Hamilton sucht Stabilität - und findet Führungsqualität?

Das Debüt Lewis Hamiltons bei Mercedes ist die mit am meisten Spannung erwartete Personalie der kommenden Formel-1-Saison. Auch Damon Hill freut sich bereits darauf, seinen Landsmann im Silberpfeil zu sehen und glaubt, dass verborgene Qualitäten zum Vorschein kommen könnten. "Als ich bei Williams war, war ich keine Führungspersönlichkeit, ich war ein Testfahrer", erinnert der Weltmeister von 1996 im Gespräch mit 'Autosport' an seine Zeit beim damaligen Klassenprimus aus Grove.

Mit der WM-Krone im Gepäck wagte Hill den Wechsel zur unterlegenen Arrows-Mannschaft - und stand plötzlich in der Verantwortung: "Als ich zu einem anderen Team gegangen bin, wurde ich als Führungspersönlichkeit angesehen. So ist es vielleicht einfacher, diese Rolle einzunehmen", erläutert der heute 52-Jährige die Vorteile, den Arbeitsplatz zu tauschen. Hamilton wäre nicht der erste Pilot, der in einer neuen Umgebung Fähigkeiten entdeckt, die er zuvor nicht gebraucht hat.

Hamilton will Stabilität im Leben

Hill erinnert an einen der schärfsten Konkurrenten des angehenden Mercedes-Stars: "Zum Beispiel Fernando Alonso: Er hat kein Designbüro im Kopf. Er weiß, wie er ein Team motiviert und das Beste aus der Truppe herausholt." Hamilton selbst macht klar, dass seine Ansprüche trotz des McLaren-Abschieds nicht sinken: "Was die Zukunft angeht, wäre ich sehr glücklich, sollte ich Mercedes helfen können, mit den Topteams mitzuhalten", erklärt er dem italienischen TV-Sender 'Mediasat'.

Denn für den Ex-Weltmeister geht es nach eigener Aussage nicht darum, besser abzuschneiden als sein Vorgänger Michael Schumacher. "So betrachte ich das nicht. Er ist eine Legende und unantastbar." Und apropos neue Fähigkeiten: Auch an seinem Image will Hamilton schrauben und Partyeskapaden wie im vergangenen Jahr zu den Akten legen. "Wonach ich nun strebe, ist Stabilität in meinem Leben", so Hamilton. "Das Wichtigste ist Konstanz. Manchmal hadert man, manchmal nicht."

Hill erwartet klare Teamhierarchie

Verbiegen will sich der 27-Jährige für ein neues Außenbild aber nicht: "Jeder von uns ist eine Persönlichkeit. Deshalb musst du du selbst sein und ignorieren, was die Leute sagen." Hill wirft einen Blick in die Kristallkugel und prognostiziert das Ende der großen Teamduelle: "In früheren Tagen gab es nur einen Rennstall, für den es sich zu fahren gelohnt hat. Also waren dort die zwei besten Kerle und haben um Aufmerksamkeit gerungen", erinnert er an Zeiten wie die von Ayrton Senna und Alain Prost bei McLaren.

Doch das Blatt habe sich gewendet, vermutet Hill: "Jetzt gibt es mehrere und fünf Jungs mit einem eigenen Team", skizziert er eine neue Konstellation von Fahrern und Mannschaften in der Königsklasse und deutet eine klare Hierarchie in den Boxen an: "So könnte 2013 aussehen: Jenson Button hat McLaren, Lewis hat Mercedes, Fernando hat Ferrari, Sebastian Vettel hat Red Bull und Kimi Räikkönen hat Lotus. Jeder von ihnen kann gewinnen." Das klingt nach spannenden Zeiten.

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