Grand Prix Brasilien - Vettel hat den Titel

Nach einer an Dramatik kaum zu überbietenden Nervenschlacht hat Sebastian Vettel den Titel-Hattrick vollendet und steht damit in einer Reihe mit den Formel-1-Ikonen Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher. Dem Red-Bull-Piloten reichte beim verrückten Saisonfinale in Brasilien mit einem Unfall direkt nach dem Start, vier Boxenstopps und einer Zieleinfahrt hinter dem Safety Car ein sechster Platz.

Damit rettete er vom mitgebrachten Vorsprung von 13 Punkten drei Zähler Vorsprung ins Ziel.

Seinem WM-Rivalen Fernando Alonso (Ferrari) genügte der zweite Platz im Reifenpoker bei ständig wechselnden Witterungsbedingungen mit starkem Regen zum Schluss nicht. "Sebastian, du bist Dreifach-Weltmeister, Du bis der Beste", rief das Team dem alten und neuen Champion via Boxenfunk zu.

In einem der dramatischsten Rennen aller Zeiten war der virtuelle Weltmeister mehrfach zwischen Vettel und Alonso hin und her gewechselt. Vor Vettel hatten nur Fangio (1954-57) und Rekordweltmeister Schumacher (2000-04), der am Sonntag mit einem mehr als versöhnlichen siebten Platz zum zweiten Mal und diesmal endgültig seine Karriere beendete, mindestens drei Mal in Folge den Titel geholt.

Glücksbringer unterstützt Vettel

Vettel, dem ein neuer gold-silbernen Glückshelm und ein Trikot seines Lieblings-Fußballvereins Eintracht Frankfurt von Torjäger Alex Meier als Glücksbringer dienten, ist zudem nicht nur der jüngste dreimalige Weltmeister überhaupt, er ist bei seinem dritten Triumph mit 25 Jahren und 4 Monaten nun sogar jünger als Schumacher bei seinem ersten von sieben Titeln im Jahr 1994 (25 Jahre, 10 Monate).

Der künftige Sauber-Pilot Nico Hülkenberg überraschte beim Sieg des Briten Jenson Button (McLaren) in seinem letzten Rennen für Force India mit Platz fünf und krönte mit 30 Führungsrunden seine tolle Saison. Nico Rosberg belegte im Mercedes Rang 15, Marussia-Pilot Timo Glock wurde 16.. Rekordchampion Schumacher wurde würdig verabschiedet und erhält sogar das Auto aus dem letzten Rennen als Geschenk von Mercedes.

Seinen Triumph feierte Vettel am Sonntagabend im Club Villa Mix in São Paulo mit seinem gesamten Team. Nachdem er in der Vorwoche mit Red Bull auch schon zum dritten Mal in Serie die Teamwertung gewonnen hatte, hatte Vettel auch 100 Minuten vor dem Start schon seinen ersten individuellen Pokal bekommen. Ein Sponsor ehrte ihn für die meisten schnellsten Rennrunden in diesem Jahr. Nach 6 Bestzeiten in den vorherigen 19 Rennen war er in dieser Kategorie schon vor dem letzten Lauf nicht mehr zu verdrängen. Im Vorjahr hatte diesen noch Teamkollege Mark Webber für insgesamt sieben schnellste Runden erhalten.

Schlechter Start für Vettel

Vor dem Start wirkte Vettel angespannt, aber konzentriert. Er tigerte um sein Auto herum, zupfte sich immer wieder den Rennanzug zurecht und zog akribisch die Klebestreifen an seinem nagelneuen Helm zurecht. Nachdem er schon einen schlechten Start gehabt hatte, wurde der Titelverteidiger in der dritten Kurve in eine Kollision mit Bruno Senna verwickelt und drehte sich. Das Rennen nahm er wieder auf, allerdings meldete er per Funk einen Schaden am Auto.

Alonso erobert mit einem sensationellen Manöver auf der Zielgerade am Ende der ersten Runde Rang drei - damit wäre er zu diesem Zeitpunkt Weltmeister gewesen. Vettel startete hinten tapfer die Aufholjagd und war nach sechs Runden schon Elfter, nach neun Runden Sechster. Zwischendurch war Alonso gleich zwei Mal von der Strecke abgekommen und hatte den wichtigen dritten Platz verloren. Vettel war virtuell wieder vorne.

Nach elf Runden fuhren beide in die Box und holten sich Intermediates. Vettel kam als 17. wieder auf die Strecke, Alonso als Zwölfter. Beide pflügten sich jedoch weiter durchs Feld. Drei Umläufe nach dem Stopp belegten sie schon die Plätze vier und acht, das hätte Vettel gereicht. Vor allem als er kurz darauf mit nur 2,4 Sekunden hinter seinem Rivalen Fünfter war.

Derweil fuhr Hülkenberg vorne ein grandioses Rennen. Nach 18 Runden überholte er den bis dahin führenden Button. Am Ort seiner Sensations-Pole vor zwei Jahren führte er plötzlich das Rennen an. Während "Hülk" und Button ewig mit dem ersten Satz Reifen fuhren, wechselte der Rest des Feldes schnell ein zweites Mal. Diesmal nach nachlassendem Regen wieder von den Intermediates auf die Trockenreifen. Alonso legte in der 19. Runde vor, wodurch Vettel erstmals seit dem Start wieder vorne lag. Der Hesse wurde jedoch eine Runde später von seinem Team in die Box gerufen und wechselte ebenfalls. Wieder lagen die Rivalen auf den Plätzen vier und fünf.

Safety-Car bremst Feld zusammen

In Runde 23 wurde plötzlich für sieben Runden das Safety-Car auf die Strecke beordert, es lagen doch zu viele Teile auf der Strecke. Der riesige Vorsprung von Hülkenberg und Button von fast 50 Sekunden auf Platz drei war dahin. Nach dem Neustart hatte Vettel zu kämpfen und ließ sich auf keine gefährlichen Zweikämpfe ein. So war er bald Siebter, Alonso blieb Vierter mit Teamkollege Felipe Massa als Absicherung direkt hinter sich, Hülkenberg weiter vorne. "Ich weiß nicht, ob ich mit den Reifen durchhalte", funkte er. Sein Team antwortete: "Weiter, Junge!" Ein Rutscher in Runde 48 bedeutete das Ende der Führung, Hamilton zog vorbei. Nach "Hülks" Konter kollidierten die beiden, Hamilton schied aus, der Deutsche erhielt eine Durchfahrtsstrafe.

Vettel holte 18 Runden vor Schluss weichere Reifen und beging einen großen Fehler. Drei Runden später holte er Intermediates und überraschte damit das Team, das die Reifen erst auspacken musste. Der Wechsel dauerte lange. Alonso war zwischenzeitlich Dritter und wieder virtuell vorne, holte dann aber selbst frische Reifen. Derweil arbeitete sich Vettel wieder heran - und dann wurde der Regen immer stärker.

Interessant zudem: Alonso fuhr nun direkt hinter Teamkollege Massa und vor Vettels Stallrivale Webber, Vettel direkt hinter Kumpel Schumacher. Neun Runden vor Ende vollzog Ferrari den internen Platztausch, Vettel blieb nun noch ein einziger Punkt Vorsprung - zwei mehr verschaffte ihm das Überholmanöver gegen Schumacher. Eine Runde vor dem geplanten Ende verursachte Paul di Resta im Force India noch eine Safety-Car-Phase.

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