Serie A - Balotelli: Rückkehr des Prügelknaben

Nach zahlreichen Querelen während seiner Zeit bei Manchester City wechselt Mario Balotelli zurück in seine italienische Heimat - und damit in das Land, in dem er einst von den eigenen Fans rassistisch beleidigt wurde. Und auch AC-Mailand-Boss Silvio Berlusconi ließ kein gutes Haar an seinem Landsmann. Dennoch geht für Balotelli mit der Rückkehr nach Mailand ein Traum in Erfüllung.

Für den englischen Boulevard war der Wechsel des "Bad Boy" Balotelli von Inter Mailand zu Manchester City 2010 ein Glücksfall. Es verging kaum eine Woche, in welcher der in Palermo geborene Stürmer nicht die Schlagzeilen des britischen Blätterwaldes zierte. Und Balotelli selbst lieferte den Schreiberlingen stetig neuen Stoff. Unter anderem warf er Dartpfeile auf Jugendspieler, kämpfte einen aussichtslosen Kampf mit einem Leibchen, nutzte ein Taxi als Navigationsgerät und geriet in eine handfeste Auseinandersetzung mit Trainer Roberto Mancini.

Doch nicht alle Geschichten zur Person Balotelli eignen sich zum Aufheitern der Laune: Aufgrund seiner Hautfarbe wurde der Sohn ghanaischer Eltern 2009 gar von den eigenen Fans rassistisch beleidigt. "Es gibt keine schwarzen Italiener", sangen einige Inter-Tifosi damals lautstark im Stadion. Balotelli fährt bei Rassismus eine Null-Toleranz-Politik: "Falls jemand auf der Straße jemals eine Banane nach mir wirft, dann werde ich ihn umbringen", drohte er einst in der "Sun".

Balotelli Botschafter einer neuen Generation

Gian Antonio Stella, Kolumnist der "Corriere della Sera", sieht in dem 22-Jährigen einen wichtigen Botschafter für die italienische Gesellschaft. "Er ist jetzt auch eine Symbolfigur der kulturellen Veränderung in Italien und ein Gradmesser dafür, ob wir den Wandel schaffen können oder nicht."

Dass dieser Wandel (nicht nur) in Italien noch nicht vollzogen wurde, zeigen die Vorfälle beim Freundschaftsspiel des AC Mailand beim Viertligisten Pro Patria, in der Kevin-Prince Boateng von einigen Anhängern der Heimmannschaft beleidigt wurde und daraufhin den Platz verließ.

Kindheitstraum wird wahr

Dieser Vorfall hielt Balotelli nicht von einem Wechsel zum AC Mailand ab. Mit dem Transfer hat sich der Stürmer gar einen Kindheitstraum erfüllt.

"Ich bin ein Milanista", antworte der damals 19-Jährige bei einer Autogrammstunde mit Inter-Fans auf die Frage, von welcher Mannschaft er Fan sei. Es war eine Aussage, die Balotellis Stand bei Inter noch schwerer machte, ihn zusammen mit seinen Eskapaden zum Prügelknaben werden ließ und die seinen Wechsel zu Manchester City, für die er in zweieinhalb Jahren 20 Tore in 54-Premier-League-Einsätzen erzielte, befeuerten.

Wechsel überrascht

Jetzt läuft der Stürmer endgültig für sein Team auf. Trotz sich verdichtender Anzeichen war die Verkündigung des Wechsels eine Meldung, die überraschte. Schließlich hatte Mailand-Boss Berlusconi Balotelli jüngst noch als "faulen Apfel" bezeichnet.

20 Millionen Euro ließen sich die Lombarden den Kultkicker kosten. Dieser soll nun mit dem 20-jährigen Stephan El Shaarawy ein neues, erfolgreiches Angriffsduo bilden. "Benvenuto Mario - Ich bin überglücklich über deine Ankunft!", twitterte Balotellis neuer Sturmpartner kurz nachdem der Deal mit seinem Landsmann feststand.

Balotellis letzte Chance?

Für Eurosport-Redakteur Stefano Dolci ist die Station Mailand bereits Balotellis letzte Chance, "sein Talent und seinen Wert zu beweisen", nachdem der 22-Jährige in Manchester nicht das gezeigt habe, zu was er fähig sei. Dolci sieht in ihm einen "potenziellen Champion, sobald er auch mental ein Champion" werde.

Die Vertragsverlängerung mit El Shaarawy bis 2018 sowie die Verpflichtung Balotellis sind ein deutliches Zeichen des Vereins, den Verjüngungsprozess weiter voranzutreiben. Dolci: "Die Milan-Fans träumen bereits von diesem Duo, das dem Team auf Jahre einen jungen, starken Angriff beschert."

Mailand-Tifosi euphorisch

Kurz nach der Verkündung des Wechsels gingen bereits tausende rot-schwarzer Trikots über die virtuelle Ladentheke. "Die Fans sind sehr enthusiastisch. 200 bis 300 Fans haben gestern bereits vor der Milan-Geschäftsstelle gefeiert", beschreibt Dolci die Stimmungslage der AC-Tifosi.

Warme Worte erreichten Balotelli auch von der Insel - und das ausgerechnet von Mancini. "Wir lieben Mario als Kerl und als Spieler. Mario war für mich wie eines meiner Kinder", sagte der 48-jährige ManCity-Trainer. "Wir bedauern das sehr, aber er hatte diese eine große Chance, zurück nach Italien zu gehen." Schmunzelnd fügte er an. "Ich denke, er wird mich vermissen - und all die englischen Journalisten."

VIDEO: Fußball kurios - Balotellis Blamage

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