Ski-WM - Geschockter Neureuther dankt Dopfer

Abends, kurz vor dem Zubettgehen, wirkte der gute Felix Neureuther noch immer ein wenig geschockt. Und alle, die jene furchterregende Szene gesehen hatten, schüttelten den Kopf, wenn sie darüber redeten. Viel hätte nicht gefehlt, und die WM wäre für Neureuther bereits zu Ende gewesen, noch ehe sie richtig begonnen hatte.

"Ich hab' gedacht, der schneidet ihm mit der Kante den Unterschenkel durch", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier über einen Unfall, der das Schlimmste befürchten ließ - und der wie durch ein Wunder nur mit einer Prellung endete.

Im Team-Wettbewerb, in dem ein eindrucksvoller Fritz Dopfer der deutschen Mannschaft Bronze rettete, war Neureuther von einem recht unerfahrenen, ziemlich ungestümen jungen Kroaten namens Filip Zubcic abgeräumt worden. Zubcic stürzte und flog ungebremst auf Neureuther zu, im Fußball wäre das ein Foul mit gestrecktem Bein und offener Sohle gewesen.

"Ja, das war Dunkelrot", sagte Neureuther scherzhaft, doch auch ihm war klar, wie knapp er da einer Katastrophe entgangen war: "Er hat das sicher nicht mit Absicht gemacht, aber wenn so ein Mist blöd ausgeht, kann er meinen Unterschenkel weghauen."

Neureuther ist "bereit"

Weil Neureuther an jenem rechten Unterschenkel einen zusätzlichen Schutz trug, blieb ihm das Schlimmste erspart. "Bis Freitag kriegen wir das wieder hin", sagte DSV-Mannschaftsarzt Ernst-Otto Münch über die Prellung. "Ich lasse mich jetzt gut behandeln, und dann bin ich bereit für Freitag und Sonntag", versicherte Neureuther.

Am Freitag findet zunächst der Riesenslalom statt - und wenn der spektakuläre Team-Wettbewerb nur im Ansatz Rückschlüsse zulässt auf die Form der Läufer, dann ist klar: Fritz Dopfer ist verdammt gut drauf. "Er hat ein cooles Opening gezeigt", sagte Maier. Mehr Lob geht kaum.

Das Lob war mehr als berechtigt. Zweimal, im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Frankreich und im kleinen Finale um Bronze, lag das deutsche Quartett mit 1:2 zurück. Zweimal kam es auf "Schlussläufer" Dopfer an. Zweimal gewann er den entscheidenden Lauf um Platz drei mit einer Hundertstel Vorsprung.

Maria Höfl-Riesch, der Dopfer nach Gold (Super-Kombination) und Abfahrt (Bronze) ihre dritte Medaille einfuhr, sagte: "Mit dem Fritz haben wir den großen Joker gezogen. Respekt und vielen Dank. Ich bin wahnsinnig glücklich."

Dopfer besitzt "herausragende Sonderklasse"

DSV-Präsident Alfons Hörmann nannte die Leistungen von Dopfer "herausragende Sonderklasse", doch Dopfer ist derlei Lob dann doch eher peinlich. Bei der Feier im deutschen Haus stellte er sich auch gleich hinter Neureuther, so, als wolle er sich verstecken.

Dabei hat er das gar nicht nötig: Dopfer ist der momentan beste deutsche Ski-Rennläufer. In der "World Cup Starting List", der Weltrangliste, die über die Startreihenfolge bei einem Rennen entscheidet, liegt er im Slalom auf Rang sieben und im Riesenslalom auf Rang drei.

Neureuther ist Zweiter im Slalom, aber nur 13. im Riesenslalom, das bedeutet: Nur Dopfer ist aktuell in beiden Disziplinen Mitglied der ersten Startgruppe, der absoluten Elite. Im Riesenslalom fahren lediglich Ted Ligety (USA) und Marcel Hirscher, der mit überragenden Leistungen im Team-Wettbewerb die Österreicher auf dem Weg zum ersten Gold bei dieser WM beflügelte, konstanter als der 24-Jährige.

Darüber hinaus wird Dopfer allseits angerechnet, dass er Neureuther angestachelt und besser gemacht hat - durch seinen extremen Trainingsfleiß.

"Bronze ist eine große Genugtuung für mich", bekannte Neureuther nach einem bewegenden Abend. Zu verdanken hatte er die Medaille, die zweite für ihn nach Gold bei der Premiere des Team-Wettbewerbs 2005, dem Kollegen. Und was sagte Dopfer? "Davon können wir wirklich noch profitieren und die noch vier Aufgaben gut meistern."

VIDEO: Zubcic räumt Neureuther ab

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