Sandkönig Nadal bricht Titel-Rekord

Rafael Nadal hat das Traum-Endspiel der French Open gegen Novak Djokovic für sich entschieden und damit Geschichte geschrieben. Durch das 6:4, 6:3, 2:6 und 7:5 gegen die Nummer eins der Welt holte Nadal seinen siebten Titel in Roland Garros und übertraf damit Björn Borg.

Von Stefan Schnürle

Nadal feierte seinen 52. Sieg im 53. Match im Stade Roland Garros. Zugleich war es der elfte Grand-Slam-Erfolg für den 26-jährigen Spanier.

Djokovic verpasste durch die Niederlage den angestrebten "Djoko Slam": Der Serbe wollte als erster Spieler seit dem legendären Australier Rod Laver vor 43 Jahren alle vier Grand-Slam-Titel auf einmal halten.

"Bester Sandplatz-Spieler aller Zeiten"

Der auch nach dem Turnier an Platz eins der Weltrangliste stehenden Djokovic zeigte sich als fairer Verlierer und war voll des Lobes für seinen Gegner: "Rafa ist der beste Sandplatz-Spieler aller Zeiten und einer der Besten, die jemals dieses Spiel gespielt haben."

Ausgerechnet mit einem Doppelfehler gab Djokovic die am Sonntag wegen Regens im vierten Satz unterbrochene Partie ab. Beim Abbruch hatte der in Monte-Carlo lebende Belgrader noch mit 2:1 und einem Break vorne gelegen. Der vom Publikum gefeierte Djokovic sagte nach der Partie: "Die erste Regenpause hat mir geholfen, die zweite nicht."

Lautstarker Beifall brandete auf den Rängen des Court Philippe Chatrier auf, als Nadal seine Dankesrede auf französisch begann, ehe er zu einer Mixtur aus englischer, spanischer und französischer Sprache überging.

Nadal legt Blitz-Start hin

Bei starker Bewölkung hatte das Match, in dem Nadal den besseren Start erwischte, am vorherigen Tag begonnen. Der Titelverteidiger fand sofort zu seinem Spiel, während Djokovic zu Beginn einige leichte Fehler unterliefen. Folgerichtig führte Nadal nach wenigen Minuten bereits mit Doppelbreak 3:0.

Keinen einzigen unerzwungenen Fehler hatte der Weltranglisten-Zweite sich geleistet und es war zu befürchten, dass das Finale genauso einseitig werden könnte wie das Endspiel 2008. Damals konnte Roger Federer lediglich vier Spiele gegen Nadal gewinnen.

Aber Djokovic fing sich. Die Bälle des Serben wurden präziser und Nadal zeigte menschliche Züge - er begann, Fehler zu machen. Bei einsetzendem Nieselregen holte sich Djokovic beide Aufschlagverluste zurück und gleich zum 3:3 aus.

Gerade als die Partie zu Gunsten von Djokovic zu kippen schien, begann der 25-Jährige wieder mehr Fehler zu machen. Nadal nutzte die Gunst der Stunde sofort und holte sich das Break zur 4:3-Führung. Nach dem anfänglichen Break-Festival gelang es dann beiden Spielern sich bei eigenem Aufschlag zu stabilisieren und Nadal entschied den ersten Satz mit 6:4 für sich.

Djokovic zertrümmert Bank

Auch im zweiten Satz gelang Nadal das frühe Break gegen den angefressenen Djokovic, der mit dem Doppelfehler abgab. Djokovic kämpfte sich erneut zurück, doch wie in Satz eins gab er das Momentum schnell wieder her. Der Belgrader ließ daraufhin seinen Emotionen freien Lauf und schlug mit seinem Schläger ein Loch in die Spielerbank. Dafür gab es ein lautstarkes Pfeifkonzert des Publikums, das den Serben ansonsten lautstark mit "Novak, Novak"-Sprechchören anfeuerte.

Der Regen wurde derweil stärker, weswegen das Match beim Stande von 5:3 für Nadal unterbrochen wurde und beide Spieler den Court verlassen mussten. Nach einer halben Stunde konnte die Partie fortgesetzt werden und Nadal fand wieder deutlich schneller seinen Rhythmus. Djokovic gab sein nächstes Aufschlagspiel ab und damit ging Satz zwei mit 6:3 an Nadal.

Als Nadal das frühe Break im dritten Satz gelang, schien die Partie endgültig gelaufen. Djokovic ließ den Kopf hängen und glaubte zu dem Zeitpunkt wohl selbst nicht mehr an eine Wende im Match. Aber der Serbe bewies einmal mehr mentale Stärke.

Nadal verliert den Faden

Es begann die stärkste Phase von Djokovic. Der Weltranglisten-Erste hielt die Ballwechsel kurz und versuchte früh auf den Punkt zu gehen. Damit brachte er Nadal aus dem Rhythmus, der erstaunlich passiv wurde und zeitgleich mehr Fehler machte. Djokovic nahm Nadal gleich drei Mal den Aufschlag ab und entschied den dritten Satz zu seinen Gunsten.

Mit dem frühen Break im vierten Satz kippte die Partie vollends in Richtung Djokovic. Acht Spiele in Folge hatte der Serbe gegen einen entnervten Nadal gewonnen. Der Regenabbruch kam für Nadal wie gerufen, aber nach Meinung des Spaniers viel zu spät.

Auch am Montag drohte das Spiel dem Wetter zum Opfer zu fallen, doch rechtzeitig zu Spielbeginn hatte der Regen aufgehört. Nadal war wieder hellwach und holte sich sofort das Break zum 2:2-Ausgleich. Der 26-Jährige zeigte anschließend, warum er den Titel "Sandplatz-König" trägt und hielt seine Aufschlagspiele ohne Probleme. Nadal war dabei spürbar bemüht, nicht so passiv wie in Satz drei zu agieren. Aber auch Djokovic gab sich zunächst keine Blöße.

"Ein ganz spezieller Moment"

Beim Stande von 4:5 regnete es stärker, weswegen die Partie kurz unterbrochen wurde. Djokovic bewies aber Nervenstärke und hielt sein Spiel ohne Probleme. Als alles auf den Tiebreak hindeutete, kam der Doppelfehler von Djokovic und das Match war nach zwei Tagen und 3:48 Stunden Spielzeit beendet.

Nadals Tränen in den Augen nach dem Match bewiesen, wie wichtig ihm der Titel war. Seine letzten drei Grand-Slam-Finals hatte er alle gegen Djokovic verloren. "Das ist einer der speziellsten Momente in meiner Karriere", sagte Nadal deshalb, nachdem ihm Eurosport-Experte und Ex-Champion Mats Wilander die Trophäe überreicht hatte.

Die Abschiedsworte von Nadal dürften in den Ohren der Konkurrenz allerdings wie eine Drohung klingen: "Bis zum nächsten Jahr".

DIE ZAHLEN ZUM TRAUM-FINALE:

VIDEO - French Open: Nadal schreibt Geschichte

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