Gold-Hamster mit Glück und Glanz

Es gab kein Halten mehr. Um 21:24 Uhr stürmten die Auswechselspieler den Platz der Riverbank Arena, Deutschland hatte den Olympia-Titel verteidigt. Die Schläger lagen achtlos über das Feld verstreut, das Team von Bundestrainer Markus Weise sich in den Armen. Die Gold-Mission war vollendet.

In der zugig kalten Riverbank Arena herrschte Volksfeststimmung. Die zahlenmäßig überlegenen niederländischen Anhänger boten eine Musik-Kapelle auf, die deutsche Auswahl wurde prominent von deutschen Athleten wie Diskus-Olympiasieger Robert Harting angefeuert.

"Deutliche Worte "helfen weiter

Die DHB-Auswahl ging gewarnt ins Finale. "Die Trainer haben sehr deutliche Worte gefunden", verriet Florian Fuchs und spielte damit auf die 1:3-Niederlage gegen "Oranje" in der Gruppenphase an. "Dieses Spiel haben wir sehr selbstkritisch analysiert. Wir wussten genau, dass wir besser spielen können", so der 20-Jährige.

Die rund 16.000 Zuschauer in der Arena sahen ein kampfbetontes Endspiel, große Torchancen waren eher selten. "Es war uns klar, dass es ein Kampf werden würde", betonte Fuchs. "Deshalb hat sich auch jeder voll reingehauen." Deutschland hat die richtigen Schlüsse gezogen aus der Vorrunden-Pleite gegen den Olympiasieger von 1996 und 2000. "Vor allem das Aufbauspiel war hervorragend. Wir haben das so aufgezogen, dass die Niederländer keinen Zugriff bekamen und ihr Pressing nicht spielen konnten", erläuterte Philip Zeller.

"Das hat Rabbi doch super gemacht"

Und auch mit dem deutschen Matchwinner, der beide Treffer zum 2:1-Sieg erzielte, dürften die Niederländer nicht unbedingt gerechnet haben. Die eigentliche Aufgabe von Jan-Philipp Rabente besteht in der defensiven Absicherung, doch im Endspiel überraschte der Essener alle, die eigenen Teamkollegen eingeschlossen.

"Ein Jahrhundert-Tor. Ich wusste gar nicht, dass der Jan-Philipp so etwas drauf hat", staunte Zeller über den ersten Treffer, den Rabente nach einer feinen Einzelleistung erzielte. "Aber am Ende ist es völlig egal, wer bei uns die Buden macht", so Zeller weiter.

Weise sprach von einem "grandioses Kampfspiel" seiner Mannschaft. " Natürlich gab es auch kritische Phasen, zum Beispiel als wir den Ausgleich kassiert haben, aber die Jungs haben danach sofort wieder nach vorn gearbeitet und sich belohnt", so der 51-Jährige. "Dass es im Finale Jan-Philipp Rabente war, der mit zwei Toren das Spiel für uns entscheidet", sei allerdings kein Zufall. "Es war die klare Forderung, dass sich alle Spieler mit vollem Einsatz einbringen. Und das hat Rabbi doch super gemacht", lobte der Bundestrainer.

Erst Frust, dann Freude bei Holland

Die Niederländer sanken nach dem Schlusspfiff enttäuscht zu Boden, die Goldmedaille war in Reichweite. Doch Coach Paul van Ass richtete seine Spieler wieder auf. Während 50 Meter weiter die deutschen Cracks mit den Fans ausgelassen feierten, bildeten die Niederländer einen Kreis.

Van Ass stand in der Mitte und hielt eine Ansprache, danach ging auch "Oranje" auf eine Ehrenrunde. Es war eine tolle Aktion im Angesicht der Niederlage. Als es später zur Siegerehrung ging, war deutlich zu erkennen, dass die Holländer die Silbermedaille inzwischen als Gewinn betrachteten.

Die deutschen Olympiasieger mussten sich derweil in Geduld üben. Die Siegerehrung hatte die gefühlte Länge eines ganzen Spiels. Zunächst bekamen die drittplatzierten australischen Spieler ihre Medaillen und ihre Blumensträuße, danach folgten die Niederländer - ehe dann endlich auch die Turniersieger ihre Medaillen in Empfang nehmen durften.

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