Premier League - Wer zweifelt noch an Walcott?

Gegen Newcastle United lieferte Theo Walcott vom FC Arsenal ein Spiel der Extraklasse. Der Engländer erzielte beim 7:3-Sieg der "Gunners" einen Hattrick und war für die Newcastle-Defensive ein echter Albtraum. Am Ende narrte der 23-Jährige die gesamte Abwehr der "Magpies" und krönte seine Leistung mit einem traumhaften Treffer zum Endstand in einer spektakulären Partie.

Dabei ließ der schmächtige Engländer an der Strafraumgrenze den ersten Verteidiger stehen, zwei Newcastle-Abräumer konnten ihn nur mit einem Foul zu Fall bringen, doch Walcott ließ sich auch davon nicht stoppen und lupfte den Ball kurzer Hand über den herausstürmenden Keeper Tim Krul hinweg ins Netz.

Damit hieß es 7:3 für den FC Arsenal und jeder im Stadion wusste, wem die "Gunners" diesen Sieg vor allem zu Verdanken hatten.

"Er liebt den Klub und der Klub liebt ihn"

Walcott hatte nicht nur drei Tore geschossen, sondern seinen Gegenspielern nicht den Hauch einer Chance gelassen, ihn ansatzweise unter Kontrolle zu bringen. Das Spiel verdeutlichte nur noch mehr, wie wichtig er mittlerweile für die Mannschaft von Arsène Wenger geworden ist.

Nicht umsonst wird der Nationalspieler in letzter Zeit heftig umworben. Der FC Chelsea will ihn unbedingt vom Stadt-Rivalen loseisen. Arsenal ist für den englischen Nationalspieler aber mehr als nur ein Verein.

"Ich glaube, er liebt den Klub und der Klub liebt ihn", sagte Wenger nach der Gala seines Schützlings. "Ich würde seinen Vertrag gerne verlängern - ich denke, er gehört hier hin!" Der Top-Trainer lobte insbesondere die Vielseitigkeit seines Stars: "Er kann sowohl durch die Mitte kommen als auch über links oder rechts. Und damit kann ich ihn zusammen mit Olivier Giroud einsetzen, der ein reiner Mittelstürmer ist", erklärte der Franzose.

Walcott selbst sah in seiner Gala die beste Antwort an alle Kritiker, die ihm absprechen, ein echter Angreifer zu sein. "Ich habe immer gesagt, dass ich ein Stürmer bin", so der einst aus Southampton gekommene Torjäger. "Ich sage nicht, dass ich immer auf dieser Position spielen will - aber es ist eine Option", erklärte er nach dem "wahnsinnigen" Spiel.

Torgarant und Identifikationsfigur

Seit Jahren muss Wenger mit ansehen, wie mit Robin Van Persie, Samir Nasri und Cesc Fàbregas seine besten Spieler den Klub verlassen. Walcott soll nicht diesen Weg gehen, sondern ein wichtiger Pfeiler in der neuen Arsenal-Mannschaft sein. Hoffnung macht dabei, dass nach wochenlangem Stillstand die Gespräche mit Walcotts Beratern wieder aufgenommen wurden.

Fußball-Redakteur Dan Quarrel von Eurosport UK nennt ihn außerdem das Gesicht der "Gunners": "Er ist für Arsenal auch im PR-Bereich und als Werbefigur sehr wichtig. Er steht wie kein anderer für den Verein und präsentiert die Arbeit des Klubs in der Bevölkerung und für wohltätige Zwecke."

Auch als Identifikationsfigur könnte er in die Fußstapfen von Thierry Henry treten - dem Franzosen, der über fast ein Jahrzehnt als Torschütze vom Dienst bei Arsenal Legendenstatus erreichte. Die Rückennummer 14 hat Walcott schon übernommen und ein paar Tipps gab es wohl dazu. Denn Henry hält sich aktuell in der Spielpause der US-Liga bei seinem alten Verein fit. "Ich glaube, Theo nimmt Rat von Thierry an", so Wenger mit Blick auf dieses Duo.

Mit 16 Jahren in der Premier League

Bereits mit 16 Jahren debütierte der Junge aus dem Londoner Viertel Stanmore am 6. August 2005 in der Premier League und war damit der jüngste Spieler aller Zeiten in der höchsten englischen Liga. Nur ein Jahr später wechselte er zu Arsenal. Auch weil dort mit Wenger ein Trainer die Fäden zieht, der seit jeher dafür bekannt ist, ein besonderes Fingerspitzengefühl für junge Spieler zu haben.

Zu diesem Zeitpunkt galt Walcott als größtes Talent Englands, sein Durchbruch ließ aber auf sich warten. Immer wieder entzückte er die Fans vor allem mit seiner atemberaubenden Schnelligkeit. Zum unangetasteten Stammspieler reichte es jedoch auch aufgrund zahlreicher Verletzungen lange nicht. Erst in der vergangenen Saison konnte er für Arsenal mehr als 30 Saisonspiele bestreiten und zahlte es mit starken Leistungen zurück.

Nicht nur schnell, sondern auch gefährlich

Mit 23 Jahren ist Walcott nun in der Weltspitze angekommen. Sieben Jahre nachdem viele Fans und Experten ihn als zukünftigen Superstar ausgerufen haben, löst er das Versprechen ein. Mittlerweile ist er nicht nur atemberaubend schnell, er antizipiert auch einzelne Spielsituationen besser, weiß seinen Schnelligkeitsvorteil perfekt einzusetzen und erkennt, wann er das Eins-gegen-Eins-Duell suchen muss. "Er hat einen guten Abschluss und hat viel gelernt, weil er ein intelligenter Spieler ist und sich weiter verbessert", beschreibt Wenger die Entwicklung seines Spielers.

Auch gegen Newcastle zeigte der Stürmer diese neue Fähigkeit, indem er immer wieder im richtigen Moment startete und somit Mitspielern wie Lukas Podolski eine Anspielmöglichkeit an vorderster Front anbietet. Die Statistik beweist dabei auch seine neue Effektivität. Acht Tore und sieben Vorlagen stehen für ihn in dieser Saison bereits zu Buche. So viele wie in keiner Halbserie zuvor.

Allerdings weisen Kritiker auch darauf hin, dass Newcastle als Gegner kein Gradmesser gewesen sei. Der englische Eurosport-Kollege Tom Adams weist auf die "fürchterliche Defensivarbeit" des Gegners hin - und darauf, dass Walcott einmal mehr auch große Torchancen nicht verwertete. Insbesondere, so der Fußball-Experte, dürfe man nicht übersehen, dass in der Premier League in dieser Saison generell das Niveau der Abwehrreihen sehr schlecht sei. Dies sei mit ein Grund für die gute Bilanz Walcotts, doch wenn dieser "in der Serie A spielen müsste, würde er vielleicht fünf Saisontore machen", so der Insider.

Wohin führt die Zukunft?

Jetzt heißt es für Walcott, möglichst schnell eine Entscheidung über seine Zukunft zu treffen. Mit Wenger hat er einen Trainer an seiner Seite, der seine Stärken genau kennt und ihn von einem eindimensionalen Außenstürmer in eine offensive Mehrzweckwaffe verwandelt hat.

Der Weg der Beiden und die Entwicklung des Supertalents könnten deshalb noch Lange nicht abgeschlossen sein. "Er wird nur noch besser werden", droht Wenger bereits der Konkurrenz.

Bei Arsenal? - Dazu muss Walcott erst noch sein begehrtes Autogramm unter den ausgearbeiteten Fünf-Jahres-Vertrag setzen.

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