Special - Die Aufreger des Sportjahres 2012

Platzsturm, Disqualifikation, Prügel und ein absichtlicher Sturz: Das Sport-Jahr 2012 hat für einige Aufreger gesorgt. eurosport.yahoo.de hat zehn besonders emotionale Aufreger zusammengestellt.

Tennis: Ein Fall für Scotland Yard

Welch' ein Skandal im feinen Queen's Club von London! David Nalbandian rastete im Finale gegen Marin Cilic beim Stand von 7:6 und 3:4 völlig aus. Der Argentinier trat gegen die Werbefläche am Stuhl von Linienrichter Andrew McDougall - und das hatte Folgen. McDougall zog sich eine blutende Wunde am Schienbein zu, humpelte in die Katakomben. Sogar Scotland Yard ermittelte. Am Ende bekam Nalbandian, der im Endspiel disqualifiziert worden war, eine achtwöchige Sperre aufgebrummt. "Ich hatte niemals vor, ihn zu treffen. Es war eine unglückliche Reaktion, ich wollte nur den Frust nach einem verlorenen Punkt rauslassen. Manchmal kann man sich eben nicht kontrollieren", erklärte Nalbandian den Skandal.

Formel 1: Streit um den Titel

Nach dem Saisonfinale in Brasilien stand fest: Sebastian Vettel ist zum dritten Mal Weltmeister. Doch dann der Schock: Wird dem Deutschen der Titel wieder aberkannt? Die umstrittenen Ereignisse spielten sich in der vierten Runde ab, als Vettel den Toro-Rosso-Piloten Jean-Eric Vergne in einer Gelbphase überholt haben soll. Der Automobil-Weltverband FIA veröffentlichte schließlich ein Schreiben, das den Red-Bull-Piloten von einem regelwidrigen Verhalten freisprach. Konkurrent Ferrari hatte eine Untersuchung der fraglichen Szene verlangt. "Es war unsere Pflicht, von der FIA eine Erklärung zu verlangen", sagte Teamchef Stefano Domenicali, "wir wollten allerdings keineswegs Vettels Verdienste bestreiten. Wir denken aber, dass Fernando Alonso den WM-Titel verdient gehabt hätte, nachdem er seine beste Saison der Karriere gefahren ist. Fernando verdient die beste Note, das Auto nicht."

Radsport: Nagelprobe auf der Tour

Dass die Tour-Premiere des extrem steilen Anstiegs der "Mur de Péguère" in die Geschichte eingehen würde, war zu erwarten. Aber nicht aus diesen Gründen. Hunderte von Nägeln, gestreut in der Viertelstunde Zeitabstand zwischen den Ausreißern und der ersten Gruppe des Feldes, sorgten für völliges Chaos und zahllose Defekte. Besonders hart erwischte es Vorjahressieger Cadel Evans, der drei Reifenschäden erlitt. "Das ist mehr als kriminell", so sein Teamchef John Lelangue wutentbrannt im Ziel. "Die Fahrer gehen schon genügend Risiken ein, fahren da mit 70km/h runter - und dann passiert dort so eine verbrecherische Sache!" So etwas komme "selten vor, aber es war sehr gefährlich", sagte Tour-Chef Christian Prudhomme, "eine so dumme Aktion kann ich nur nachdrücklich verurteilen". Die Organisatoren erstatteten Anzeige gegen Unbekannt.

Fechten: Chaos auf der Planche

Deutschlands Vorzeige-Fechterin Britta Heidemann war bei den Olympischen Spielen in ein höchst bizarres Halbfinale verwickelt. Mit einem Last-Second-Treffer hatte die Leverkusenerin das umstrittene Gefecht gegen Shin A-Lam mit 6:5 nach "Sudden Death" für sich entschieden. Die Südkoreaner protestierten wütend. Ihrer Meinung nach war die Zeit schon abgelaufen. Bei einem Gleichstand hätte Shin A-Lam das Finale den Regeln entsprechend erreicht und Heidemann nur um Bronze kämpfen können. Nach dem Gefecht folgten quälende Minuten, in denen die Jury diskutierte. Als der Entscheid pro Heidemann gefallen war, löste sich die Anspannung im deutschen Lager in grenzenlosem Jubel. Die Südkoreanerin brach in Tränen aus und kauerte noch lange auf der Planche. Der Protest ihres Trainers wurde sofort abgewiesen, ein zweiter Widerspruch zog sich ebenfalls lange hin. Erst nach 45 Minuten kam die endgültige Bestätigung. Nur auf Aufforderung von Offiziellen verließ Shin A-Lam die Planche. Heidemann gewann am Ende die Silbermedaille, A-Lam unterlag im Kampf um Silber.

Boxen: Prügel auf der Pressekonferenz

Der WM-Kampf im Schwergewicht zwischen Witali Klitschko und Dereck Chisora stand unter keinem guten Stern. Der Brite ohrfeigte Klitschko schon beim Wiegen einen Tag vor dem Kampf. Nach seiner Niederlage im Ring ließ er auf der Pressekonferenz dann wieder die Fäuste fliegen. Nach ein verbalen Provokationen lieferte er sich vor der versammelten Presse eine Schlägerei mit dem anwesenden WBC-Champion David Haye. Chisora drohte gar, Haye erschießen zu wollen. Die Polizei nahm den Boxer schließlich am Münchner Flughafen fest und verhörte ihn drei Stunden lang. Haye hatte schon früh am Morgen das Weite gesucht. Trotzdem stiegen die beiden Streithähne am 14. Juli in London gegeneinander in den Ring - Haye gewann durch Knockout in Runde fünf.

Handball: "Ein wahrer Albtraum"

Im September kam heraus: Mehrere Spieler von Montpellier AHB, darunter Weltmeister und Olympiasieger Nicola Karabatic, stehen im Verdacht, in der Vorsaison das Liga-Spiel bei Cesson-Rennes manipuliert und so Verwandten und Bekannten Wettgewinne von insgesamt knapp 252.000 Euro ermöglicht zu haben. Es wurden Strafverfahren wegen Betrugs eingeleitet. "Wir sind fertig, verstehen nicht, warum man uns so verfolgt. Das ist ein wahrer Albtraum", so Karabatic. "Die Leute sagen, dass wir ein Spiel verschoben haben. Das ist eine große Lüge. Ich habe das Spiel nie gespielt", so der französische Superstar, der in Deutschland vor allem durch seine Erfolge mit dem THW Kiel bekannt wurde. Die Untersuchungen der Polizei und Staatsanwaltschaft dauern derweil noch an.

Fußball: Fortuna beim Chaos im Glück

Tausende Fans stürmten den Rasen beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (2:2). Ein Fortuna-Anhänger gelangte dabei in die Schlagzeilen, da er den Elfmeterpunkt ausgrub und mitnahm. Kurz vor Spielschluss wurde die Partie für mehr als 20 Minuten unterbrochen, es kam zu Tumulten. Hertha BSC legte am Tag darauf Einspruch gegen die Wertung des Spiels ein. 35 Tage nach dem sportlichen Erfolg in der Relegation konnte Fortuna Düsseldorf aber endgültig den Aufstieg in die 1. Bundesliga feiern. Die Berliner akzeptierten ihren Abstieg. Fortuna-Boss Peter Frymuth äußerte zwar Verständnis, dass Berlin alle Möglichkeiten geprüft habe, aber "die Verärgerung über die Art und Weise, wie sie dabei mit uns umgegangen sind, ist immer noch groß." Noch deutlichere Worte fand Düsseldorfs Finanzvorstand Peter Jäger. "Was mich betrifft, haben 17 andere Zweitligisten einen Fan mehr, wenn es gegen Hertha geht", sagte Jäger der "Rheinischen Post".

Leichtathletik: Achterbahnfahrt im Siebenkampf

Achterbahnfahrt der Gefühle mit glücklichem Ende: Erst wurde Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf bei den Olympischen Spielen in London disqualifiziert - doch am Ende gab es doch Silber. Mit 6649 Punkten gelang ihr der größte Erfolg ihrer Karriere. Zunächst war Schwarzkopf disqualifiziert worden, weil sie beim abschließenden 800-m-Lauf angeblich auf die Außenlinie getreten war. Doch nach Studium einer Videoaufzeichnung nahm die Jury den Ausschluss wieder zurück. "Die Briten haben eine neue Art von Humor", sagte Schwarzkopf und betonte: "Ich bin drin in der Wertung." Fernsehbilder belegten eindeutig, dass es die Russin Kristina Sawizkaja war, die auf die Bahnbegrenzung gelaufen war.

Badminton: Verlierer im Vorteil

Bei den Olympischen Spielen in London wurden acht Doppel-Spielerinnen aus China, Südkorea und Indonesien aus dem Turnier ausgeschlossen, weil sie versucht hatten, sich durch absichtliche Niederlagen in ihren letzten Vorrundenspielen einen leichteren Weg in der K.o.-Phase zu verschaffen. Pikant, dass ausgerechnet die schon seit Längerem der Manipulation verdächtigen Chinesen in London alle fünf Gold-Medaillen im Badminton abräumten. Das hatte es zuvor noch nie bei Olympia gegeben. Wegen der Affäre um die acht ausgeschlossenen Spielerinnen gab es sogar Zweifel an der olympischen Zukunft von Badminton.

Bahnrad: Ein Sturz ins Gold-Glück

Einen bitteren Nachgeschmack bekam der Olympiasieg der britischen Sprint-Mannschaft der Männer. Das deutschstämmige Teammitglied Philipp Hindes fabrizierte einen absichtlichen Sturz. "Wir haben gesagt, wenn wir einen schlechten Start haben, müssen wir stürzen, um zu einem Re-Start zu kommen", so die pragmatische Erklärung des Sportlers. "Es war alles wirklich geplant." Gemäß den Regeln wurde den Briten der Neustart ermöglicht - und dieses Mal ebnete Hindes mit einem Traumstart seinem Team den Weg zu Gold. Der Internationale Radsport-Verband bestätigte kurz darauf, dass das Resultat nicht in Frage gestellt werde.

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