Skispringen - Wellinger und Co. heiß auf die Tournee

Die DSV-Adler sind heiß auf die Vierschanzentournee: Severin Freund, Richard Freitag und Andreas Wellinger wollen den deutschen Skispringern nach zehn Jahren wieder einen Einzelsieg bei den Springen zur Jahreswende bescheren. Der Ansturm der Fans ist so groß wie lange nicht mehr. "Ich habe gar nichts zu verlieren", zeigt sich Shootingstar Wellinger vor dem ersten Saisonhöhepunkt zuversichtlich.

An der Seite der österreichischen Überflieger Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler lächelt Andreas Wellinger immer noch etwas schüchtern in die Kamera. Dabei ist der 17 Jahre alte Shootingstar mit seinem zweiten Platz beim Weltcup in Engelberg rechtzeitig vor der Vierschanzentournee in der Weltspitze angekommen. Aber nicht nur deswegen sind die DSV-Adler heiß auf die Tournee, bei der so viele Fans erwartet werden wie seit Jahren nicht mehr.

"Ich habe gar nichts zu verlieren", sagt Wellinger, der mittlerweile sogar schon dem deutschen Vorflieger Severin Freund die Show stiehlt: "Für die erste Saison im Weltcup ist es unfassbar für mich, schon zum zweiten Mal auf dem Podium zu stehen. Ich gehe gelassen mit der derzeitigen Situation um und freue mich auf die Vierschanzentournee."

Gerade sieben Wettkämpfe hat der Schüler aus Oberstdorf im Weltcup absolviert, in der Gesamtwertung liegt er sensationell auf Rang vier. Dabei hatte ihn Bundestrainer Werner Schuster im Sommer erst aus dem C-Kader geholt. Ein "interessanter junger Mann" sei er. Einer, "der viele Qualitäten" und eine große Zukunft habe. "Im Herbst hat er mich überzeugt, da haben wir gesagt: den Burschen nehmen wir mit", erzählt Schuster.

Duell Deutschland gegen Österreich?

Und plötzlich kann der schlaksige Youngster sogar gegen die Weltspitze um Siege mitspringen. Genau wie Freund, der allerdings ausgerechnet beim letzten Springen vor der Tournee die Führung im Gesamtweltcup an Schlierenzauer verloren hat. "Kein Problem", meint der 24-Jährige aus Rastbüchl gelassen. Es sei schließlich noch früh in der Saison: "Ich will es mir wiederholen."

Vom Gesamtsieg bei der Tournee will im deutschen Lager niemand reden. "Aber um einen Podestplatz möchte ich schon mitspringen, auch ein Tagessieg wäre schön", sagt Freund, der in diesem Winter schon zweimal triumphierte, vor dem Auftaktspringen in Oberstdorf am 30. Dezember. Die DSV-Adler warten sehnsüchtig auf einen Einzelsieg. Der letzte war Sven Hannawald 2002 in Oberstdorf gelungen.

Scheinbar können nur die Austria-Adler die deutschen Springer stoppen. Tournee-Titelverteidiger Gregor Schlierenzauer siegte bei der Generalprobe in Engelberg zum dritten Mal in dieser Saison und hat damit das begehrteste Kleidungsstück der Szene zurückerobert. "Das Gelbe Trikot ist jetzt ein Extrakick für mich, und das gibt mir die Sicherheit, dass ich auf dem richtigen Weg bin", sagt der Österreicher.

Schlierenzauer betrachtet Freund als ernsthaften Konkurrenten im Kampf um den Gesamtsieg, auch Wellinger müsse man beachten. "Er muss ja was können", sagt der 22-Jährige, der schon 43 Weltcupsiege auf seinem Konto hat.

Die Fans sind jedenfalls heiß auf die vier Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen. Die Rivalität, die zu Zeiten von Sven Hannawald, Martin Schmitt und ÖSV-Stars wie Andreas Goldberger für einen Zuschauer-Boom gesorgt hatte, lebt in diesem Winter wieder auf. Alle bisherigen sieben Springen gewann entweder ein Deutscher (Freund) oder ein Österreicher (Schlierenzauer, Kofler). Das blieb nicht ohne Folgen, die Tournee-Städte melden eine Kartennachfrage wie seit Jahren nicht mehr.

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