Ski Alpin - Vonn: "Die werden sich noch wundern"

Sie ist eine der heißesten Skistars im Weltcup-Zirkus. Doch das Duell mit den Konkurrentinnen reicht Lindsey Vonn nicht mehr, die Amerikanerin nimmt stattdessen die Männerwelt ins Visier. Vonn will im Weltcup gegen Bode Miller und Co. antreten. Der Skiverband FIS hat der 28-Jährigen das Vorhaben untersagt, doch die setzt sich nun im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de zur Wehr.

Sie haben zuletzt die europäischen Titelseiten geprägt, weil sie in Lake Louise bei den Männern an den Start gehen wollten. Die FIS untersagte das unlängst, aber warum wollten Sie gegen Männer starten?

Lindsey Vonn: Das spielt jetzt keine Rolle mehr oder? Es war mein Wunsch gegen Männer zu starten und ist es schon immer gewesen. Ich dachte in den letzten Jahren wäre dieses Ziel realistischer geworden, aber unglücklicherweise hat die FIS nun entschieden, dass Frauen nicht bei den Männern starten dürfen. Das hat nichts mit der Sicherheit zu tun. Es hat etwas damit zu tun, dass ich eine Frau bin! Ich war mit der Entscheidung sehr unzufrieden und werde nicht aufgeben. Es ist etwas, für das ich weiterhin kämpfen werde. Aktuell versuche ich hier die Möglichkeiten auszuloten - muss ich vor Gericht gehen oder eine Art Petition einreichen. Momentan weiß ich nicht genau, was zu tun ist. Ich hole mir von einigen Leuten Rat und werde schauen, wie meine Möglichkeiten sind.

Was sagen Sie Leuten, die das Ganze für einen PR-Gag halten?

Vonn: Die werden sich noch wundern. Wissen Sie, ich berate mich momentan mit Anwälten und investiere viel Zeit und Mühe. Es hat nichts mit einem PR-Gag zu tun. Ich brauche keine zusätzliche Aufmerksamkeit in den Medien. Das ist ein ganz persönliches Ziel von mir und ich will sehen, wo ich im Vergleich mit den Männern stehe. Es ist das nächste Level. Ich habe so viel Respekt vor den Männern. Respekt für das, was sie machen, wie dynamisch sie fahren und wie weit sie unseren Sport gebracht haben. Das ist die Art und Weise, wie ich fahren möchte. Ich möchte mich auf dieses Level pushen und das ist der nächste Schritt für mich. Das ist alles. Eigentlich ist es ziemlich einfach.

Was ist das Schwierigste daran, die Nummer eins zu sein?

Vonn: Ich denke, das Schwierigste daran die Nummer eins zu sein, ist es, diese zu bleiben und die Motivation zu finden, weiter hart zu arbeiten. Manchmal wird man, wenn man Erfolg hat, selbstgefällig und es ist schwer, weiterhin jeden Tag die nötige Motivation zu haben. Es ist eine Herausforderung, ich versuche immer noch schneller zu werden und das hält mich auf Trab.

Fühlt man sich dabei manchmal einsam?

Vonn: Ja, man ist definitiv einsam. Im letzten Jahr war ich froh, dass meine Schwester mich zu einigen Rennen begleiten konnte. In diesem Jahr wird sie für die komplette Weltcup-Saison mit mir reisen und das wird mir helfen. Aber an der Spitze ist man definitiv einsam. Niemand möchte wirklich dein Freund sein, es ist eine schwierige Situation, aber gleichzeitig fühle ich mich auch glücklich. Meine Teamkameradinnen unterstützen mich, und speziell im letzten Jahr, mit all meinen persönlichen Problemen, standen alle hinter mir. Es ist hart, aber das Leben ist hart und man muss halt weitermachen.

Im vergangenen Jahr hatten Sie eine große persönliche Belastung. Zu Saisonbeginn ließen Sie sich scheiden.

Vonn: Für mich war das Skifahren schon immer mein Rückzugsort, wo ich mich am ehesten zu Hause gefühlt habe. In den Bergen finde ich meine Ruhe.

Sie sind es gewohnt, Aufmerksamkeit zu bekommen, weil Sie gut Ski fahren und plötzlich stehen Sie aus anderen Gründen in der Öffentlichkeit, wie beispielsweise bei den Spekulationen über Ihr Privatleben. Wie haben Sie das verarbeitet?

Vonn: Es war schwer. Ich war dieser Art der Berichterstattungen nicht gewohnt. Normalerweise geht es ums Skifahren, es war völlig fremd für mich. Darüber hinaus war nichts davon wahr, ich habe es mit einem Lachen abgetan und versucht, mich weiter auf den Sport zu konzentrieren.

Von einer begnadeten Skifahrerein wurden Sie zu einem echten Star.

Vonn: Ich weiß nicht, ob das so ist. Natürlich bin ich in den USA mehr in die Mainstream-Nachrichten gerutscht, aber das war überhaupt nicht meine Absicht. Letztlich sind das genau die Sachen, welche die US-Presse mag, diese Art von Klatsch-Artikeln. Unglücklicherweise war ich Teil dessen und mein Single-Dasein hält diese Geschichten am Laufen. Aber im Endeffekt kann ich damit umgehen.

Was steht auf Ihrer persönlichen Wunschliste in diesem Jahr ganz oben?

Vonn: Den Gesamtweltcup zu verteidigen, ist für mich sehr wichtig. Außerdem sind in dieser Saison die Weltmeisterschaften in Schladming, wo ich hoffentlich ein oder zwei Medaillen holen werde. Ich werde einfach versuchen, so viele Weltcups wie möglich zu holen. An diesem Punkt meiner Karriere habe ich nicht viel davon, die Nummer 15 zu sein. Ich muss versuchen zu gewinnen, und wenn ich das Ziel nicht erreiche, weil ich einen Fehler gemacht habe, dann ist es eben so. Doch jedes Mal, wenn ich im Starthäuschen stehe, werde ich versuchen ganz nach oben aufs Treppchen zu fahren.

Das vollständige Interview sehen Sie am Samstag, den 10. November (09:30 Uhr), bei Eurosport-TV in der Sendung "Eurosport’s Ski Pass TV".

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