Premier League - Ladehemmung beim Sturmpartner

In Newcastle rieb man sich im vergangenen Winter die Hände. Für zwölf Millionen Euro lockte man Freiburgs Torjäger Papiss Demba Cissé an die Tyne. Der Sengegalese sollte mit seinem Landsmann Demba Ba das neue Traumduo im Sturm der "Magpies" bilden, doch die beiden Senegalesen bieten nur selten Grund zum gemeinsamen Jubel.

Am 05. Februar 2012 feierte Cissé sein Debüt in der Premier League. Der Neuzugang kam in der 14. Spielminute für den verletzten Leon Best in der Partie gegen Aston Villa auf den Rasen und konnte sich am Ende über einen 2:1-Sieg über Aston Villa freuen. Die Torschützen hießen Ba und Cissé - das Traumduo hatte sofort zugeschlagen. Doch während der Neuzugang aus Freiburg einen kometenhaften Start hinlegte, begann für Ba eine ganz schwierige Phase.

In den folgenden Wochen eilte Cissé von Erfolgserlebnis zu Erfolgserlebnis und hatte am Ende der Saison in seinen 14 Einsätzen stolze 13 Mal für Newcastle getroffen. Ganz anders lief es für seinen Nationalmannschaftskameraden. Ba war Newcastles Top-Mann im Angriff und hatte bis zur Verpflichtung von Cissé bereits 15 Treffer auf dem Konto. Die Scouts der Top-Klubs gaben sich Woche für Woche ein Stelldichein auf der Tribüne, um den schlaksigen Torjäger zu beobachten. Das Tor gegen Aston Villa sollte bis zum Saisonende das letzte für Ba gewesen sein. Statt sich gegenseitig zu Höchstleistungen zu treiben, führte Cissés Verpflichtung zu einer Ladehemmung seines Sturmpartners.

Kann der eine nur ohne den anderen?

In der laufenden Saison sollte alles anders werden. Es wurde anders, doch irgendwie ist es dennoch dieselbe Geschichte. Ba hat seine Treffsicherheit wiedergefunden und durfte sich in zwölf Einsätzen über acht Treffer freuen. Während es bei Ba wieder läuft, bekommt Cissé in dieser Spielzeit kein Bein auf den Boden oder genauer gesagt: Kein Ball mehr ins Tor.

Zehn Spiele in der Liga und nur ein Treffer sind die ernüchternde Statistik. Am neunten Spieltag gegen West Brom war Cissé nach seiner Einwechslung erfolgreich, den weiteren Treffer beim 2:1-Erfolg gegen West Brom steuerte Ba bei. Doch nur das Tor des ehemaligen Hoffenheimers konnte die Senegalesen gemeinsam bejubeln, denn als Cissé traf war Ba schon ausgewechselt.

Problem des Systems oder des Egos?

Im 4-4-2-System von Trainer Alan Pardew behindern sich Ba und Cissé und berauben sich ihrer Stärken. In einem 4-3-3-System müsste Ba auf den linken Flügel ausweichen, eine Variante, die dem extrovertierten 27-Jährige nicht besonders schmecken dürfte, da seine eigene Torquote in Spielen als Flügelstürmer rapide gesunken war.

Die größte Aufgabe von Pardew besteht jetzt darin, seine beiden Torjäger auf dem Rasen zum Harmonieren zu bringen und das System der "Magpies" an die Spielweise der beiden anzupassen. Reichte im letzten Jahr noch ein Torjäger, ist man in Newcastle in diesem Jahr auf beide Senegalesen angewiesen, den als aktuell Zwölfter liegt der Klub, der als Fünfter im Vorjahr die Champions League nur knapp verpasst hatte, deutlich hinter seinen Ansprüchen zurück.

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