Champions League - Großer Schritt auf steinigem Weg

Es lief wieder alles glatt in London. Doch nach dem Sieg gegen Arsenal ist klar: Für die Titelverteidigung muss der FC Bayern erneut an seine Grenzen gehen.

Aus London berichtet Daniel Rathjen (Twitter: @DanielRathjen)

Die Männer des Abends waren bester Laune.

Ein stetes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, als Toni Kroos und Keeper Manuel Neuer in der Londoner Nacht - zwischen Dusche und Bankett im Teamhotel - auf das spektakuläre Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Arsenal zurückblickten.

Kroos war es, der den FC Bayern beim letztlich souveränen 2:0 mit seinem traumhaften Treffer in Führung geschossen hatte; Neuer glänzte mit Paraden und einem gehaltenen Elfmeter gegen Mesut Özil.

Sie trugen ihre Mannschaft am Mittwochabend zum beachtlichen Erfolg. "Nachdem wir drin waren, haben wir das sehr gut gespielt. Mit einem Mann mehr haben wir gar nichts mehr zugelassen. Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte", resümierte Kroos bescheiden. Auch Neuer wollte sich selbst nicht so sehr in den Vordergrund rücken: "Klar, das waren wichtige Szenen am Anfang. Dadurch wurden wir wachgerüttelt."

Ausgangslage jetzt nahezu perfekt

Auch wenn die Ausgangslage für das Rückspiel am 11. März in der Allianz Arena nahezu perfekt ist, es hätte dieses Mal in London auch daneben gehen können. Die Gunners machten gerade zu Beginn ordentlich Druck und zeigten eine ungewohnte Anfälligkeit der Bayern auf.

Die Abstände bei den Gästen stimmten nicht. Das Risiko, das Trainer Pep Guardiola eingegangen war, indem er das komplette Zentrum umbaute, war unnötig groß. Mit Javi Martínez anstelle von Philipp Lahm auf der strategisch wichtigsten Position, der "6", lief es zunächst nicht rund. Die Formation mit Martínez, Thiago und Kroos in der Zentrale hatte zuvor noch nie zusammen gespielt. Dass es mit Lahm im defensiven Mittelfeld im zweiten Abschnitt sehr viel besser wurde, ist ein deutliches Zeichen für die Zukunft. Aus dem Zentrum ist er eigentlich nicht mehr wegzudenken.

Özil scheiterte jedoch mit seinem zu lässig getretenen Strafstoß an Neuer und verschwand danach wortlos aus dem Emirates-Stadion. Neuer, sein alter Kumpel aus Schalker Zeiten, beschrieb die Szene so: "Wichtig bei ihm ist abzuwarten. Ich weiß, dass er sich gerne Zeit lässt. Ich hatte gedacht, dass er in die linke Ecke schießt und bin da auch hingegangen. Gut war auch, dass ich noch etwas länger gewartet habe und so die Option hatte, noch in der Mitte einzugreifen."

Guardiola lobte: "Der beste Torhüter der Welt hat seine Qualitäten gezeigt."

Knacks für Pechvogel Özil

Der vergebene Elfer verpasste Özil und dessen Teamkollegen einen Knacks. Als dann auch noch Torwart Wojciech Szczesny nach einem Foul an Arjen Robben Rot sah (40.), waren die Münchner endgültig am Drücker und konnten ihr gewohntes Kombinationsspiel aufziehen. Arsenal-Coach Arsène Wenger ließ seinem Ärger darüber freien Lauf. "Ich bin frustiert. Es war so ein gutes Spiel bis zur Pause. Danach, wegen dieser Entscheidung, war es ein mieses Spiel." Er fand den Platzverweis, den Niccola Rizzoli regelkonform aussprach, unnötig. "Unser Keeper hat Robben getroffen, das ja. Aber Rot? Der Schiedsrichter hat das Spiel gekillt."

Doch allein die Anfangsphase hat gezeigt: Bis zur ersehnten Titelverteidigung in der Königsklasse ist es noch ein weiter Weg. Der Rekordmeister wird erneut bis an seine Grenzen gehen müssen, um den Henkelpott wieder auf dem Marienplatz in die Höhe stemmen zu können.

"Ohne Ballbesitz kann man nicht gut spielen. Das ist in den ersten 15 Minuten geschehen. Da haben wir den Ball schnell weggegeben gegen eine sehr gute Mannschaft", wusste Guardiola.

Lahm gab sich in seinem Fazit ebenfalls selbstkritisch: "Man hat gesehen: Wenn man ein bisschen nachlässt, wenn man nicht hinten rausspielen will, wird es schwierig gegen eine Mannschaft, die sehr aggressiv und technisch stark ist."

Kroos bringt es auf den Punkt

Für Rummenigge war am Ende nur bedeutend, dass der FC Bayern "einen großen Schritt in Richtung Viertelfinale" gemacht habe, wie er in seiner Bankettrede hervorhob.

Neuer und Kroos schmunzelten und freuten sich zu diesem Zeitpunkt immer noch.

Kroos lieferte dann auch noch den Satz, der die Erkenntnis der Reise nach London auf den Punkt brachte: "Große Spieler sieht man immer in großen Spielen - und am Mittwoch war so eines."

Es war die Antwort auf die Frage, wie er die Leistung von Neuer beurteile. Die Bedeutung trifft allerdings genauso auf ihn zu.

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