Olympische Spiele - Historische Entscheidung: Ringen ist raus

Olympia-Aus für das Ringen: Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat die klassische Sportart überraschend aus dem Programm für die Sommerspiele 2020 gestrichen und damit die Ringer-Szene in einen Schockzustand versetzt. Der seit der Antike bei Olympia vertretenen Sportart droht ohne die bisherigen IOC-Mittel in Höhe von 8,36 Millionen Euro pro Olympiazyklus der Untergang.

Dafür wird der Moderne Fünfkampf mit einem neuen hochinteressanten Wettkampfformat über Rio de Janeiro 2016 hinaus Bestandteil der Sommerspiele bleiben.

"Das ist fatal für uns", sagte Manfred Werner, Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB): "Es hat keinerlei Vorzeichen von Seiten des Weltverbandes gegeben."

Bundestrainer Michael Carl: "Es gab immer wieder Gerüchte darüber. Welche langfristigen Auswirkungen das haben wird, kann man natürlich jetzt noch nicht absehen." "Das ist ein Desaster, unglaublich", kommentierte Carls Bundestrainer-Kollege Maik Bullmann, und Olympiasieger Pasquale Passarelli sagte fassungslos: "Das ist traurig. Es ist eine der ältesten Sportarten. Das Ringen ist zwar in letzter Zeit schlechter geworden. Aber ich hätte nie gedacht, dass das so schnell geht."

Noch eine minimale Chance

Ringen wird demnach 2016 in Rio de Janeiro zum vorerst letzten Mal bei Sommerspielen auf dem Programm stehen, nachdem es in Lausanne anscheinend ein oder zwei Stimmen gegen den Kampfsport gab. Seit den ersten Spielen der Neuzeit im Jahr 1896, als der Deutsche Carl Schuhmann Olympiasieger wurde, gehörte die traditionsreiche Sportart ohne Unterbrechung dazu. Auch im antiken Olympia waren die Ringer stets dabei gewesen.

Eine theoretische Chance auf den Verbleib besteht weiter: Zusammen mit den Neuaufnahme-Kandidaten Baseball/Softball, Sportklettern, Karate, Rollersport, Squah, Wakeboard und Wushu steht Ringen Ende Mai bei der Exekutiv-Sitzung in St. Petersburg/Russland noch einmal auf dem Prüfstand. Doch ein Kommando zurück gilt als unwahrscheinlich. Endgültig bestätigen muss die Entscheidung die 125. IOC-Exekutive im September in Buenos Aires. Dort wird außerdem aus dem Trio Tokio, Madrid und Istanbul der Gastgeber der Sommerspiele 2020 gewählt.

Neben dem Modernen Fünfkampf, für dessen olympische Zukunft Klaus Schormann, seit 20 Jahren Präsident des Weltverbandes UIPM, erneut erfolgreich kämpfte, stand vor allem Taekwondo auf der Abschussliste des IOC, in zweiter Linie gefährdet schienen Ringen und Badminton, zuletzt sogar Hockey.

Am Ende kam die IOC-Programmkommission unter dem Italiener Franco Carraro zu dem Schluss, dass das 2012 in London noch mit 344 Athleten/Athletinnen in 18 Wettbewerben der Männer (je 7 Freistil und Griechisch-Römisch) und Frauen (seit 2004 olympisch/4 Freistilklassen) vertretene Ringen am wenigsten die Voraussetzung für einen Verbleib im Olympiaprogramm erfülle.

Fünfkampf feiert "Sonnenstrahl"

Insgesamt wurden 39 Kriterien herangezogen, um die Olympia-Tauglichkeit aller 26 Sportarten zu überprüfen. Wichtige Punkte waren dabei TV-Quoten, Ticket-Verkauf, weltweite Verbreitung, Popularität und Engagement im Anti-Doping-Kampf.

Da war der Moderne Fünfkampf mit drastisch modernisiertem Wettkampfformat eher trendy: Alle fünf Disziplinen (Degenfechten, Schwimmen, Springreiten, Schießen und Dauerlauf wie beim Biathlon kombiniert) werden binnen fünf Stunden telegen wie nie im selben Stadion ausgetragen. "Künftig kann ein Zuschauer alle Disziplinen binnen fünf Stunden mit einem Ticket vom gleichen Sitzplatz aus beobachten", sagt Schormann, der den Verbleib im Olympiaprogramm als "Sonnenstrahl" wertete und versprach: "Wir werden mit unserem Sport weitere Meilensteine setzen."

Schormann hatte zuvor in einem Brief an die IOC-Exekutive darauf verwiesen, dass Baron Pierre de Coubertin, Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, den Modernen Fünfkampf 1912 bei Olympia eingeführt habe. Verbanne man diesen nun aus dem Programm, zerstöre man das Vermächtnis dieses Mannes ausgerechnet in seinem 150. Geburtsjahr.

Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen