Ski-WM - Dopfer: "Neureuther bester Slalomfahrer"

Fritz Dopfer ist derzeit der beste deutsche Ski-Rennläufer. In der World Cup Starting List, die alle Resultate der vorangegangenen zwölf Monate umfasst, steht er sogar besser da als Felix Neureuther. Im Interview spricht Dopfer über seine Entwicklung, seine Stärken und Schwächen - und seine weiteren Aussichten bei der WM.

Fritz Dopfer, seit der WM 2011 gehören Sie im Riesenslalom und im Slalom zur Weltspitze, am Dienstag haben Sie der deutschen Mannschaft bei der WM in Schladming Bronze im Team-Wettbewerb gesichert. Wie kam es zu diesem Aufstieg?"

Fritz Dopfer: Das waren viele Faktoren, die zusammengespielt haben. Die WM 2011 war ein Startpunkt der positiven Entwicklung. Und in den vergangenen beiden Jahren bin ich Gott sei Dank auch verletzungsfrei geblieben, ich habe viel trainieren können, ich habe gute Ergebnisse eingefahren. Dadurch konnte ich auch mit größerem Selbstvertrauen in die Rennen gehen. Tja, und jetzt bin ich eben im Riesenslalom in der Weltrangliste auf Rang drei, und im Slalom auf Rang sieben, das ist echt sehr, sehr gut - und darauf lässt sich sicher noch aufbauen.

Ihnen wird nachgesagt, dass Sie ein extrem harter Arbeiter sind. Wie viel ist Talent, wie viel harte Arbeit?

Dopfer: Es ist schwierig zu sagen, was Talent überhaupt ist, wie man es definiert. Bei mir dauert es vielleicht für gewisse Schritte etwas länger. Ich brauche relativ viel Training, um mich auf gewisse Sachen einstellen zu können. Das weiß ich, von daher war es einfach sehr, sehr gut, dass ich gesund geblieben bin und mein Pensum, das, was mich stark macht, habe durchziehen können in den vergangenen Jahren.

Sie kamen 2007 vom österreichischen Verband zum deutschen Verband und sind zunächst nicht zurechtgekommen. Gab es irgendwann ein Schlüsselerlebnis, außer der WM 2011?

Dopfer: Ja, das gab es. Nach 22 vergeblichen Versuchen habe ich mich im Januar 2010 zum ersten Mal im Weltcup für einen zweiten Lauf qualifiziert. Das war schon ein kleines Schlüsselerlebnis. Ich bin dann im zweiten Lauf gleich Bestzeit gefahren, und damit habe ich mir gezeigt: jawoll, ich kann, wenn alles zusammenpasst, wirklich vorne mitfahren. Das bringt einem sehr, sehr viel.

Aber die Sicherheit auf dem Ski, die holen Sie sich im Training?

Dopfer: Absolut. Im Ski-Rennsport gibt es nicht viel Raum für falsche Entscheidungen. Und je häufiger du bereits im Training in Grenzsituationen kommst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du die richtige Entscheidung triffst. Das war, Gott sei Dank, bei mir jetzt in letzter Zeit häufiger der Fall.

Wenn man 22-mal nacheinander an der Qualifikation für den zweiten Lauf scheitert, dann muss man das erst mal verkraften. Wie haben Sie das geschafft?

Dopfer: Mir haben da auch sehr, sehr viele Personen geholfen. Aber das sind Erfahrungen, die macht jeder Sportler. Oft lernt man vielleicht aus diesen negativen Erfahrungen oder Erlebnissen mehr, als wenn alles eitel Sonnenschein ist. Aber es ist schon sehr, sehr wichtig, dass man sich dann auf seine Stärken konzentriert. Und das war im Endeffekt meine harte Arbeit, die mich auszeichnet - wieder am nächsten Tag aufstehen, wieder trainieren.

Und wie gehen Sie mit Niederlagen um?

Dopfer: Am nächsten Tag aufstehen und weiterkämpfen. Ich bin jemand, der vielleicht doch eher ins Extreme geht und sich teilweise doch zu viele Vorwürfe macht. Aber im Endeffekt ist das mein Weg, und der war bis jetzt erfolgreich, und ich hoffe, dass es in diesen Atemzügen auch so weitergeht.

Täuscht der Eindruck, oder hatten Sie in dieser Saison zunächst ein paar Schwierigkeiten, gerade im Riesenslalom?

Dopfer: Das täuscht überhaupt nicht. Das stimmt vollkommen. Ich habe in der Vorbereitung sehr, sehr viel Riesenslalom trainiert, ich war im Sommer guter Dinge, und dann liefen die ersten drei Rennen gar nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe - und dann macht man sich natürlich Gedanken. Ich habe dann auch gemerkt, dass ich im Slalom aufholen musste, und deswegen bin ich erst in den vergangenen Wochen wirklich in Form gekommen. Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass es so ist, wie es sein sollte.

Hatten Sie mit den neuen Riesenslalom-Ski Probleme?

Dopfer: Ich war mir einfach nicht sicher, ob ich den doch schwerer zu fahrenden Ski wirklich auf Zug durchfahren kann. Die Sicherheit hat zunächst gefehlt, und in erster Linie haben die Resultate gefehlt, die mir zeigen dass ich mit dem Ski schnell fahren kann. Das habe ich mir aber in den letzten Rennen erarbeitet. Jetzt bin ich sehr, sehr positiv gestimmt, auch speziell im Riesenslalom.

Nun wecken Ihre guten Ergebnisse auch Erwartungen. Was würden Sie antworten, wenn einer sagt, der Fritz Dopfer, der ist immer vorne dabei, der fährt bei der WM um die Medaillen mit?

Dopfer: Das ehrt mich natürlich. Aber ich versuche einfach, die Rennen so anzugehen wie ein normales Rennen. Es ist es ja auch genau das Gleiche, der kleine Unterschied zu einem Weltcup-Rennen ist nur, dass Medaillen verteilt werden. Das ist natürlich etwas Besonderes, und die Stimmung wird natürlich Wahnsinn sein, aber Erwartungen zu schüren, ist nicht so sinnvoll. Am Ende zählt, dass ich meine eigene Leistung abrufe - und alles andere wird sich dann schon so regeln, wie ich das will.

So, wie Sie sich entwickelt haben, würden sich wohl auch die Österreicher freuen, wenn Sie noch für sie fahren würden. Gibt es da schon mal Sprüche?

Dopfer: Nein, das ist schon lange vorbei. Natürlich redet man da mal untereinander, aber die haben ja selber genug Typen, also von daher gibt es da nichts. Es geht halt mal bergauf, und mal geht es bergab. Im Endeffekt haben sie einen Frontmann, Marcel Hirscher, und der fährt zur Zeit alles in Grund und Boden. Von dem her können sie sich sicher nicht beklagen.

Zum Abschluss würden wir Sie gerne um ein paar spontane Reaktionen auf ein paar Namen bitten. Zunächst: Ted Ligety.

Dopfer: Der beste Riesenslalomfahrer.

Felix Neureuther.

Dopfer: Der beste Slalomfahrer.

Marcel Hirscher.

Dopfer: Ein Riesentalent.

VIDEO: Zubcic räumt Neureuther ab

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