Fahrer jubeln über die WEC: "Riesiges Potenzial"

Die Verantwortlichen der WEC jubeln über ein gelungenes erstes Jahr der neuen Weltmeisterschaft. Rund 800.000 Fans haben die acht Rennen der Saison an den Strecken verfolgt. Die WEC sei im ersten Jahr ein "Baby" gewesen, das im kommenden Jahr das Laufen lernen müsse, meint Serienboss Gerard Neveu. "Anschließend geht es um weiteres Wachstum. Wir müssen die Serie stärken, die Bekanntheit erhöhen und die WEC als Marke positionieren."

"Auch bei der WEC stellt sich die Frage nach dem richtigen Promoter", erklärt Volkswagen-Motorsportkoordinator Wolfgang Dürheimer. Der Konzern aus Wolfsburg wird ab 2014 mit zwei Marken (Audi und Porsche) auf der Bühne vertreten sein. "Sollte die FIA keinen Serienpromoter finden, dann empfehlen wir die Promotion der jeweiligen Rennen an die nationalen Veranstalter zu übergeben. Jean Todt wird aus unserer Sicht alles tun, um die teilnehmenden Marken nicht zu enttäuschen."

"Die Serie ist eine brillante Idee. Über viele Jahre haben wir auf eine solche Weltmeisterschaft hingearbeitet", meint Dürheimer und spricht damit vielen Fans und auch den meisten Piloten aus der Seele. "Es war eine gute erste Saison", urteilt Toyota-Werkspilot Nicolas Lapierre. "Die Organisation, die Abläufe in den Rennen, die Auswahl der Strecken - alles WM-würdig. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und ein etwas größeres Starterfeld in der LMP1-Klasse wären nicht schlecht."

"Die WEC ist eine super Idee. Es wird vorangehen. Es kommen weitere Hersteller, es wird mehr Wettbewerb geben", schildert Rebellion-Fahrer Neel Jani. Der Schweizer mahnt zu Geduld: "Es war immer klar, dass 2012 und 2013 schwierige Jahre werden könnten - vor allem nachdem Peugeot so plötzlich ausgestiegen ist. Vor diesem Hintergrund hat man sich aber im ersten Jahr sehr gut präsentiert. Allerdings gibt es auch noch Raum für Verbesserungen."

Trauer um die Klassiker in den USA

"Die WEC hat viel Potenzial, es ist eine super Serie. Mir fehlen eben nur die großen Klassiker, die auch entsprechend für Zuschauer interessant sind und Atmosphäre haben. Das macht den Langstreckensport doch aus. Das sieht man doch deutlich an Le Mans", meint der LMP1-Pilot aus der Schweiz. In der kommenden Saison gastiert die WEC nicht in Sebring oder auf der Road Atlanta im US-Bundesstaat Georgia auf die Strecke.

"Ganz ehrlich: Ich bin seit den 1980er-Jahren ein riesiger Fan der Prototypen. Wenn man es schafft, ein LMP1- und LMP2-Feld mit insgesamt ungefähr 25 Autos aufzubieten, und dann noch ein paar GT-Autos, dann wird es eine Mega-Serie", schildert LMP2-Pilot Pierre Kaffer seinen Traum von der Zukunft der Langstrecken-Weltmeisterschaft. "Es haben sich sehr viele eine solche WM gewünscht", meint der Pecom-Einsatzfahrer.

"Eine Enttäuschung folgte aber sogleich zu Beginn des Jahres. Jeder dachte, dass er sich in der einzelnen Klasse tatsächlich Weltmeister schimpfen darf, wenn er gewinnt. Wir haben erst in Sebring realisiert, dass das nicht so ist", erklärt Kaffer eine anfängliche Verwirrung um Titel und Trophäen. "Ich würde mir ein deutsches Rennen wünschen. Die 1.000 Kilometer am Nürburgring waren immer sehr attraktiv. Es wäre schön, wenn man das hier in Deutschland wie in guten, alten Zeiten vermarkten könnte."

"Die WEC hat sich insgesamt im ersten Jahr sehr gut entwickelt und ist auf einem tollen Weg. Gerade die LMP2 war stark besetzt und hat großartigen Sport geboten", sagt Kaffer nach dem Debütjahr der Serie. "Da hat man mit der Balance of Performance auch einen guten Job gemacht. Die verschiedenen Kombinationen von Autos und Motoren lagen alle dicht beisammen. Jeder hatte irgendwo seine Stärken, aber eben gleichzeitig auch gewisse Schwächen. Es ging insgesamt fair zu. Es ist eine gelungene Sache."

Vermarktung: Noch Luft nach oben

"Ich fand es sehr, sehr gut", stimmt Lotus-Pilot Thomas Holzer zu. "Eine solche Langstrecken-WM hat aus meiner Sicht schon immer gefehlt. Es gibt sicherlich noch Bereiche, wo man sich verbessern muss, aber das wird man bestimmt bald angehen. Zum Beispiel im Bereich Vermarktung muss etwas passieren. Man muss dem Zeit geben. Die DTM war auch nicht gleich im ersten Jahr die Topserie, die sie heutzutage ist", sagt der Deutsche und fügt schmunzelnd an: "Die Grillparty in Bahrain hat mir am besten gefallen!"

"Die WM hat im ersten Jahr tollen Sport geboten. Es gab in allen Klassen extrem spannende Rennen", stimmt Porsche-Werksfahrer Marc Lieb mit in den positiven Tenor ein. "In unserer GTE-Pro-Kategorie gab es leider sehr wenige Teilnehmer. Das heißt aber nicht, dass es eine schlechte Kategorie war. Qualitativ war sie sehr gut besetzt, leider nicht quantitativ. Man muss schauen, dass man die Starterzahlen etwas nach oben bekommt - speziell in den GT-Klassen."

"Als Fahrer ist man stolz, an so etwas teilnehmen zu dürfen", drückt sich Aston-Martin-Werkspilot Stefan Mücke pathetisch aus. "Man hofft natürlich, dass sich noch mehr Hersteller für diese WM interessieren. Es wäre schön, wenn es uns gelänge, das Feld noch etwas mehr aufzufüllen. Enge Zweikämpfe im GT-Sport, wie man sie in den USA sieht, wären natürlich wünschenswert. Ich hoffe, dass es mehr Autos werden", so der Berliner.

WEC auf den Spuren der alten Sportwagen-WM

"Das kann wieder so ein großes Ding werden wie damals die Sportwagen-WM. Man sieht jetzt schon im Duell zwischen Audi und Toyota, dass es sehr eng zugeht. Toyota hat einen super Job gemacht, die waren im ersten Jahr gleich sehr konkurrenzfähig. Nichts anderes kann man von Porsche erwarten. Die kommen auch, um zu gewinnen. Dann hat man schon mal drei Hersteller, die um den Sieg kämpfen. Da ist man schon auf dem Weg zu den guten, alten Zeiten", meint Mücke angesichts des Potenzials der WEC.

"In der LMP1 wird es ab 2014 richtig zur Sache gehen. Das wird spannend. Wenn noch ein weiterer Hersteller kommen würde, dann wäre es bombastisch. Unter solchen Voraussetzungen hat die WEC ein großes Potenzial", stimmt Marc Lieb zu. Der Porsche-Pilot ist als Ingenieur tief in das LMP1-Projekt der Zuffenhausener involviert.

"Es ist gut, wenn möglichst viele Hersteller kommen, aber man darf die Privaten nicht vergessen", mahnt Lieb. "Solche Teams bilden die Basis einer Sportwagen-WM, sie füllen das Feld und machen es attraktiv. Die Privatteams bei Laune zu halten, wird aus meiner Sicht der Knackpunkt sein. Wenn man dies beherzigt und die Reisekosten senkt, dann denke ich, dass die WEC eine riesige Chance hat."

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