Fiasko für Schöneborn, Litauerin jubelt

Während Peking-Olympiasiegerin Lena Schöneborn im Modernen Fünfkampf nur auf einen enttäuschenden 15. Rang lief, feierte Laura Asadauskaite den Olympiasieg. Die Litauerin sicherte sich die Goldmedaille vor der Britin Samantha Murray und Yane Marques aus Brasilien. Debütantin Annika Schleu wurde 26.

Ziemlich aufgelöst und total frustriert rannte Lena Schöneborn durch das Ziel im Greenwich Park. Der Absturz von Gold in Peking auf Platz 15 in London traf Deutschlands beste Moderne Fünfkämpferin mit voller Wucht. "Nichts lief so, wie es laufen sollte", haderte Deutschlands Medaillenhoffnung nach dem letzten Wettbewerb der Olympischen Spiele tief enttäuscht über einen Sonntag voller Pleiten, Pech und Pannen.

Die Tränen flossen bei der Olympiasiegerin von 2008 bereits vor dem abschließenden Geländelauf mit drei Schießeinlagen, in dem sich Laura Asadauskaite aus Litauen die Goldmedaille vor der Britin Samantha Murray und Yane Marques aus Brasilien sicherte. Ein völlig missglückter Ritt auf dem jungen Wallach Zidane mit einer Verweigerung, zwei Abwürfen und insgesamt 148 Strafpunkten hatten Schöneborn zuvor die letzten vagen Hoffnungen auf einen Podestplatz geraubt.

Schleu ist ratlos

"Das sah so ein bisschen wie Kamikaze aus", sagte Bundestrainerin Kim Raisner. Auch sie schob großen Frust. "Ich habe einen Kloß im Hals, wenn man zwei schluchzende Athleten trösten muss", sagte Raisner. "Beide haben so viel investiert." Damit meinte sie auch die zweite Berlinerin Schleu, die sich als Olympia-Debütantin mehr als Platz 26 im Gesamtklassement ausgerechnet hatte.

"Lena und ich sind total unzufrieden. Meine Leistung im Schwimmen kann ich mir nicht erklären, da bin ich ratlos", sagte Schleu. Ähnlich erging es Schöneborn. Obwohl Ober-Fan Felix Magath zum Daumendrücken aufgefordert hatte und aus der Heimat extra die Eltern, Freunde und ehemalige Klassenkameraden angereist waren, lief es bei der Mitfavoritin nicht rund.

"Bin eigentlich ein Wettkampftyp"

"Ich war schon sehr aufgeregt, obwohl ich eigentlich ein Wettkampftyp bin", sagte die 26-jährige Wahl-Berlinerin. Auf der Fechtbahn, wo sie in Peking mit dem olympischen Rekord von 28 Siegen und sieben Niederlagen den Grundstein für Gold gelegt hatte, reichte es diesmal nur zu einer 19:16-Bilanz in 35 Gefechten. "Das war durchwachsen", gab Schöneborn zu.

Im Schwimmen verfehlte sie die angepeilte Zeit für die 200 Meter Freistil in 2:19,76 Minuten um zwei Sekunden. "Da muss ich gucken, was da in die Hose gegangen ist", meinte Schöneborn, die sich am Ende von Rang 21 aus noch sechs Plätze vorarbeitete. "Ich bin froh, das Combined hinter mich gebracht zu haben und wenigstens noch ein paar Plätze gut gemacht zu haben", sagte sie.

Skandal um Herren-Bundestrainer

Am Vortag hatte der Bensheimer Steffen Gebhardt beim Sieg des 2010-Europameisters David Svoboda aus Tschechien mit einem guten fünften Platz im Männer-Rennen überrascht. Nach seinem couragierten Auftritt ließ der 31-jährige Routinier, der von Raisner betreut wurde, mächtig Dampf ab. "Ich habe meine eigene Vorbereitung gemacht, ohne den Verband und ohne Bundestrainer Iri Zlatanov. Mit ihm läuft nichts mehr", sagte Gebhardt und setzte noch einen drauf: "Der hätte mich am liebsten nicht nominiert."

Gebhardt wiederholte bei seiner dritten Olympia-Teilnahme das Ergebnis von Peking. Dieses Resultat hatte der Verband eher vom WM-Vierten Stefan Köllner erwartet. Doch der Potsdamer enttäuschte als 26. und hatte für seinen Auftritt keine Erklärung: "Dazu möchte ich nichts sagen."

Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen