustigsten war, dass meine Großeltern in Polen die Sendung gesehen haben und gar nicht wussten, dass ich Zweite geworden war. Ich hatte es vergessen zu erzählen. Sie waren dann völlig baff, als aus dem Umschlag eine Karte mit meinem Namen gezogen wurde."

Wie verbringen Sie Weihnachten, wann geht der Flieger nach Down Under zum Turnier in Brisbane?

Kerber: "Ich werde Weihnachten wie immer bei meinen Großeltern in Polen feiern. Die ganze Familie kommt, wir werden so zehn bis zwölf Personen sein und wie immer Karpfen essen. Die Geschenke habe ich schon. Ich bin eine, die eine Woche vorher schon gerne alles zusammen hat, damit man die Tage davor genießen kann. Am 26. Dezember fliege ich dann am Nachmittag nach Australien. Der Abschied von zuhause fällt immer schwer. Aber ich bin auch schon heiß auf die neue Saison und will wieder spielen und reisen."

Video: Die schönsten Winner des Australian-Open-Finals 2012

Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen