Ski-WM - Drama um schwer gestürzte Vonn

Der Moment, der die Ski-Welt erschütterte, war auch für Maria Höfl-Riesch ein Schock. "Ich wollte meine Skistöcke gerade über die Startschranke stellen, dann war Startstopp", sagte sie über den schweren Sturz ihrer Freundin Lindsey Vonn, der für sie das Aus für die WM und die gesamte Saison bedeutete.

"Dann", berichtete Höfl-Riesch blass über die folgenden Sekunden, "kam Lindseys Sturz im Fernsehen - und alle haben geschrien." Auch Lindsey Vonn. Die Amerikanerin lag am Fuße des "Posersprungs" im Schnee - und brüllte vor Schmerzen.

Diese Szenen waren am Tag nach diesem chaotischen Super-G noch Gesprächsthema Nummer eins in Schladming. Höfl-Riesch war "nur froh, dass ich heil runtergekommen bin an diesem verrückten Tag." Verrückt für Höfl-Riesch und andere, chaotisch für alle - tragisch für Vonn. Die 28-Jährige hatte sich nach ihrer Darmerkrankung und dem Wirbel um ihre Depressions-Beichte zurückgekämpft.

Die "Speed-Queen" war die große Favoritin auf Super-G-Gold. Unmittelbar vor dem Beginn der Titelkämpfe hatte sie betont, wie gut ihr die Strecken lägen, und auch: "Noch nie bin ich so gut vorbereitet zu einer WM gereist."

Entscheidung der Jury ein Eingentor

Nun fährt sie vorzeitig nach Hause, zur OP in die Staaten. Dort sollen das gerissene Kreuzband, das gerissene Innenband und das gebrochene Schienbeinköpfchen im rechten Knie Anfang kommender Woche operiert werden. Das teilte US-Teamarzt William Sterett mit, der den Eingriff in Vail/US-Bundesstaat Colorado selbst vornehmen wird.

Für Vonn, die das Krankenhaus in Schladming bereits verlassen hat, ist die Saison damit beendet. Das neue Ziel, das hat Vonn in einer Mitteilung ihres Verbandes bereits formulieren lassen: Die Saison 2013/14, Olympia in Sotschi. Bei der WM in Schladming, in diesem Ski-Winter, fährt Vonn nicht mehr. "So eine Athletin zu verlieren, ist immer bitter", sagte Patrick Riml, der Alpindirektor des US-Skiverbandes.

Rimls deutscher Kollege Wolfgang Maier nannte die Entscheidung der Jury, den Super-G mit dreieinhalb Stunden Verspätung trotz allem zu starten, ein Eigentor. "Man wollte die beste WM machen, die es je gab, und was hat man erreicht: Ein Superstar des alpinen Sports ist jetzt außer Gefecht."

"Kein Problem mit der Strecke"

Renndirektor Atle Skardal verteidigte sich. "Die Sicht war kein Problem in diesem Abschnitt, und es gab auch kein Problem mit der Strecke. Es war alles, wie es hat sein sollen", sagte er. Maier war sich da nicht so sicher. Er betonte zwar, die Stelle nicht selbst in Augenschein genommen zu haben, aber er sagte auch: "Ich hätte nicht meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass die Piste da astrein war." Die meisten Teamchefs hätten eine Absage vorgezogen. Das "Skifest mit Herz" aber verlangte nach dem Rennen - und bekam ein Desaster.

Auch bei den Athletinnen, die am Mittwoch ihr erstes Training für die Abfahrt absolvieren mussten, wirkten die schrecklichen Bilder noch nach. "Ach, dieses Leben!", schrieb Weltmeisterin Tina Maze bei Twitter: "Lindsey Vonn, du großartige Kämpferin, du hast mal wieder die Grenzen ausgelotet." Sie wünsche der Rivalin schnelle Gesundung und alles Gute, ergänzte die Slowenin.

Voraussetzungen beeinflussen bei aktueller Form stärker

Für Maze und Höfl-Riesch, das ist die bittere Ironie von Vonns Unglück, bedeutet der Ausfall der Konkurrentin die Steigerung der eigenen Chancen, schon am Freitag bei der Super-Kombination, danach am Sonntag bei der Abfahrt. Doch Höfl-Riesch ließ durchblicken, dass die jüngsten Eindrücke im Hinterkopf mitfahren werden. Der Sturz der guten Freundin, das stundenlange Warten - all das sei schon für den Super-G "keine ideale Voraussetzung" gewesen. "In Phasen, in denen es super läuft, schafft man es, cool zu bleiben und durchzuziehen."

Doch bei Höfl-Riesch läuft es nicht, schon seit Wochen nicht. Der 21-sekündige Kurz-Auftritt der Doppel-Olympiasiegerin im Super-G sei "eine Enttäuschung" gewesen, sagte Maier, "das braucht man nicht zu beschönigen". Doch er betonte auch, dass deswegen "noch lange nix kaputt" sei. Er halte die Partenkirchnerin "immer noch für eine sehr stabile Athletin". Und: "So eine Rennläuferin darfst du nicht abschreiben, weil sie immer für eine Überraschung gut ist."

VIDEO - Schrecklicher Sturz von Lindsey Vonn im Super-G

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