Levi - Stauffer: "Treten nicht an, um Zweiter zu werden"

Er trainiert das Sahnestück der deutschen Alpinen. Thomas Stauffer ist für das Team um Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg verantwortlich. Im Interview spricht der Trainer über neue Ski und neue Hoffnungen, alte Fehler und Dauerkonkurrenten sowie die Motivation für Rennläuferinnen, bei den Herren antreten zu wollen.

Die neue Saison ist für die deutschen Damen gerade ein Rennen alt, welche Eindrücke haben Sie aus Sölden mitgenommen?

Thomas Stauffer: Die Momentaufnahmen waren nicht schlecht. Wir haben einige junge Fahrerinnen dabei gehabt, die richtig Gas gegeben haben. Schlecht war jedoch, dass wir zu oft nicht im Ziel waren, zu viele Ausfälle hatten. Daran müssen wir ganz sicher arbeiten. Generell sind die Eindrücke vom skifahrerischen gut, resultatmäßig sind sie aber nicht gut.

Zur neuen Saison gab es eine Reglementsänderung bei den Ski, die besonders den Riesenslalom betroffen haben. Wie sind sie in der Vorbereitung damit umgegangen?

Stauffer: Im Trainingsbetrieb hat sich nichts geändert. Wir haben schon vorher immer versucht, die Ski zu verbessern. Das war bei den alten Ski, die man über mehrere Jahre gefahren ist, nur noch Detailarbeit - jetzt sind die Verbesserungen, die wir vornehmen, pro Schritt größer, weil man einfach von weiter her kommt. Dafür haben wir im Frühjahr ein wenig mehr gemacht, um gleich Input an die Skifirmen geben zu können und damit die Entwicklung voranzutreiben.

In Levi geht es mit dem Slalom weiter, der Disziplin, in der bei den deutschen Damen wohl das größte Potenzial schlummert. Was erwarten Sie von ihrem Team in Finnland?

Stauffer: Ob wir im Slalom wirklich das größte Potenzial haben, wird sich zeigen. Wir starten mit drei Damen unter den ersten 30, die anderen kommen dahinter. Es ist sicher so, dass sowohl Christina Geiger als auch Lena Duerr und Maria Höfl-Riesch Anspruch auf das Podest anmelden - da müssen wir sehen, was passiert, denn sie waren im Training nicht so schlecht. Das Ziel der anderen muss ganz klar heißen, den zweiten Lauf zu erreichen.

Eine sehr starke Slalom-Fahrerin ist derzeit auf Eis gelegt: Susanne Riesch. Wie steht es um ihre Gesundheit?

Stauffer: Susanne ist über den Sommer ein wenig stagniert, physisch einfach nicht mehr vorwärts gekommen. Zudem hat sie auch wieder Schmerzen im Knie gehabt, da wurden ihr dann alle Schrauben und das gesamte Metall herausgenommen. Nach Reha und Aufbautraining ist sie jetzt wieder soweit, dass sie in ein normales Konditionstraining einsteigen und normal mitmachen kann. Wie die weiteren Schritte sind und wann sie in den regulären Trainingsbetrieb oder gar in die Rennen zurückkehrt, ist schwer zu sagen. Wir gehen da Schritt für Schritt und Susanne geht diesen Weg in die richtige Richtung mit. Wie lange das noch dauert, kann man nicht planen.

Wir wollen nicht allzu viel über die Verletzten sprechen, aber vielleicht noch ein Satz zu Kathrin Hölzl...

Stauffer: Bei Katy spielen viele Faktoren eine Rolle. Am Stand hat sich da wenig verändert. Sie macht ganz kleine Schritte in die richtige Richtung. Aber wann sie zurückkommt, ist sehr schwierig abzuschätzen.

Es geht ja in eine WM-Saison. Was erwarten Sie von Ihrem Team in Schladming, wo ja Viktoria Rebensburg zum Beispiel in der letzten Saison ihren ersten Super-G gewonnen hat?

Stauffer: Vicki ist sicher eine der Favoritinnen im Riesenslalom. Mit dem Sieg beim Weltcup-Finale im Super-G hat sie sich auch da in eine Position manövriert, von der aus sie sicher auch Ansprüche aufs Podest anmeldet. Generell erhoffen wir - und das schließt Vicki mit ein - uns eine konstantere Super-G-Leistung. Schnell war sie schon, aber sie hat einfach zu viele Ausfälle gehabt. Wenn sie das vor der Saison konstant nach unten bringt, traue ich ihr auch da einiges zu.

Eine andere Fahrerin meldet da eher Ansprüche im Gesamtweltcup an. Kann Maria Höfl-Riesch da Lindsey Vonn vom Thron stoßen?

Stauffer: Das ist sicher das Ziel, denn wir treten nicht an, um Zweiter oder Dritter zu werden. Dass es ganz vorne ein harter Kampf wird, ist auch klar. Lindsey ist stark, das wissen wir, denn wir haben sie trainieren sehen. Sie wird vorne dabei sein, musste aber auch etwas am Material verändern, was vielleicht eine Chance für uns ist. Alle fangen bei null an. Man darf aber nicht nur auf Lindsey achten. Tina Maze in Sölden schon gezeigt, dass sie sehr stark sein wird. Sie war im letzten Jahr schon Zweite und wird alles dafür tun, ganz oben zu stehen. Es wird also mindestens einen Dreikampf um den Gesamtweltcup geben.

Sie haben gesagt, Lindsey Vonn ist sehr stark. Ist sie auch stark genug, um bei den Männern mitzufahren?

Stauffer: Lindsey hat in den letzten Jahren sehr viel erreicht. Wie viel von dieser Aktion jetzt PR war, kann ich nicht sagen. Aber Fakt ist, dass solche Sportlerinnen immer das nächste Limit suchen. Dass da der Gedanke aufkommt, sich auf dem nächsten Level zu messen, ist auch logisch. Man will schließlich immer weiter gehen, immer besser werden und sucht die nächste Herausforderung. Wenn man das so sieht, ist es doch klar, dass da mal mit dem Gedanken gespielt wird.

TV-Tipp:

Der Winter nimmt Fahrt auf. In Levi kämpfen die Technik-Asse unter den Alpinen um erste Slalom-Punkte. Eurosport überträgt am 10. und 11. November LIVE im TV und im Eurosport Player.

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