Formel 1 - Mateschitz brachte Vettel kein Glück

Helmut Marko hat Einblicke in sein Verhältnis zu Dietrich Mateschitz gegeben und erklärt welchen Einfluss der scheue Red-Bull-Chef auf das Team hat. Beide sind fast gleich alt, stammen aus der Steiermark und treffen beim Formel-1-Team von Red Bull die strategischen Entscheidungen: Beide sind mitverantwortlich dafür, dass sich der Rennstall in den letzten drei Jahren den Titel sichern konnte.

Auch wenn Christian Horner auf dem Papier der Teamchef ist, so steht der smarte Brite in der Hierarchie klar unter Mateschitz und Marko und hat die Aufgabe, die Truppe in Milton Keynes auf die Red-Bull-Linie einzuschwören, die von oben vorgegeben wird.

An der britischen Mentalität scheiterte einst Niki Lauda als Jaguar-Teamchef, doch die Red-Bull-Struktur greift perfekt ineinander und lässt kaum Spannungen aufkommen, was angesichts des Stolzes der Inselbewohner wegen ihrer enormen Motorsporttradition durchaus eine Herausforderung darstellen kann.

Markos Aufgabe ist es, in der Motorsportwelt von Red Bull den Überblick zu bewahren und die Weichen richtig zu stellen. "Zum Unterschied von allen anderen kann ich mich auf das Gesamtbild konzentrieren", spricht der ehemalige Le-Mans-Sieger, der in den 1990er-Jahren Formel-3000-Teamchef war, über seine Rolle bei Red Bull.

Gemeinsamer Freund schafft Verbindung

Doch wie kam es eigentlich zur Seilschaft Mateschitz-Marko, die heute das Red-Bull-Motorsportprogramm prägt? Ende der 1990er-Jahre dockte ein gewisser Markus Friesacher - ein gelernter Gastronom - bei Markos Rennstall an. Dem Salzburger fehlte es zwar an jeglichem Talent, aber er war eng befreundet mit dem Red-Bull-Boss und erhielt so den Zuschlag, ohne sich für ein einziges Rennen qualifizieren zu können. Und so wurde der aufstrebende österreichische Konzern Sponsor bei Markos Team - die Idee des Red-Bull-Juniorteams war geboren und Marko, der als Manager und Talenteförderer schon Piloten wie Gerhard Berger in die Formel 1 gebracht hatte, wurde Mateschitz' Vertrauensmann.

Zunächst musste Marko Kritik einstecken, weil das Juniorteam nicht so recht in die Gänge kommen wollte und auch das Formel-1-Team trotz Stardesigner Adrian Newey schwächelte - viele hatten den Eindruck, dass der Grazer durch seine Freundschaft mit Mateschitz bei Red Bull Narrenfreiheit genoss und keine Konsequenzen für den mangelnden Erfolg befürchten musste, doch mit Sebastian Vettel platzte schließlich der Knoten und die Österreicher setzten zum Höhenflug an.

"Wir denken in etwa gleich"

Nach dem ersten Red-Bull-Triumph 2009 in Schanghai beschrieb Marko gegenüber der "SportWoche" das Verhältnis zu Mateschitz: "Wir sind in etwa gleich alt, denken gleich. Das bedeutet aber nicht, dass ich meinen Job nicht ordentlich machen muss. Ich bekomme das schon zu spüren." Doch wie sehr mischt sich der Chef in die Geschicke des Rennstalls ein? "Wenn ich ihm zu bestimmten Zeiten sage, dass es hilfreich wäre, wenn er da oder dort auftaucht, dann ist er dafür zu haben", beschreibt Marko gegenüber 'Red Bulletin' die Rolle des Red-Bull-Bosses als eher passiv.

Er sieht Mateschitz eher als Persönlichkeit, die das Team dazu motivieren kann, das Letzte aus sich herauszuholen: "Es kann schon ein Besuch im Werk einen Motivationsschub bewirken. Oder der Besuch einer Rennstrecke. Er ist ja auf der Motivationsseite eh der Allerbeste, der genau weiß, wie man das macht."

2012 brachte er dem Red-Bull-Rennstall allerdings trotz seiner Fähigkeiten als Motivator kein Glück. Bei seinen zwei Formel-1-Besuchen bei den Rennen in Barcelona und Monza war Sebastian Vettels sechster Platz in Spanien das einzige zählbare Resultat, sonst verzeichnete Red Bull nur Ausfälle. "Er hat dann gemeint, es sei besser, wenn er nicht mehr käme", erzählt Marko. "Ich will nicht sagen, dass er abergläubisch ist, sagen wir eher so: Er ist ein sehr spiritueller Mensch."

Mateschitz als treibende Kraft

Obwohl er sich selten bei den Rennen blicken lässt, gilt Mateschitz als großer Motorsport-Enthusiast, der in jungen Jahren als Fan regelmäßig die Formel-1-Rennen auf dem Österreichring besucht hat. Die Begeisterung ist bis heute geblieben, verrät Marko: "Ich weiß, dass Didi am Fernseher irrsinnig mitfiebert, mitzittert und auch ein sehr gutes Know-how darüber hat, was Glück bei Rennen ist und was nicht - wie schaut's mit einer Performance über drei Rennen aus und dergleichen."

Auch wenn es nicht läuft, gibt es selten ein Donnerwetter, dann sei er "eher für uns aufrichtend. Er donnert dann nicht hinein, sondern sagt: "Das wird schon!". Nicht: "Ihr müsst!", sondern: "Das Glück ist ein Vogerl", oder solche Sprüche, die dann eher aufbauend und aufmunternd sind."

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