Ski-WM - Höfl-Riesch legt nach: Abfahrts-Bronze

Maria Höfl-Riesch hat nach ihrem Titel in der Kombination nachgelegt und sich in der Abfahrt die Bronze-Medaille bei der Ski-WM in Schladming gesichert. Mit einem Rückstand von 0,7 Sekunden auf die neue Weltmeisterin Marion Rolland aus Frankreich fuhr die Deutsche hinter Nadia Fanchini aus Italien (+0,16) mit der drittschnellsten Zeit ins Ziel. Gastgeber Österreich ging einmal mehr leer aus.

Maria Höfl-Riesch konnte gar nicht mehr hinschauen. Bei der WM-Abfahrt von Schladming saß sie als Dritte lange "auf der Abschussposition", wie sie meinte.

"Da ist noch keine Gänsehaut, nur Herzklopfen und Zittern", sagte sie mit brüchiger Stimme. Die Weltmeisterin in der Super-Kombination wusste, "es war ein verrücktes Rennen".

Die Außenseiterinnen Marion Rolland aus Frankreich und Nadia Fanchini (Italien) lagen vorn, gute Athletinnen kamen noch. Doch das Warten lohnte sich: Höfl-Riesch blieb Dritte - und gewann wie 2011 Bronze in der Königsdisziplin.

Überwindung ist das Geheimnis

"Ich bin super happy, es ist toll, die zweite Medaille hier zu gewinnen", sagte Höfl-Riesch erleichtert, als sie Gewissheit hatte. Es sei alles andere als einfach gewesen auf der "prügelharten" Piste "Streicher", meinte die Doppel-Olympiasiegerin.

Viele Läuferinnen hatten große Probleme, einige stürzten, darunter Veronique Hronek (Unterwössen). Die 21-Jährige blieb aber unverletzt. "Man musste sich hier echt überwinden", meinte Höfl-Riesch. Das tat sie.

Dennoch hatte sie nach einer guten, aber längst nicht perfekten Fahrt nicht mehr mit der Medaille gerechnet. "Es geht nicht jeden Tag gut auf, ich habe mich tapfer geschlagen, auch wenn es jetzt der vierte oder fünfte Platz wird", sagte sie zunächst. 0,54 Sekunden lag sie da hinter Fanchini zurück, alle Favoritinnen standen noch oben.

Kreuzband-Podium mit Leidensgenossinnen

Doch dann war eine nach der anderen langsamer, nur Rolland knackte Höfl-Riesch und auch Fanchini noch, setzte sich mit 0,16 Sekunden Vorsprung durch. "Das ist das Kreuzbandpodium, jede von uns hat schon mindestens zwei Risse gehabt", scherzte Höfl-Riesch.

Sie selbst habe "auch ein bisschen Glück gehabt", meinte sie. Die Schweizerin Nadja Kamer war nur 0,04 Sekunden langsamer, "aber ich habe auch schon Pech gehabt heuer", sagte Höfl-Riesch: "Es ist jetzt so gekommen, wie erhofft, dass das Glück bei der WM zurückkommt."

Und das, obwohl Höfl-Riesch angeschlagen ins Rennen gegangen war. Nach der Kombi-Abfahrt habe sie ihr Knie gespürt, sagte sie. Auf das Abschlusstraining am Samstag hatte sie deshalb verzichtet, ließ sich stattdessen behandeln. Doch auf der extrem eisigen Piste spürte sie bei der Abfahrt "ein paar Mal einen Stich. Bei den Sprüngen klatscht man aus eineinhalb, zwei Metern brutal auf, das tut weh. Aber ich habe auf die Zähne gebissen." Und sie wurde belohnt.

Gnadenlos und brutal zu Gold

Dass es nicht für Silber oder gar Gold reichte, lag an den sehr schwierig zu fahrenden Kurven im Mittelteil zwischen Mittelstation und Breilerhang. "Die habe ich nicht alle super erwischt", sagte die 28 Jahre alte Partenkirchnerin. Viel mehr konnte sie über ihre Fahrt nicht mehr sagen, "ich war voll im Tunnel drin".

Vor allem die Fahrt von Rolland nötigte ihr Respekt ab. "Die ist gnadenlos, brutal gefahren", sagte sie über die 30-Jährige. Rolland hatte bei Olympia in Whistler traurige Berühmtheit erlangt, als sie bei der Abfahrt quasi aus dem Starthaus fiel und das Kreuzband riss. "Wie sie das durchgezogen hat, Hut ab", sagte Höfl-Riesch.

Im Zielraum zogen jedoch auch zahlreiche Zuschauer vor ihr den Hut, darunter "Kaiser" Franz Beckenbauer. Eine "gewisse Lockerheit" hatte der bei Höfl-Riesch ausgemacht. Und tatsächlich: Höfl-Riesch war wie bei der Kombi mit einem Lächeln am Start erschienen. "Es geht schon, ich bin wieder erholt", sagte sie augenzwinkernd über mögliche Nachwehen der Gold-Feier.

Lob für die Piste

Die Piste, das hatte Höfl-Riesch bei der Besichtigung zufrieden festgestellt, präsentierte sich in einem "super" Zustand: "So eisig haben wir es im Weltcup nie, leider, mir taugt das total." Wie ihr das "taugt", also liegt, zeigte sie bei ihrem wilden Ritt über die Strecke zu der auch wieder der Posersprung gehörte. Dort war ihre Freundin Lindsey Vonn im Super-G schwer gestürzt. Vonn stand bei den letzten vier Großereignissen immer auf dem Abfahrts-Podest, 2009 als Weltmeisterin, 2010 als Olympiasiegerin. Ihr Fehlen war die Chance der anderen - auch Höfl-Riesch nutzte sie.

"Einmal Gold, einmal Bronze", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier zufrieden, "das macht es auch für die anderen leichter." Diese "anderen", etwa Viktoria Rebensburg oder Felix Neureuther, haben in der zweiten WM-Woche beste Chancen auf Edelmetall.

VIDEO - Geheimnis gelüfet...

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