Radsport - Armstrong gesteht und will auspacken

Lance Armstrong hat nach Jahren des Leugnens wohl nicht nur ein Dopinggeständnis abgelegt, sondern auch Mitarbeit bei der Aufklärung anderer Fälle angeboten. Das zumindest meldeten US-Medien im Anschluss an die Aufzeichnung des Interviews, welches der Texaner US-Talkikone Oprah Winfrey gab. Die Aufzeichnung des Gesprächs soll in der Nacht zum Freitag ausgestrahlt werden.

Das Interview, das in einem Hotel in Austin und nicht wie eigentlich geplant in Armstrongs Villa stattfand, soll zweieinhalb Stunden gedauert haben. Bis zur Ausstrahlung wird das Rohmaterial nun auf 90 Minuten eingedampft.

Der lebenslang gesperrte Ex-Profi soll dabei Doping auch in den Jahren vor seiner Krebserkrankung gestanden und seine Bereitschaft erklärt haben, gegen andere in verbotene Praktiken verwickelte Personen auszusagen. Dem Vernehmen nach soll es dabei insbesondere um Spitzenpersonal des Rad-Weltverbandes UCI gehen.

Dies könnte tatsächlich dazu führen, dass seine lebenslange Sperre deutlich gekürzt würde - wenn seine Informationen gehaltvoll und umfassend sein sollten. Hintergrund soll Armstrongs Interesse an Starts in offiziellen Triathon-Wettkämpfen sein. Es soll bereits im Dezember ein Treffen mit dem Chef der US-Antidopingagentur zu diesem Thema gegeben haben.

Rückzahlung von Millionen?

Zudem sei Armstrong angeblich bereit, seinem langjährigen Sponsor US Postal Service einen Teil jener Millionen zu erstatten, die von der US-Post in das Radteam investiert wurden.

Gleichzeitig wurde aber auch vermeldet, dass im US-Justizministerium beschlossen worden sei, sich einem Verfahren gegen Armstrong anzuschließen. Dabei geht es just um die missbräuchliche Verwendung dieser Sponsorengelder - denn der Rad-Rennstall sicherte dem Geldgeber damals vertraglich zu, kein Doping einzusetzen.

Nach Ansicht verschiedener US-Rechtsexperten soll derweil das Damoklesschwert eines Meineides nicht mehr über Armstrong hängen - seine Falschaussage unter Eid aus dem Jahr 2005 sei mittlerweile verjährt.

Kritiker überrascht

Noch sind alle Informationen bezüglich der Gesprächsinhalte des Winfrey-Interviews unbestätigt, doch in den Tagen bis zur Ausstrahlung dürften weitere Details durchsickern.

Anscheinend aber ist Armstrong in seinen Äußerungen weit über das hinaus gegangen, was erwartet wurde. David Walsh, einer seiner schärfsten Kritiker und langjährigen Jäger, zeigte sich überrascht: Man werde nicht glauben, wie weit Armstrong in dem Interview gegangen sei, twitterte der Ire, mit dessen Hilfe sich das Winfrey-Team auf das Gespräch vorbereitet hatte.

Wenn Armstrong tatsächlich komplett über die Hintergründe seiner Erfolge auspacken sollte, dürfte dies den Radsport noch mehr erschüttern als sein eigener Sturz. Top-Funktionäre, Teamchefs und ehemalige Teamkollegen - auch aus den Comeback-Jahren 2009 und 2010 - stehen wohlmöglich sehr unruhige Zeiten bevor.

Video: Armstrongs Unschuldbekenntnisse

Video: Deutsche Asse fordern Klartext

Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen