Grand Prix Brasilien - Schumacher: Abschied ohne Emotionen

Vor sechs Jahren hat Michael Schumacher die F1-Bühne zum ersten Mal verlassen. Dieses Mal rechnet der Rekordweltmeister mit einem weitaus weniger emotionalen Abschied. Im Schatten des mit Spannung erwarteten Endspurts um den WM-Titel zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso wird Schumis zweiter Rücktritt keine Schlagzeilen produzieren. Zumal der siebenfache Champion bei Mercedes scheiterte.

Die Bilanz des 43-jährigen Kerpeners liest sich erschreckend. Seit seinem Comeback 2010 bei den Silberpfeilen stand Schumacher in 57 Rennen nur einmal auf dem Podest.

In der dritten Saison für Mercedes steuerte er seinen F1-Boliden beim Großen Preis von Europa auf Platz drei - zum ersten und letzten Mal nach seinem Comeback. 2006 kämpfte Schumacher in Brasilien rein rechnerisch noch um die WM. Dieses Mal reist der beste Fahrer der vergangenen 20 Jahre abgeschlagen als WM-15. nach Südamerika.

Schumi ein Schatten seiner selbst

"Interlagos ist ein runder Abschluss für meine Karriere, denn dort wurzelt viel von der Faszination der Formel 1. Ich freue mich immer über die Begeisterung der Fans dort", erklärte der siebenfache Champion auf seiner Homepage. "Es ist einfach eine tolle Strecke, die viele Geschichten mit sich bringt und immer für spektakuläre Rennen gut ist."

Nach 308 Rennen wird Schumacher seine einzigartige Karriere für immer beenden. Von der Formel 1 hat der Rheinländer endgültig genug. Nicht nur, weil Mercedes GP gemeinsam mit Teamchef Ross Brawn ihm zu keiner Zeit einen konkurrenzfähigen Untersatz bieten konnten, sondern weil Schumi schon lange ein Schatten seiner selbst ist.

Vom einstigen Racer, der ein Auto besser machen konnte, sind nur noch Fragmente geblieben. Seine Fans lieben ihn dennoch und die vergangenen drei Jahre werden seinem Status in den Formel-1-Geschichtsbüchern keinen Abbruch tun. Dennoch bleibt ein Beigeschmack und die Frage, warum sich Schumi das Comeback antun musste.

"Traumhafte Jahre in der Formel 1"

"Der Abschied von der Formel 1 wird diesmal für mich wahrscheinlich weniger emotional sein als in 2006, weil wir damals noch im WM-Kampf steckten und alles dadurch viel intensiver war. Diesmal werde ich den Abschied dafür bewusster wahrnehmen und hoffentlich auch genießen können", so Schumacher vor seinem letzten Rennen in Brasilien.

"Ich habe traumhafte Jahre in der Formel 1 erlebt und viel Unterstützung von Fans weltweit erhalten – dafür möchte ich mich auch auf diesem Weg ausdrücklich bedanken. Am liebsten wäre mir natürlich, wenn ich mich mit einem schönen Rennen von ihnen verabschieden könnte. Ich bin sicher, das wir alle gemeinsam dafür tun werden, was wir können."

Viel wird es nicht sein, denn die Silberpfeile sind der Konkurrenz gnadenlos unterlegen. Wie gesagt, der 91-malige Grand-Prix-Sieger wird seinen Hut nehmen - aber das Duell zwischen Vettel und Alonso überstrahlt alles.

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