Formel 1 - Wolff tritt seinen Mercedes-Dienst an

Während sich der halbe Formel-1-Zirkus kurz vor Beginn der Wintertests beim traditionellen Skirennen in Kitzbühel eine letzte Auszeit gönnte, verbrachte Neo-Mercedes-Sportchef Toto Wolff das Wochenende zwar auch in Österreich, aber knapp vier Autostunden weiter östlich in Wien. "Ich bin in den letzten Wochen so viel unterwegs gewesen", erklärt der 41-Jährige im Interview mit dem 'ORF'.

Deshalb habe ich mich auf ein Wochenende in Wien, in meiner Heimatstadt, gefreut. Mit meinen Kindern war ich beim Eislaufen.

Ab morgen beginnt dann der Ernst des Lebens bei seinem neuen Arbeitgeber: "Seine Arbeit beginnt am kommenden Montag. Da sind wir beide drüben in England und werden gemeinsam ganz konsequent versuchen, die Probleme dort zu lösen", berichtet Niki Lauda, als Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams in der Befehlshierarchie Vorgesetzter von Wolff.

Lauda ist oberster Chef auf Stuttgarter Seite des Formel-1-Projekts, hat aber keine operative Funktion und wird daher auch nicht permanent in der Fabrik in Brackley sein.

"Die Engländer haben den Motorsport erfunden"

Wolff schon: "Es ist wichtig, dass man vor Ort jemanden hat, der die englische Mentalität versteht, der da gewisse Erfahrung hat", so Laudas neuer Kollege, der "mit gewissem Sarkasmus" festhält, dass "die Engländer natürlich den Motorsport erfunden" haben:

"Die haben schon viel Know-how, aber ich glaube, es ist wichtig, dass man die Mentalität versteht. Ein Engländer würde nie sagen, dass er einem Thema widerspricht. Er sagt nur: 'I wouldn't disagree.' Das ist eine sehr diplomatische Ausdrucksweise, die wir in Österreich nicht so haben - wir sind da wesentlich direkter. Und ich glaube, da verlangt es eine gewisse Sensibilität."

Zudem ist er ein intimer Kenner der Marke Mercedes, unter anderem als jahrelanger Geschäftspartner von AMG- und HWA-Gründer Hans-Werner Aufrecht:

"Ich kenne natürlich Mercedes seit vielen Jahren aufgrund des Engagements mit Mercedes, deswegen passt das gut. Aber ich würde diese Vorschusslorbeeren gerne ein bisschen dämpfen. Ich habe noch nicht mal einen einzigen Tag richtig gearbeitet, beginne am Montag. Jetzt geht's darum, dass wir unsere Arbeit richtig machen und Erfolge abliefern. Das wird wichtig sein."

"Zu Hause reden wir über Motorsport"

"Schwierig" gestaltet sich neuerdings sein Verhältnis zu Ehefrau Susie, die weiterhin Entwicklungsfahrerin bei Williams ist, also jenem Team, an dem Wolff weiterhin Anteile hält.

Durch diesen Interessenkonflikt innerhalb der Familie kommt es naturgemäß zu ungewohnten Situationen: "Sie kam vor zehn Tagen von einem Aerodynamik-Test zurück und ich habe meine normale Frage gestellt: 'Wie war dein Tag?' Die Antwort war: 'Ich bin mir nicht sicher, dass ich mit dir darüber sprechen kann.'"

"Wir lachen natürlich darüber", will der neue Mercedes-Sportchef dieses Thema nicht überbewertet wissen und ergänzt: "Unser Thema ist Motorsport zu Hause. Das wird jetzt im Detail nicht mehr so diskutiert, aber ich freue mich sehr über ihre Rolle. Sie ist sehr stark eingebunden in die Entwicklung des neuen Fahrzeuges.

Wir haben jetzt einen gemeinsamen Standort, der ist Oxford. Sie fährt 20 Minuten in den Süden, zu Williams, und ich fahre 20 Minuten in den Norden, zu Mercedes. Es ergibt sich gut."

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