Liga - Mourinhos Spiel mit dem Feuer

Es glich einer Majestätsbeleidigung: Real Madrids Trainer José Mourinho ließ bei der 2:3-Niederlage der "Königlichen" in Málaga Real-Ikone Iker Casillas 90 Minuten lang auf der Bank schmoren. Der vierfache Welttorhüter verpasste somit erstmals seit 2002 ein bedeutendes Pflichtspiel aufgrund einer Entscheidung des Coaches. Es ist ein öffentlicher Machtkampf, den Mourinho nur verlieren kann.

Es war eine Entscheidung, die über die spanischen Fußball-Grenzen hinaus für Aufsehen sorgte: José Mourinho ließ beim wichtigen Liga-Spiel in Málaga statt seines Kapitäns und Star-Keepers Iker Casillas Ersatzmann Adán auflaufen. "The Special One" begründete dies mit einer "spieltaktischen" Entscheidung. Eine typisch süffisante Mourinho-Aussage, die darin gipfelte, dass er Adán auf der Pressekonferenz für aktuell "besser" als den vierfachen Welttorhüter Casillas erachte - ein Affront gegen den spanischen Welt- und Europameister, den sich selbst der Welt-Trainer Mourinho nicht ohne Weiteres erlauben kann.

"Das ist eine Kampfansage in Richtung des Vereins und einer lebenden Legende des Klubs", sagte ein erschütterter Guti, selbst 16 Jahre lang ein "Blanco", nach dem Match.

"Spionage-Affäre" der Grund?

Über die wahren Hintergründe für diese Entscheidung lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich ist, dass Mourinho auf die sogenannte "Spionage-Affäre" reagierte. Vor einer Woche verhörte der 49-Jährige dem Vernehmen nach einen spanischen Journalisten, der unter Berufung auf Spielerkreise berichtete, dass diese in Torwart-Trainer Silvino Louro einen Spion Mourinhos sehen, und wollte vom Journalisten Auskunft über die Spielernamen erhalten. Insgesamt sollen es drei Real-Kicker sein, die der Portugiese bezichtigt, Interna an die Presse weiterzuleiten. Darunter sei auch Casillas, der bereits im März dieses Jahres als "Maulwurf" angeprangert wurde, diese Anschuldigungen aber vehement dementierte.

Die Beziehung zwischen Mourinho und Casillas ist ohnehin seit längerem gestört. Erste Spannungen ergaben sich bereits 2010, kurz nach Mourinhos Wechsel von Inter Mailand in die spanische Hauptstadt. Einen Tag vor einem Liga-Match machte sich Casillas auf den Weg nach Oviedo zu einer Preisverleihung, weshalb sich der Keeper einen ersten Rüffel von seinem Trainer einhandelte.

Im August 2011 wuchsen die Differenzen weiter: Als sich Mourinho beim Supercup-Finale gegen den FC Barcelona zu einer Tätlichkeit gegenüber dem damaligen Barca-Co-Trainer Tito Vilanova hinreißen ließ, entschuldigte sich Casillas telefonisch bei seinem Nationalmannschaftskollegen Carles Puyol für das Verhalten seines Trainers.

Auch Probleme mit Ramos

Immer wieder eckt Mourinho mit seinen Spielern an und scheint insbesondere mit seinen spanischen Schützlingen Probleme zu haben. Spanische Medien verbreiteten die Meldung, dass der ehemalige Inter-Coach und Abwehrchef Sergio Ramos ebenfalls eine schlechte Beziehung zueinander hätten, was "Mou" wiederum dementierte. "Es gibt keine Probleme zwischen uns", so der Portugiese, der schmunzelnd hinzufügte: "Die Beziehung zu meiner Frau ist allerdings besser."

Dennoch scheint es innerhalb des Klubs mehr zu rumoren, als es Spieler und Trainer öffentlich zugeben. Casillas verschärfte den Konflikt, als er im Oktober beim Ballon d'Or für Vicente del Bosque als besten Trainer und Sergio Ramos als besten Fußballer votierte. Insbesondere die Wahl Ramos' soll Mourinho aufgestoßen sein, da "Mou" seit längerer Zeit offensiv Werbung für Cristiano Ronaldo als Weltfußballer des Jahres machte und sich Unterstützung aus den eigenen Reihen erhoffte.

Öffentlicher Machtkampf

Der in der Öffentlichkeit und von Teilen der Real-Fans kritisierte Star-Trainer lässt sich also erneut auf einen öffentlichen Machtkampf ein. Nach den Differenzen mit Klub-Boss Florentino Pérez sucht sich der Portugiese mit der Real-Ikone Casillas nun einen Mann aus, der, so merkwürdig es klingen mag, aufgrund seiner unschätzbaren Beliebtheit bei den Fans innerhalb des Klubs vielleicht einen noch höheren Stellenwert als der Präsident besitzt.

Bereits während der Partie in Málaga, bei welcher Casillas von den spanischen TV-Kameras beinahe im Minutentakt gezeigt wurde, ließen Fans der Real-Ikone ihrer Wut freien Lauf und beschimpften Mourinho auf Casillas' Facebook-Seite.

Forciert Mourinho seinen Abgang?

Mourinho wäre zweifelsohne auch bei einem Erfolg in Málaga nicht so einfach mit dieser Entscheidung durchgekommen - der Fakt, dass Real beim Verfolger aus Andalusien verlor und nach dem 2:2 gegen Espanyol in der Woche zuvor immer weiter in die Krise schlittert, ist ein weiterer negativer Multiplikator. Mourinho gab Adán, der beim zweiten Treffer zumindest unglücklich aussah, keine Schuld an der Pleite. "Unser Torwart hatte keinen Anteil an der Niederlage." Die Titelverteidigung schreibt der Star-Trainer angesichts 16 Punkten Rückstand auf den FC Barcelona ab. "Wir haben einen Rückstand, den wir nicht mehr aufholen können."

Der Portugiese gab sich auf der Pressekonferenz gewohnt trotzig. "Ich denke nicht daran aufzugeben und ich habe auch keine Angst um meinen Job", sagte der 49-Jährige.

Dennoch scheint es so, als ob Mourinho seinen Abgang von den "Königlichen" forciert. Angst davor, keinen neuen Job zu finden, braucht der Portugiese schließlich auch nicht zu haben.

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