Radsport - Armstrong droht Klagewelle

Amerikas Talk-Queen war beeindruckt. "Er war VORBEREITET", twitterte Oprah Winfrey nach ihrem Interview mit Lance Armstrong, in dem der gefallene Star Berichten zufolge erstmals öffentlich Doping gestand. Ob der 41-Jährige auch für die Zeit danach gut vorbereitet ist, wird sich zeigen. Denn auf den Texaner dürften erhebliche finanzielle und womöglich auch strafrechtliche Konsequenzen zukommen.

Da sich Armstrongs Vermögen geschätzt auf umgerechnet rund 90 Millionen Euro beläuft, wird er einem möglichen Prozess wegen Meineids sicher mehr fürchten als die vielen Schadensersatzklagen.

Auf Meineid steht in den USA die Gefängnisstrafe. Vor fünf Jahren musste der ehemalige Leichtathletik-Star Marion Jones deswegen für sechs Monate in Haft.

Will US Postal sein geld zurück?

Ohne Zweifel dürfte eine Klagewelle auf Armstrong zurollen. Wie das Wall Street Journal und die USA Today berichteten, prüft auch das US-Justizministerium, sich einer offiziell nicht bestätigten Klage von Ex-Radprofi Floyd Landis gegen Armstrong und ehemalige Teammanager wegen Betrugs anzuschließen.

Darin geht es um den Vorwurf, Armstrong habe in seiner Zeit für das Team US Postal von 1998 bis 2004 die Sponsorengelder des von Steuergeldern finanzierten Unternehmens für Dopingzwecke missbraucht. Da laut Vertrag mit den Fahrern die Einnahme leistungssteigernder Mittel explizit verboten war, droht Armstrong eine immens hohe Schadensersatzforderung. Der Postdienstleister soll über die Jahre insgesamt rund 30 Millionen Euro in das Team gepumpt haben.

Sollte Armstrong allerdings konsequent auspacken und auch Namen von Hintermännern nennen, erwartet ihn als "Whistleblower", also Hinweisgeber, eine reduzierte Strafe. Laut New York Times plant Armstrong, selbst gegen Funktionäre des Weltverbandes UCI, die über seine Dopingvergehen informiert waren und diese möglicherweise unterstützten, auszusagen.

Tour und Times wollen Geld

Doch die Liste der "Gläubiger" ist lang. Der Radsportweltverband UCI hatte nach der Doping-Enthüllung durch die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA bereits angekündigt, Armstrongs gewonnene Preisgelder zurückzufordern. Allein durch seine sieben Tour-de-France-Siege soll der heute 41-Jährige mehr als drei Millionen Euro eingenommen haben.

"Das Reglement der UCI ist deutlich: Wenn einem Fahrer der Platz aberkannt wird, der Geld einbringt, muss er zurückzahlen", sagte Tour-Chef Christian Prudhomme. Weitere Veranstalter dürften sich dem Vorgehen anschließen, sofern auch sie Anti-Doping-Klauseln in ihren Verträgen verankert hatten.

1,2 Millionen Euro verlangt derweil The Sunday Times von Armstrong, der die Zeitung einst nach Doping-Beschuldigungen verklagt und bei einem Vergleich 370.000 Euro kassiert hatte.

Bumerang oder Verjährung?

Die Versicherungsgesellschaft SCA Promotions verlangt knapp neun Millionen Euro vom gefallenen Rad-Helden wegen einer Extra-Prämie für dessen sechsten Tour-Sieg. Diese hatte das Unternehmen nach Dopingvorwürfen gegen Armstrong zunächst eingefroren, wogegen Armstrong erfolgreich klagte. Allerdings musste er dafür vor Gericht schwören, keine leistungssteigernden Mittel eingenommen zu haben.

Dies könnte nun für Armstrong zum Bumerang werden. Dem ehemaligen Rivalen von Jan Ullrich droht bei einem Geständnis ein Prozess wegen Meineids. Allerdings halten Rechtsexperten diese gefahr für gering - die Aussagen unter Eid aus dem Jahre 2005 seien inzwischen verjährt, meinen sie.

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