Skispringen - Wellinger lebt den "Wahnsinn"

Andreas Wellinger ist mit nur 17 Jahren die Konstante im deutschen Tournee-Team. Als einziger DSV-Adler sprang der Schüler zweimal in die Top 10 - und setzte seinen beinahe märchenhaften Aufstieg fort.

Als die Sprache auf Andreas Wellinger kam, hellte sich der Blick des Bundestrainers endlich auf.

"Andi ist wirklich ein Lichtblick. Er macht das phantastisch", sagte Werner Schuster über das Küken der Mannschaft, das bei seiner ersten Vierschanzentournee schon wie ein erfahrener Adler auftritt.

Als einziger Deutscher sprang der 17-Jährige sowohl in Oberstdorf als auch in Garmisch-Partenkichen in die Top 10 - und setzte so seinen beinahe märchenhaften Aufstieg fort.

Aus dem C-Kader in die Weltspitze

Der so Gelobte kann die eigene Erfolgsgeschichte noch immer kaum fassen. "Das ist der Wahnsinn, das hätte ich nie geglaubt. Ich nehme das einfach alles mit und genieße", sagt Wellinger, den Schuster im Sommer in den Tiefen des deutschen C-Kaders entdeckte. Seither springt der Schüler aus Ruhpolding konstant in der Weltspitze mit, auch wenn er gerne betont: "Irgendwann kommt bestimmt die Nervosität."

Für die Tournee gilt das jedenfalls nicht. Nach Rang zehn beim Auftakt hinterließ besonders der zweite Durchgang beim Neujahrsspringen Eindruck. r"Wenn man von Platz 18 noch auf Rang neun kommt, ist das einfach geil", sagte Wellinger in seiner gewohnt unbekümmerten Art. Ganz nebenbei rettete er der deutschen Mannschaft um den schwächelnden Severin Freund (Rang 15) zumindest ein ordentliches Teamergebnis - und seinem Trainer halbwegs die Laune.

Schuster bedankte sich mit einer Lobrede auf den Tournee-Novizen. "Andi hat einen sehr aggressiven Sprungstil, er traut sich viel zu. Auch unter Stress ist er immer handlungsfähig", sagte der Österreicher. Zudem habe Wellinger auch ohne den derzeit heiß diskutierten "Wunderschuh" von Spitzenreiter Anders Jacobsen (Norwegen) eine flache Skiführung: "Und das ist in der heutigen Zeit sehr wichtig", so Schuster.

In der Tournee-Gesamtwertung liegt der deutsche Youngster zwar "nur" auf dem achten Platz, Konkurrenten wie Gregor Schlierenzauer sehen in Wellinger dennoch einen künftigen Rivalen. "Er hat sich in der obersten Liga behauptet, er ist ein sehr guter Typ. Ich finde es super, dass junge deutsche Springer den Anschluss schaffen und vorne mitspringen", sagt der Titelverteidiger aus Österreich. Teamkollege Andreas Kofler lobt Wellinger als "sehr ruhig und sehr gelassen".

"Es ist wie ein Traum"

An Wellinger prallt das alles ab. Der Neuling blendet den Rummel um seine Person ebenso leicht aus wie den ungewohnten Tournee-Troubel. "Natürlich sind mehr Zuschauer da. Aber eigentlich ist es nicht viel anders als bei anderen Weltcups. Ich konzentriere mich einfach auf meine Sprünge", sagt er. Und lässt den Worten Taten folgen. "Wie er sich Tag für Tag, Woche für Woche auf die Schanzen einstellt, mit welcher Konsequenz er die Sprünge durchzieht, das ist schon toll", sagt Schuster.

Im Gesamtweltcup ist Wellinger während der Tournee dennoch vom vierten auf den sechsten Platz abgerutscht, doch auch das ist noch immer ein sensationelles Resultat. "Es ist wie ein Traum", sagt Wellinger. Und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht.

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