Int. Fußball - Fußball-Tragödie: Cruyff fordert Umdenken

Für Johan Cruyff sind schlechte Vorbilder und Fehler in der Erziehung Ursache für Angriffe auf Unparteiische wie beim tödlichen Zwischenfall in Almere. "Ich finde, dass das Benehmen mancher Eltern an der Seitenlinie bei Fußballspielen ihrer Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren skandalös ist. Also müssen wir damit beginnen, Normen und Werte auch für die Eltern aufzustellen", so Cruyff.

Schiedsrichter-Assistent Richard Nieuwenhuizen war am vergangenen Wochenende durch Jugendspieler des SV Nieuw-Sloten Amsterdam zu Tode geprügelt worden. Die Tragödie heraufbeschworen habe aber das Verhalten der Erwachsenen. "Alle Jungens im Alter bis zu zwölf Jahren haben Moral. Sie schämen sich für das Benehmen ihrer Eltern. Dass sie das dann später übernehmen, ist eine andere Geschichte", sagte der berühmteste niederländische Fußballer bei der Eröffnung der Ausstellung "Johan & ik" zu seinem 65. Geburtstag im Amsterdam Museum.

"Es ist eine Erziehungsaufgabe. Da muss man beginnen", sagte Cruyff und forderte ein Umdenken. Es müsse ein System geben, um Eltern von den Plätzen fernzuhalten, wenn sie Grenzen überschreiten. "Dem Fußballverband KNVB wird nun auch Schuld zugewiesen, vielleicht hätte er auch etwas mehr tun müssen. Aber da muss ein Gesetz kommen, das dem Verband ermöglicht, Personen auszuschließen", meinte der 65-Jährige.

Kritik am Verband

Kritik am KNVB und der Politik übte auch Trainer Gertjan Verbeek vom Erstligisten AZ Alkmaar. "Sie beginnen wieder mit Symptombekämpfung. Aber wo bleibt das Fußballgesetz? Dieser Totschlag ist ein gesellschaftliches Problem. Die Politik und der KNVB lassen uns in der Kälte stehen", sagte Verbeek: "Das Problem wird nicht mit einer Schweigeminute gelöst. Im vergangenen Jahr wurde ein Zuschauer von einem Spieler totgetreten. Ist damals etwas passiert?", wird Verbeek im "Telegraaf" zitiert.

Ein Gipfeltreffen über Gewalt im Fußball kündigte die für den Sport zuständige Ministerin Edith Schippers für Dienstag in einer TV-Talkrunde an. An der Konferenz werden vier Minister, darunter der Integrations- und der Justizminister, die Bürgermeister der Fußballstädte Amsterdam und Eindhoven, die Polizei, der KNVB und der niederländische Olympische Sportbund NOCNSF teilnehmen.

"Wir werden über alles sprechen. Immerhin hat die Regierung schon sieben Millionen Euro in das Programm 'sicheres Sportklima' gesteckt. Wir müssen auch schauen, ob der KNVB sein Disziplinarrecht verschärfen kann. Auch der Profi-Fußball muss vorbildlich sein. Wenn dort Schiedsrichter von den Stars ausgeschimpft werden, ist es keine Überraschung, wenn Jugendliche dieses Verhalten nachahmen", sagte Schippers.

Nieuw-Sloten legt Spielbetrieb still

Der SV Nieuw-Sloten, dem die jugendlichen Täter angehören, hat unterdessen beschlossen, den Spielbetrieb für zwei Wochen stillzulegen. Erst am 15./16. Dezember will der Verein wieder antreten, sagte Vereinssekretär Wim Snoek.

Der Leichnam von Richard Nieuwenhuizen ist von den Behörden zur Beerdigung freigegeben. Am Montag wird die Einäscherung stattfinden.

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