Drama um Steiner: Von Hantel getroffen

Gewichtheber Matthias Steiner hat bei der olympischen Entscheidung im Superschwergewicht nach dem Reißen seinen Wettkampf verletzungsbedingt abgebrochen. Der 29 Jahre alte Olympiasieger von Peking war bei seinem missglückten zweiten Versuch von der 196-Kilo-Hantel im Nacken getroffen worden.

"Er kann gehen und sprechen. Das ist die Hauptsache, alles andere ist unwichtig", berichtete Steiners Ehefrau Inge. Es seien keine ernsthaften Wirbelschäden aufgetreten.

"Im ersten Augenblick habe ich gedacht: Oh, Gott. Das sah so gefährlich aus, so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte Bundestrainer Frank Mantek. "Er sagte mir sofort: Ich kann meine Beine spüren." Die verpasste Medaille war nur noch Nebensache. Der 150-Kilo-Hüne wollte kein gesundheitliches Risiko eingehen.

"Mach Schluss"

Sein dritter olympischer Auftritt nach 2004 und 2008 dauerte nur zwei Versuche. In der Pause vor dem Stoßen versuchte es Steiner im Aufwärmraum noch einmal. "Er hat 70 Kilo in die Hand genommen, aber die konnte er nicht wegheben. Dann habe ich ihm empfohlen: Mach Schluss", berichtete Mantek. Steiners Unfall sei ein technischer Fehler vorausgegangen, er sei in Rücklage geraten, meinte Mantek.

So hatte sich der für den Chemnitzer AC startende Steiner sein London-Abenteuer nicht vorgestellt. Ernüchtert musste er im Krankenhaus erfahren, wie sich der iranische Doppelweltmeister Behdad Salimikordasiabi mit 455 Kilogramm (Reißen 208/Stoßen 247) die Goldmedaille sicherte.

Die war für Steiner ohnehin kein Thema, mit Bronze hatte er aber geliebäugelt. Sein Mannschaftskollege Almir Velagic wurde mit der persönlichen Bestleistung von 426 Kilogramm (192/234) wie 2008 Achter. In Peking hatte er allerdings nur 413 Kilo zur Hochstrecke gebracht.

Den Zuschauern stockte der Atem

"Das ist eine Tragödie. Matthias hat zu mir gesagt: 'Jetzt musst Du die deutsche Fahne hochhalten'", erzählte der gebürtige Bosnier. Steiner, in dessen Heimatort Obersulz in Niederösterreich eigens ein Public Viewing auf dem Sportplatz der Gemeinde organisiert worden war, hatte am Ende noch Glück, dass nicht Schlimmeres passierte. Als Steiner stürzte, rollte die Hantel über seinen Kopf. Den Zuschauern stockte der Atem, einige schrien entsetzt auf.

Schon in der Vorbereitung auf London hatte Steiner große Probleme. Der Anriss der Quadrizepssehne, die das Knie mit dem Oberschenkelmuskel verbindet, hatte ihn für Monate außer Gefecht gesetzt. Erst im Januar dieses Jahres stieg der gebürtige Österreicher wieder ins Training ein. Wie ein Wunder wirkte da sein zweiter Platz im April bei den Europameisterschaften in Antalya, wo er 424 Kilo schaffte.

Dann aber warfen ihn mehrere Verletzungen und Erkrankungen zurück. Bei der Qualifikation für London folgte der Tiefpunkt: Nichts lief, die Technik fehlte, die Kraft auch. Lächerliche 410 Kilo standen in der Zweikampfwertung zu Buche. Kumpel Velagic war an ihm vorbeigezogen. Steiner war verzweifelt, sprach sich die Reife für die Wettkampfbühne ab.

Vier Wochen Trainingslager in seiner alten Heimat Österreich möbelten den Recken wieder auf. Steiner sammelte Kraft und vor allem Selbstvertrauen. "Da ist er ins Rollen gekommen", hatte Mantek gehofft. In London auf der Bühne der Südarena 3 im Messekomplex an der Themse zerplatzten aber alle Träume.

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