Premier League - Hazard-Tritt "hätte ich genauso gemacht"

Der ehemalige Chelsea-Spieler Pat Nevin, derzeit TV-Experte der "BBC", hat für das Verhalten von Eden Hazard Verständnis gezeigt und den Balljungen Charlie Morgan angeprangert. Der 17-Jährige hatte den Chelsea-Profi bewusst provoziert, indem er das Spiel in einer entscheidenden Phase verzögerte und den Ball nicht herausrückte, sondern unter sich vergrub.

Hazard ließ sich dadurch, nachdem er zunächst versuchte, den Ball mit den Händen zu ergattern und dabei scheiterte, zu einem unüberlegten Tritt gegen das Spielgerät hinreißen, bei dem er auch Morgan am Bauch traf.

Die Szene sorgte in der Fußball-Welt für großes Aufsehen - Hazard wurde als Bösewicht, der Kinder tritt, stigmatisiert.

Der Chelsea-Profi sah nach dem Vorfall die Rote Karte und wurde später zum Ziel vieler öffentlicher Anfeindungen. Ihn erwarten voraussichtlich weitere Bestrafungen durch den englischen Verband. Seine Bestrafung steht auf Grund des Tritts außer Frage, denn dazu hätte er sich nicht verleiten lassen dürfen.

Morgan kündigte sein Verhalten stolz an

Doch BBC-Experte Nevin ist der Meinung, dass auch der 17-jährige Balljunge genauer unter die Lupe genommen werden muss. "Sein Verhalten war sehr, sehr enttäuschend", so Nevin. "Er hat eine einzige Aufgabe, und das ist, den Ball möglichst schnell auf den Platz zurück zu befördern. Doch was tat er? Das Gegenteil."

"Ich war überrascht, als ich sein Alter erfuhr", erklärte Nevin zum Verhalten des Balljungen. "Er ist nicht zwölf oder 13 sondern 17 Jahre alt. Er versteht also sehr wohl, was seine Aufgabe ist."

Das tat Morgan tatsächlich, doch er interpretierte sie völlig falsch: Der Balljunge hatte vor dem Spiel bereits via "Twitter" angekündigt, dass er das Spiel verzögern werde. "Der König der Balljungen ist zurück für seinen letzten Auftritt, werde fürs Zeitschinden gebraucht", so sein "Tweet".

Zeitspiel von Balljungen gefordert

Eine derartige Arbeitsauffassung wird Balljungen häufiger vorgeworfen und manchmal sogar von ihnen erwartet. Der deutsche Trainer Friedhelm Funkel etwa sagte vor etwas mehr als einem Jahr in seiner Funktion als Chef-Coach bei Alemannia Aachen: "Als Balljunge einer Heimmannschaft, die führt, muss man das Spiel verzögern." Damit reagierte er auf das übereifrige Zurückwerfen des Balls durch einen Zwölfjährigen, nachdem ein Aachener Spieler den Ball bewusst weit ins Aus gedroschen hatte.

Kein Wunder also, dass Jugendliche wie Morgan das Zeitspiel als Teil ihrer Aufgabe ansehen. Indem er derart offensichtlich agierte überschritt der 17-Jährige nun aber eine Grenze.

"Das war erbärmlich"

Doch das ist nicht alles. Nach dem Tritt von Hazard wälzte sich der Balljunge extrem lang auf dem Boden. "Er muss viele Fußballer genau studiert haben, so theatralisch, wie er sich anschließend auf dem Boden gewälzt hat", kommentierte Nevin. "Das war erbärmlich."

Angesichts der besonderen Situation, weil Chelsea vor dem Ausscheiden stand und nur noch zehn Minuten zu spielen waren, kann der Schotte die Reaktion von Hazard sogar verstehen. Ob er genauso gehandelt hätte wie der Belgier? "Ich hätte den Ball ebenfalls unter dem Jungen herausgekickt - ja, hundertprozentig", bestätigte Nevin. "Es tut mir leid, denn das ist natürlich nicht das richtige Verhalten. Aber ich hätte es genauso gemacht."

Der Tweet von Charlie Morgan, den er vor dem Spiel schrieb:

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