Radsport - Armstrong verliert alle Tour-Titel

Lance Armstrong werden seine sieben Tour-Siege endgültig aberkannt. Das entschied der Weltverband UCI nach Prüfung der Urteilsbegründung der US-Antidopingagentur USADA, die diese Sanktion ausgesprochen hatte. Auf einer Pressekonferenz in Genf präsentierte UCI-Präsident Pat McQuaid die Entscheidung. Armstrong hatte die Frankreich-Rundfahrt zwischen 1999 und 2005 sieben Mal als Sieger beendet.

In einem aufsehenerregenden Verfahren hatte die USADA mit umfangreichem Beweismaterial nachgewiesen, dass Armstrong bei jedem dieser Rennen - und auch bei seinem Comeback 2009/2010 - gedopt hatte.

"Lance Armstrong hat keinen Platz im Radsport, er muss vergessen werden", so McQuaid nun. "Ihm werden seine sieben Tour-Siege aberkannt, wir werden die Entscheidung der USADA nicht anfechten. Wir akzeptieren auch die Sperren für die Fahrer, die als Zeugen ausgesagt haben - und wir danken ihnen."

"Wir haben es mit einem riesigen Betrugssystem zu tun gehabt", gestand er mit Blick auf das nun aufgedeckte Dopingnetzwerk von und um Armstrong. Armstrong werden nicht nur die Tour-Siege, sondern auch alle Ergebnisse seit dem 1. August 1998 aberkannt.

In einer schriftlichen Erklärung betonte die UCI zwar, sie hätte nur die Ergebnisse der letzten acht Jahre gestrichen und teile die Rechtsauffassung der USADA in diesem Punkt nicht - werde aber deswegen nicht vor den Sportgerichtshof CAS ziehen. Es sei eher an Armstrong, diesen Schritt zu gehen, so die UCI.

Über weitere Schritte, wie die Rückforderung von Preisgeldern, Neuverteilung der Platzierungen bei der Tour oder Aberkennung von Ergebnissen bei Olympischen Spielen etc. werde das Management-Komitee in dieser Woche beraten und gegebenenfalls entscheiden.

"Ich werde nicht zurücktreten"

Der Bericht der USADA sei für ihn eine "schockierende" Lektüre gewesen. Man habe noch nicht darüber entschieden, wie man mit Informationen zum Doping weiterer Personen umgehen werde, die dort indirekt beschuldigt werden - man habe sich im ersten Schritt ganz auf die Fahrer in Armstrongs Teams konzentriert.

"Der Radsport hat eine Zukunft", betonte der Ire aber, "wir sind nicht zum ersten Mal an einem Punkt, an dem wir uns dem schmerzvollen Prozess der Aufarbeitung der Vergangenheit stellen müssen."

Er stellte aber auch klar, dass er nicht als "Präsident zurücktreten" werde - trotz aller Kritik am Weltverband und seiner Person. Man müsse das Handeln der UCI im Zusammenhang mit den seinerzeit herrschenden Rahmenbedingungen sehen, erklärte McQuaid. Zumal er selbst erst im Herbst 2005 Präsident geworden sei und nur für die Jahre seit diesem Zeitpunkt die Verantwortung trage.

Im Kampf gegen Doping sei die UCI auf die Unterstützung nationaler Ermittlungsbehörden angewiesen, "wir haben keine Polizeigewalt", unterstrich er. Er hoffe auf noch intensiviere Zusammenarbeit in diesem Bereich, um möglichst viele Betrugsfälle aufklären zu können.

Kein Test vertuscht

UCI-Rechtsexperte Philippe Verbiest betonte, der Verband habe keinen positiven Dopingtest Armstrongs vertuscht - entgegen der Behauptungen von Floyd Landis. "Es gab keinen positiven Test", stellte er klar. Auffällige Test-Ergebnisse seien nicht mit einem positiven Test gleichzusetzen. Die UCI sei nie käuflich gewesen, machte auch der UCI-Präsident deutlich.

"Unser Sport ist in Gefahr, es ist die größte Krise die der Radsport gekannt hat", so McQuaid. "Wir werden Doping nie völlig loswerden, aber wir können es massiv eindämmen." Angesichts der schwelenden Affäre um Dr. Michele Ferrari, dem die Staatsanwaltschaft in Padua massive Vergehen vorwirft, hofft er auf einen "Kulturwandel" und tröstet sich damit, dass die meisten in diesem Verfahren bekannt gewordenen Namen "alte Fahrer" seien.

"Auch wenn ich als Präsident sieben furchtbare Jahre voller Affären erlebt habe, bin ich doch sicher, dass sich der Radsport sehr gewandelt hat", blickte der Ex-Profi auf seine bisherige Amtszeit zurück.

TV-Tipp:

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