Skispringen - Freund soll in Hannawald Fußstapfen treten

In Severin Freund reist elf Jahre nach Sven Hannawald wieder ein Deutscher als Mitfavorit zur Vierschanzentournee. Elf Jahre nach dessen Triumph scheint der Gesamtsieg für einen Deutschen keine Utopie mehr zu sein. Der 24 Jahre alte Bayer weiß um die hohen Erwartungen - und bleibt dennoch cool. In diesem Jahr konnte Freund bereits zwei Siege und die zwischenzeitliche Weltcup-Führung feiern.

Severin Freund gelingt derzeit einfach alles, sogar in der Küche. "Gefesselten Lachs im Zucchinibett auf schwarzem Risotto" zauberte Deutschlands bester Skispringer vor der Vierschanzentournee mit Sternekoch Otto Koch auf den Teller, anschließend gab es eine flambierte Kokosskulptur. Das Urteil des 24 Jahre alten Überfliegers: "Beides extrem lecker."

So gelassen wie am Herd präsentiert sich Freund kurz vor dem Start der Tournee auch in Oberstdorf. Der Zweite des Gesamtweltcups scherzt und lacht, dabei könnte der Druck kaum größer sein. "Ich weiß um meine Rolle als Mitfavorit", sagt der Niederbayer, der in diesem Winter schon zwei Weltcups gewonnen hat.

"Die Hymne zu hören, das wäre großartig"

"Ich möchte um einen Podestplatz mitspringen, auch ein Tagessieg wäre schön. Die Hymne zu hören, das wäre großartig", sagt auch Freund - und grinst. Der deutsche Hoffnungsträger wirkt ausgeglichen, geradezu gelassen. "Es entspannt, wenn man mit einer guten Form zur Tournee kommt, die einem keiner nehmen kann", sagt Freund. Sein Lieblingswort heißt "lässig", so nennt er die Schanzen, seine Sprünge, die Stimmung im Team.

Täuschen lassen sollte sich davon aber niemand. Im Training gilt Freund als akribischer Arbeiter, als Perfektionist. Beim letzten Lehrgang testete er sein gesamtes Material und legte "das beste Zeug für die Tournee" beiseite. Dort soll der unumstrittene Leader im deutschen Team nicht nur in die Weltspitze fliegen, sondern auch DSV-Adlern wie Andreas Wellinger oder Richard Freitag ausreichend Windschatten für eigene Erfolge bieten.

Kommt der Hype nach der Tournee?

Bei seinen Kollegen ist Freund als smarter, neugieriger Typ längst anerkannt. "Severin hat ein sehr gutes Allgemeinwissen. Was er nicht weiß, schaut er sofort nach", sagt der 17 Jahre alte Wellinger. Dank seiner eloquenten Art ist Freund, der internationales Management studiert, ein gefragter Gesprächspartner. "Severin gibt super Interviews, ist sehr sympathisch und professionell", sagt etwa der ehemalige Tournee-Sieger und heutige ARD-Experte Dieter Thoma.

Was auf den ersten Blick verwundert: Ein Hype wie bei "Hanni" Hannawald oder Martin Schmitt, die vor zehn Jahren von schreienden Teenagern belagert wurden, ist nicht entstanden. Freunds Fanclub tritt eher bescheiden auf und entrollt an den Schanzen höchstens ein Banner mit dem Wappen seiner Heimatstadt Waldkirchen. Auf Facebook folgen ihm knapp 2200 Interessierte, kein Vergleich zum Kollegen Thomas Morgenstern (78.500) oder gar Fußballer Cristiano Ronaldo (52 Millionen).

Mit Erfolgen bei der Tournee könnte sich das schnell ändern, zumindest seinen siebten Platz aus dem Vorjahr sollte er locker übertreffen. Den ersten Sieg gegen die Überflieger aus Österreich hat Freund schon in der Tasche: In Engelberg trafen sich beide Teams abseits der Schanze zu einer Partie Curling. "Es war nett, ein wenig zu plaudern", sagte Freund, ehe er den ÖSV-Adlern kräftig die Flügel stutzte. "Heute haben uns und die Deutschen richtig weggefegt", sagte Andreas Kofler.

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