Grand Prix Malaysia - Dicke Luft bei Red Bull

Red Bull hat mit einem Doppelsieg in Sepang ein erstes dickes Ausrufezeichen dieser Saison gesetzt und die Titelambitionen eindrucksvoll untermauert. Dennoch hängt der Haussegen beim Konstrukteursweltmeister gewaltig schief. Sebastian Vettel ignorierte die Stallorder des Teams und lieferte sich mit Mark Webber einen heißen und gleichsam gefährlichen Fight um den Sieg. Danach hagelte es Kritik.

Vielen Formel-1-Fans ist die Einführung der erlaubten Teamorder, die von den Rennställen auch schon vor 2011 mal mehr und mal weniger offensichtlich praktiziert wurde, ein Dorn im Auge. Schließlich verhindert diese oftmals ein packendes Duell zwischen zwei Fahrern aus demselben Team, Duelle um den Sieg werden per Boxenfunk entschieden.

Dieses Szenario drohte einmal mehr in Malaysia. Mark Webber führte das Rennen vor Sebastian Vettel an, dahinter fuhr Lewis Hamilton vor seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg dem dritten Platz entgegen. Dass der Malaysia-Grand-Prix dennoch im Anschluss für einigen Gesprächsstoff sorgte, ist in erster Linie Vettel zu "verdanken".

Der Weltmeister ignorierte die Ansage des Teams, den Doppelsieg sicher nach Hause zu fahren. Bereits nach 28 Runden forderte Vettel seine Crew per Funk dazu auf, dass Webber Platz machen solle: "Mark ist zu langsam. Schafft ihn mir aus dem Weg." Die Antwort aus der Box ließ nicht lange auf sich warten: "Bleib geduldig, Sebastian. Wir haben erst Halbzeit." In der Folge erhöhte Webber die Pace und konnte sich von Vettel wieder absetzen.

Vettel fährt Attacke gegen Webber

Der Aufreger des Rennens sollte 18 Runden später erfolgen. Nach einem Boxenstop kam Webber kurz vor Vettel wieder auf die Strecke, doch die Reifen des Deutschen waren im Gegensatz zu denen des Australiers bereits auf Temperatur, so dass Vettel den Angriff wagte.

Immer wieder attackierte der Weltmeister seinen Teamkollegen und verursachte dabei beinahe eine Kollision - und das, obwohl es eine klare Order gab, dass keine Attacke gefahren soll. "Das ist dumm, Seb, komm schon!", funkte Teamchef Christian Horner, und auch Renningenieur Guillaume Rocquelin ermahnte seinen Schützling: "Das ist dumm, das ist dumm!". Chefdesigner Adrian Newey schrie: "Sei nicht verrückt". Doch Vettel hörte nicht, reizte die Grenzen aus, fuhr Kampflinie und überholte Webber letztlich nach hartem Fight.

"Das war ein ganz enger Kampf, Rad an Rad. Da hatten wir beide nicht viel Platz", sagte Vettel später zu seinem Überholmanöver. Der Rest des Rennens war für den neuen Führenden der Fahrerwertung nur noch Formsache, der 27. Karrieresieg knapp eine Viertelstunde später eingetütet.

Webber stocksauer

Doch die erste Freude sollte nur kurz währen. Vor und bei der Siegerehrung würdigte Webber den Tagessieger keines Blickes. Solch eine schlechte Stimmung auf dem Podium gab es nicht einmal 2005 beim Skandalrennen von Indianapolis, als Michael Schumacher bei gerade einmal sechs gestarteten Fahrern vor Rubens Barrichello gewann, aber zumindest Tiago Monteiro über seinen dritten Platz jubelte.

Vettel, dem sein Fehlverhalten immer bewusster wurde, zeigte sich - nach der vom Team auch nach außen getragenen Kritik - reumütig und entschuldigte sich bei Webber: "Ich habe einen Fehler gemacht und möchte mich entschuldigen. Ich sehe, Mark ist sauer. Er wollte das Auto und die Reifen schonen, ich hätte meinen Platz halten sollen. Ich bin ein großes Risiko eingegangen, um ihn zu überholen." Horner ging mit seinem Schützling ungewohnt hart ins Gericht: "Wir wollten es zu dem Zeitpunkt nach Hause fahren. Heute war der Wunsch des Fahrers größer als der Teamgeist. Das werden wir sicher noch diskutieren."

Webbers Seitenhieb gegen Vettel und Red Bull

Äußerst professionell verhielt sich hingegen Webber, der seine Enttäuschung nur mimisch und nicht verbal nach außen trug: "Ich hatte das Rennen unter Kontrolle", erklärt der Australier auf der Pressekonferenz. "Nach dem letzten Stop gab mir das Team zu verstehen, dass das Rennen gelaufen wäre. Wir sollten Motorleistung wegnehmen und das Rennen zu Ende fahren. Wir besprechen jedes Mal vor dem Rennen, auf die Reifen Acht zu geben und das Auto ins Ziel zu bringen.“

Einen Seitenhieb hatte Webber dennoch parat, und der war nicht nur gegen Vettel gerichtet: "Letztendlich traf Seb heute seine eigenen Entscheidungen und erhielt dafür wie üblich Unterstützung. So läuft es halt..."

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