Radsport - Zabel "geht in sich", Olano gefeuert

Erik Zabel will die Veröffentlichung seiner positiven Dopingprobe bei der Tour de France 1998 vorerst nicht kommentieren. "Ich muss erstmal den offiziellen Bericht abwarten und in mich gehen. Ich weiß nicht, welche Proben analysiert wurden. Das muss man sehen, und dann wird es auch eine Stellungnahme geben", sagte Zabel der Bild-Zeitung.

Der 43-Jährige hatte im Mai 2007 gestanden, nur 1996 kurzzeitig Epo-Doping getestet zu haben.

Seine Zukunft als Sportdirektor des WorldTour-Rennens in Hamburg ist derweil ungewiss. "Wir werden uns übers Wochenende mit Erik Zabel zusammensetzen und auch mit unserem Partner Vattenfall sprechen und uns dann zu gegebener Zeit äußern", sagte Rainald Achilles, Sprecher des Veranstalters Upsolut.

Über mögliche Konsequenzen machte die Agentur zunächst keine Angaben. Zabel trägt seit 2011 die sportliche Verantwortung für die Cyclassics in der Hansestadt, die in diesem Jahr am 25. August stattfinden.

Kein UCI-Verfahren

Die Schatten der Doping-Vergangenheit werden Jan Ullrich, Erik Zabel und Co. zumindest nicht in Gestalt des Radsport-Weltverbandes einholen. Die UCI schloss in einer Stellungnahme disziplinarische Maßnahmen aus.

Stattdessen kritisierte die UCI die Tatsache, dass Namen öffentlich gemacht worden waren, weil "nicht bewiesen werden konnte, dass die betroffenen Fahrer gedopt hatten und keine B-Probe als mögliche Verteidigung verfügbar war".

Zudem stellte die UCI klar: "Die nachträglichen Tests der Tour-Fahrer von 1998 wurden von dem französischen Labor zu wissenschaftlichen Zwecken durchgeführt und entsprachen nicht den technischen Standards für eine Anti-Doping-Analyse. Zusätzlich wurden die Grundsätze der Anonymität und Zustimmung der Fahrer nicht respektiert. Die Ergebnisse können deshalb nicht als gültige Beweise in einem Anti-Doping-Kontext akzeptiert werden, und die UCI kann kein nachträgliches Disziplinarverfahren einleiten."

Olano: "Reines Gewissen"

Spaniens ehemaliger Radstar Abraham Olano (42) ist einen Tag nach Bekanntwerden seines positiven Epo-Tests von der Tour 1998 als Technischer Direktor der Vuelta entlassen worden. Nach Angaben der Tageszeit AS löste Rundfahrt-Chef Javier Guillén den Vertrag mit Olano, der die Vuelta 1998 gewinnen konnte, auf. "Ich bin sehr verletzt und werde die Angelegenheit meinem Anwalt übergeben", sagte Olano der Zeitung.

Zuvor hatte Olano mit Empörung auf das Auftauchen seines Namens auf der Liste der Epo-Doper reagiert: "Es ist beschämend, dass man abgeurteilt wird, ohne anwesend zu sein. Nach so vielen Jahren war das Mindeste, was ich erwarten konnte, dass man sich mit mir in Verbindung gesetzt hätte, um festzustellen, ob die Probe tatsächlich von mir stammt", sagte Olano: "Ich habe ein ruhiges Gewissen."

Zudem habe der Straßen-Weltmeister von 1995 "totales Vertrauen in die Mannschaft von 1998, Banesto", sagte Olano: "Damals musste ich ja aufgeben, nachdem ich gestürzt war. Das war vor dem ganzen Theater. Ich habe Zweifel an dem, was in Frankreich gesagt wurde. Niemand hat mir etwas gezeigt, von dem behauptet wird, es gehöre mir."

Unterdessen hat auch das niederländische Profiteam Belkin Konsequenzen aus dem Bericht des französischen Senats gezogen und sich mit sofortiger Wirkung von Sportdirektor Jeroen Blijlevens getrennt, der ebenfalls auf der Liste stand. "Wir als Mannschaft setzen großen Wert auf Transparenz und Vertrauen und sehen keinen Weg, nach den jüngsten Entwicklungen weiter mit Blijlevens zusammenzuarbeiten", hieß es in einer Stellungnahme.

"Was für einen Sinn hat das?"

Italiens Radsportlegende Francesco Moser hat die Pariser Doping-Enthüllungen scharf kritisiert. "Was hat es für einen Sinn, Anti-Doping-Kontrollen durchzuführen und nach 15 Jahren zuzugeben, dass sie nicht funktioniert haben? In diesen Jahren konnten bestimmte Substanzen nicht von den Tests aufgespürt werden. So funktionierte das System", sagte der frühere Straßenweltmeister der Tageszeitung Il Messaggero: "Jeder hat gedopt, wie auch die Liste bewiesen hat. Was für einen Sinn hat es, sie jetzt zu veröffentlichen?"

Auch der ehemalige Giro-Sieger und überführte Doper Gianni Bugno, mittlerweile Präsident der Welt-Radsportgewerkschaft CPA, forderte, die Vergangenheit ruhen zu lassen: "Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Man muss jetzt arbeiten, um eine Zukunft für den Radsport aufzubauen", sagte Bugno der Gazzetta dello Sport: "Man will eine Liste von Schuldigen aufstellen, um ihr Ansehen zu ruinieren, ohne dass sie sich mit Gegenanalysen verteidigen können. Die französischen Dokumente bezeugen nichts."

Armstrong will Schlussstrich

Der gefallene US-Profi Lance Armstrong hat nach den Doping-Enthüllungen von Paris einen Abschluss der Vergangenheitsbewältigung im Radsport gefordert. "Wenn wir uns nicht zusammensetzen und einen Schlussstrich ziehen, dann sind wir alle angeschissen", sagte der 41 Jahre alte Texaner dem Internetportal Cyclingnews.

Armstrong, der seine sieben Tour-Siege wegen Manipulation verloren hatte, zeigte sich vom Bericht der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats "nicht überrascht". Bei der Tour de France 1998 waren demnach zahlreiche Fahrer wie damalige Topfahrer Jan Ullrich, Erik Zabel und Marco Pantani mit Epo gedopt. "Ich habe immer gesagt, dass dies eine unerfreuliche Ära für den Radsport war. Nahezu alle von uns haben die Regeln gebrochen und gelogen", sagte Armstrong.

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