Schwimmen - Warnecke: Experiment statt Comeback

PR-Gag oder ein Paukenschlag? Der frühere Weltmeister Mark Warnecke, mittlerweile 42 Jahre alt, will die Naturgesetze überlisten und wieder ins Becken steigen. "Wegen meines Berufes mache ich sehr viele Forschungen, und jetzt bin ich eben mal selbst das Versuchskarnickel. Mir macht es Spaß zu gucken, was man aus dem alten Kasten noch rausholen kann", sagte der Arzt und Anbieter von Diätprodukten.

Im deutschen Schwimmteam wurde die Nachricht am Rande der Kurzbahn-WM in Istanbul mit Staunen und Skepsis zur Kenntnis genommen. "Tolle Sache. Beim Masters?", fragte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow mit einem ironischen Seitenhieb. Die Masters sind die Wettbewerbe für die älteren Semester im Deutschen Schwimm-Verband (DSV). Der Darmstädter Brustschwimmer Marco Koch findet die Idee "witzig" und meinte: "Da lasse ich mich mal überraschen, was der alte Mann noch kann."

Genau diese Frage stellt sich Warnecke auch. "Mein Alter schreckt mich selbst ein wenig ab", sagte der Olympiadritte von 1996. Aber das sei auch der Reiz. Es sei ein "Selbstversuch" und "kein klassisches Comeback", betonte Warnecke, der sich aber einen Start bei den deutschen Meisterschaften im April 2013 vorstellen kann. Sollte sein Experiment funktionieren, könne er auch nicht ausschließen, dass bei der DM "ein Titel herausspringt. Auch wenn das nicht mein Ziel ist", sagte Warnecke der "Sport-Bild".

Lambertz glaubt an positives Comeback

Eine Grenze habe er sich nicht gesetzt. Sicherheitshalber wolle er sich auch für den NADA-Testpool anmelden, um gegebenenfalls bei internationalen Wettkämpfen starten zu dürfen. "Wenn ich jetzt aber die WM in Barcelona als Ziel ausrufe, dann zweifeln endgültig alle an meinem Verstand", sagte Warnecke.

Henning Lambertz sicher nicht. Der Essener Stützpunkttrainer, der am Freitag zum neuen Schwimm-Bundestrainer befördert werden soll, trainierte Warnecke die letzten Wochen und sagt: "Ich finde die Idee vom Mark klasse." Für sein Alter habe er noch eine "unglaubliche Athletik und Schnelligkeit", sagte Lambertz und meinte: "Ich traue ihm zu, dass er an die Zeiten anknüpft, die er zu seinen besten Zeiten hatte."

Warnecke glaubt an eigene Stärke

Dass Warnecke, der am 15. Februar seinen 43. Geburtstag feiert, über 50 m Brust tatsächlich noch einmal seine Bestzeit von 27,44 Sekunden angreifen kann, klingt unglaublich. Allerdings hatte der Athlet, der schon zu aktiven Zeiten ungewöhnliche Wege bestritten hatte, schon einmal groß überrascht: 2005 hatte er sich bei der WM in Montreal über 50 m Brust mit 35 Jahren zum ältesten Schwimm-Weltmeister der Geschichte seit 1971 gekürt.

Mit der damaligen Siegerzeit (27,63 Sekunden) hätte Warnecke bei der vergangenen DM in Berlin klar den nationalen Meistertitel gewonnen. "Wenn der Selbstversuch gelingt, möchte ich 2013 nicht mein Gegner sein", sagte Warnecke. Bei einem Test über 25 Meter sei er nach eigenen Angaben untrainiert so schnell gewesen wie "jüngere Athleten, die vorbereitet zur deutschen Meisterschaft gereist" seien.

Strenge Diät als Strategie

Seine Strategie sieht vor, in Zukunft vier Mal die Woche je eine Stunde im Wasser zu trainieren, eine strenge Diät zu halten ("Vier Kilo sind schon runter") und verstärktes Krafttraining zu absolvieren.

Insgesamt hatte Warnecke in seiner Karriere 27 internationale Medaillen gesammelt. Zudem war er 32-mal deutscher Meister geworden. Nach der WM 2007 in Melbourne hatte Warnecke seine aktive Laufbahn beendet, für die deutschen Mannschaftsmeisterschaften 2009 war er aber noch einmal kurz zurückgekehrt.

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