München - Der beste Neureuther aller Zeiten?

Als Felix Neureuther am Olympiaberg den dritten Weltcupsieg seiner Karriere feierte, gab es für seine Fans kein Halten mehr. 17.000 begeisterte Zuschauer jubelten dem Publikumsliebling zu, selbst Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger verneigte sich. Für Neureuther war der Erfolg das Sahnehäubchen auf eine bislang nahezu perfekte Saison.

Sieben Weltcuprennen hat der Partenkirchener einschließlich München diesen Winter bestritten – sieben Mal erreichte er das Ziel, fuhr sechs Mal unter die Top Acht, drei Mal aufs Podium und eben zum Sieg am Neujahrstag in München.

Im Slalom-Weltcup findet sich der 28-Jährige inzwischen auf Rang zwei wieder und duelliert sich mit Marcel Hirscher aus Österreich und dem Schweden André Myhrer um die kleine Kristallkugel.

Im Gesamtweltcup ist er Vierter, 156 Punkte hinter dem drittplatzierten Ted Ligety. Bedenkt man, dass für die Herren in diesem Weltcupwinter nur noch vier Riesenslaloms aber sieben Slaloms auf dem Programm stehen, scheint der Rückstand auf den US-Amerikaner nicht uneinholbar.

Neureuther, der Super-Starter

Natürlich spielte auch der Weltcupkalender dem Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther etwas in die Hände. Val d’Isère, wo er Zweiter im Slalom wurde, gehört zu seinen Lieblingshängen. Hier verpasste er schon 2009 bei den Weltmeisterschaften als Vierter nur um 19 Hundertstelsekunden eine Medaille. Und der Parallelslalom liegt ihm sowieso. Wie kaum ein Zweiter kann er sich im direkten Duell noch einmal zusätzlich pushen.

"So ein Wettbewerb Mann gegen Mann ist der Wahnsinn", so Neureuther. In den bisher drei ausgetragenen Weltcuprennen in dieser Disziplin war er nie schlechter als Vierter, gewann außerdem 2009 das Einladungsrennen in Moskau gegen die komplette Weltelite.

Neureuther gilt als einer der besten Starter im Weltcup, fährt schon auf den ersten Metern Vorsprünge heraus, die die Konkurrenz auf den kurzen Hängen im sogenannten "City Event" kaum aufholen kann. "Natürlich ist es was anderes, wenn man einen Klassiker gewinnt", gestand der ehemalige Kitzbühel-Sieger daher nach seinem Erfolg von München. "Aber von der nervlichen Anspannung ist es hier fast noch schlimmer."

Auf Neureuther lastete beim Heimrennen durchaus ein gewisser Druck, dem er famos standhielt. In Garmisch-Partenkirchen steht beim Weltcup Ende Februar diesmal kein Slalom auf dem Programm. München war also seine realistischste Chance auf eine Podiumsplatzierung vor Heimpublikum. Und die Konkurrenz war in München die gleiche. Mit dem dreimaligen Weltcup-Sieger standen Hirscher, Myhrer und der Franzose Alexis Pinturault im Halbfinale – die Gewinner der bisherigen drei Saisonslaloms.

Auch mental scheint der beste deutsche Skirennläufer gereift. Stürmte er früher kopflos auf Übergänge am Hang zu und ließ die Rennen oft genau dort liegen, fährt er heute taktisch cleverer. In Madonna di Campiglio nahm er aufgrund seines großen Vorsprungs auf den Drittplatzierten nach dem ersten Lauf im Finale fast schon zu viel Tempo heraus und hatte gegen den mutiger attackierenden Hirscher im zweiten Durchgang keine Chance. Aber Neureuther hat durch die größere Stabilität an Selbstvertrauen gewonnen, weiß, dass er auch mit vorsichtigeren Läufen mit den Besten mithalten kann.

Zweites Standbein im Riesenslalom

Seine Verbesserung deutete sich schon vergangene Saison an. Der ehemalige Kitzbühel-Sieger wechselte die Skimarke und kam mit dem neuen Material gleich glänzend klar. Sein Auftakt in den Slalomwinter 2011/2012 war mit den Rängen zwei, drei, vier und zehn ähnlich stark wie dieses Jahr, ehe sich bei den Klassikern im Januar die Ausfallrate doch wieder häufte.

"Ich war letztes Jahr vom Speed her im Slalom schon sehr schnell", sagte er nach seinem zweiten Rang beim Nachtslalom in Madonna di Campiglio, "aber es hat ein bisschen die Konstanz gefehlt in der Mitte der Saison". Das soll ihm diesmal nicht passieren.

Unerwarteter kam Neureuthers Aufschwung im Riesenslalom. Bis zu seinem Bandscheibenvorfall im Herbst trainierte der Olympia-Achte verstärkt auch die längeren Schwünge, stellte sich auf die geringere Taillierung der neuen Riesenslalom-Ski besser ein, als ein Großteil der Konkurrenz. Mit den Rängen vier und sieben in Val d’Isère und Alta Badia preschte er auch in dieser Disziplin in die erweiterte Weltspitze fuhr, hat gute Chancen spätestens bei den Weltmeisterschaften in Schladming in der ersten Startgruppe ins Rennen gehen zu können. Eine Verbesserung, die dem Partenkirchener auch dabei hilft, bei manchen Schräglagen im Slalom besser als die Balance zu halten als früher.

Der 28-Jährige hat also jeden Grund optimistisch ins Jahr 2013 zu blicken, das für den Slalomartisten viele Highlights bietet: Die Klassiker in Wengen und Kitzbühel, die Weltmeisterschaften in Schladming und schließlich der Riesenslalom in seiner Heimat Garmisch-Partenkirchen.

Und es gibt keinen Grund, warum es nicht so erfolgreich weitergehen soll, wie es an Neujahr in München begann.

VIDEO - Neureuther triumphiert in München

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