Formel 1 - Nur das Lächeln ist ihr geblieben

Zehn Monate ist es her, dass die Testfahrerin Maria de Villota bei einem Testrennen im Formel-1-Auto schwer verunglückte. Sie verlor ihr rechtes Auge, wurde mit 140 Stichen im Gesicht genäht. Vor dem Rennen in Barcelona sprach sie in einem emotionalen Interview über ihre Schmerzen und den ersten Blick in den Spiegel.

Der 3. Juli 2012 veränderte das Leben von Maria de Villota - mit ihrem Formel-1-Boliden rauschte die heute 33-jährige Spanierin zum Ende eines Testlaufs frontal in einen Service-Truck.

Dabei erlitt sie lebensbedrohliche Kopf-Verletzungen und schwere Gesichtsverletzungen. Am Wochenende zeigte sie sich in Barcelona erstmals wieder an einer Rennstrecke und sprach mit der "Bild" über ihr Schicksal.

Maria de Villota über...

Das Gefühl, wieder ein Rennen zu sehen:

"Ich habe die letzten Wochen nicht gut geschlafen. Es ist nur zehn Monate her. Aber ich bin nervös und aufgeregt wie ein Kind, wenn etwas Großes, etwas ganz Aufregendes bevorsteht. Dabei habe ich mein erstes Leben im Motorsport verbracht."

Den Unfall:

Ich kann mich an alles erinnern, an jede einzelne Stunde. Ich habe Albträume von dem Unfall. Aber damit muss ich wohl versuchen umzugehen. Ich habe mein ganzes Leben auf den Tag hingearbeitet, endlich einmal in einem Formel-1-Auto zu sitzen. Und ich hab das geschafft, ich war Testfahrerin! Das will ich auf keinen Fall vergessen!

Die Zeit im Krankenhaus:

Es gab eine Situation im Krankenhaus, kurz nach dem Unfall. Da war ich ungerecht zu dem Arzt, der mir erklären musste, dass sie mein Auge verloren, aber mein Leben gerettet haben. Ich wurde plötzlich so wütend und wollte, dass er mir das bitteschön erklärt, wie sie einfach mein Auge aufgeben konnten. Es dauerte einige Minuten, zu verstehen, dass dieser Arzt mein Leben gerettet hatte. Und ich beschwere mich bei ihm über mein Auge.

Den ersten Blick in den Spiegel:

Ich war geschockt. Ich war nicht darauf vorbereitet, dass es so schlimm aussehen würde. Ich hatte mehr als 140 Stiche im Gesicht. Alles war geschwollen, vernarbt. Ich habe nur gedacht: Wer will mich denn so noch lieben? Dabei habe ich auch an meinen Freund Rodrigo gedacht, mit dem ich damals gerade ein Jahr lang zusammen war.

Die Folgen des Unfalls:

Ich habe ständig schlimme Kopfschmerzen, vor allem, wenn ich unter Druck stehe oder Stress habe. Die Ärzte sagen, das sei normal, weil das Gehirn noch immer abheilt. Außerdem ist meine rechte Augenhöhle von innen noch komplett zerstört. Knochensalat. Da kann man leider nichts mehr machen.

Riechen geht gar nicht mehr. Das ist hart beim Duschen. Wenn ich mich einseife, rieche ich den Duft der Seife nicht und fühle mich danach immer noch schmutzig. Schmecken kann ich aber noch ein bisschen. Aber nur sehr intensive Sachen. Statt Joghurteis esse ich heute zum Beispiel Schokoladeneis, weil Joghurt für mich wie ein Schneeball schmeckt. Ich vermisse den Geschmack von Meeresluft. Und den Geruch meines Freundes.

Das alte Leben:

"Das Leben von Maria, der Rennfahrerin. Ich vermisse diese Maria, dieses Leben. Und ich hatte Angst vor den Gefühlen, die mich überkommen, wenn ich wieder in Leben eins hineinschaue. Würde ich weinen, wenn ich vor einem Formel-1-Auto stehe? Aber es kamen keine Tränen."

Das neue Leben:

Ich bin stark. Und ich bin stolz auf mich, dass ich hier auf zwei Beinen und erhobenen Hauptes durchgehen kann. Ich hatte eine echt harte Zeit. Wenn Sie solche Schmerzen hatten wie ich, dann tut ein schiefer Blick nicht mehr weh. Ich sehe es als zweite Chance, die ich geschenkt bekommen habe. Das ist eine neue Maria mit neuen Werten und anderen Ansichten im Leben. Ich unterscheide mehr zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen.

Ihr Lächeln:

Das konnte mir der Unfall nicht wegnehmen. Ich sitze nicht in der Ecke und weine. Das wäre nicht ich. Ich habe seit dem Unfall nur zweimal wirklich geweint. Einmal, als der Arzt mir sagte, dass ich mein Auge verloren habe. Und das zweite Mal, als ich nach zwei Monaten im Krankenhaus zurück in mein Haus nach Madrid kam. Aus purem Glück.

Kosmetik und Tricks:

Ich versuche mich zu pflegen, meine Narben im Gesicht regelmäßig einzucremen. Ich schminke meine Lippen rot, lackiere meine Fingernägel. Ich will auch mit einem Auge schön sein.

Ich trickse, wo ich kann! Mit der Kordel meiner Augenklappe verdecke ich eine große Narbe auf der linken Stirn. Dann habe ich diese lange an der Nase bis zum rechten Mundwinkel. Dafür habe ich ein spezielles Make-up bekommen, das stark abdeckt und zusätzlich noch UV-Schutz hat. Sonne ist nämlich nicht gut für Narben! Über die Narbe am Hals klebe ich meistens ein hautfarbenes Pflaster.

Die Augenklappe:

Mein Fashion-Accessoire! Ich habe zwölf oder 13. Ich lasse sie von einer Freundin nähen, wenn ich schönen Stoff in einem Laden entdecke. Vielleicht wird das ja ein neuer Trend!

Ihr Freund Rodrigo Garcia Millan (Foto unten) hat sie nicht verlassen und ist immer noch bei ihr.

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