Champions League - Torwart-Duell als Wachablösung?

Sie gelten neben Iker Casillas als die aktuell besten Torhüter der Welt und könnten doch unterschiedlicher nicht sein. Das Duell zwischen Juve und den Bayern im Viertelfinale der Champions-League wird auch zum Aufeinandertreffen zweier Torwart-Philosophien.

Auf der einen Seite Gianluigi Buffon, auf der anderen Manuel Neuer. Der eine steht fast schon sinnbildlich für das Torwartspiel zwischen den Pfosten, der andere für den modernen, mitspielenden Torwart.

Buffon ist die Konstante schlechthin im Tor. Er riskiert weniger als Neuer, aber ist da, wenn es brenzlig wird und macht in wichtigen Spielen fast nie Fehler. Erst zuletzt bei der Generalprobe für das Bayern-Spiel hielt er gegen Inter seinen Klub auf Siegkurs. Er dirigiert seine Mitspieler wie kaum ein Zweiter, ist der Chef von Juves Hintermannschaft.

Und auch an internationaler Erfahrung ist Buffon das Maß aller Dinge: 126 Mal stand der 35-Jährige für Italien zwischen den Pfosten - und dabei soll es bei weitem nicht bleiben. "Ich will 150 Nationalspiele bestreiten", so der Routinier. "Und wenn Gott will, und ich gesunde bleibe, dann kann ich dieses Ziel erreichen."

Die Zukunft mag also vielleicht Neuer gehören, aber in der Gegenwart räumt der Kontrahent noch lange nicht freiwillig das Feld - weder auf Vereins- noch auf Länderspielebene.

Stilfrage sorgt für Diskussionen

Und Neuers Spielweise mag richtungweisend sein für das zukünftige Torwartspiel. Er kann den Spielverlauf lesen wie kaum ein Torwart, vereitelt damit Großchancen schon vor ihrer Entstehung. All das gilt für Buffon zumindest in dieser Form nicht. Aber die absolute Sicherheit fehlt dem 27-Jährigen noch, selbst dann, wenn man Patzer wie aus dem EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan ausblendet.

Bei Standardsituationen, insbesondere Ecken, ist Bayerns Hintermannschaft anfällig für Gegentreffer: Das ist immer wieder sichtbar geworden, nicht zuletzt in wichtigen Spielen wie dem Champions-League-Finale gegen Chelsea. Die Gegentore waren bei weitem nicht nur Neuers Schuld, aber sie haben gezeigt, dass er noch nicht über die Dominanz und Abgeklärtheit verfügt, die ein Buffon in solchen Situationen hat.

Auch Torwart-Legende Oliver Kahn rät dem Ex-Schalker, sich an der Spielweise von Buffon zu orientieren. "Torhüter entscheiden Spiele, aber nicht dadurch, dass sie fußballerisch brillieren, sondern mit spielentscheidenden Reflexen und Paraden. So ermöglichst du als Torwart deiner Mannschaft Siege und Titel", meinte Kahn in der Münchner "Abendzeitung".

Buffon oder Casillas hätten "immer die optimale Mischung zwischen Risiko und Sicherheit gefunden". Das gelte für Neuer nicht. "Als Torhüter musst du dich fragen: In welchem Verhältnis sollte das Risiko zu meinem Spiel stehen?", so der ehemalige Nationalkeeper weiter.

Eiskalt vs. Hitzkopf

Nicht nur im Torwartspiel unterscheiden sich die beiden Asse, auch charakterlich sind sie gegensätzlich: Buffon ist ein Hitzkopf, der immer wieder für Schlagzeilen sorgt und sich in seiner Karriere schon drei Platzverweise einfing. Seine Wettleidenschaft ist legendär und brachte ihn in Verdacht, sich dabei auch in Grauzonen zu tummeln, sein Privatleben wurde in Italien intensiv begleitet und in seinen Anfangsjahren beim AC Parma stand er kurzzeitig unter Verdacht, Sympathien zu neofaschistischem Gedankengut zu hegen.

Neuer hingegen sorgt abseits des Platzes nur sehr selten für Aufregung. Den Wirbel um seinen Wechsel vom FC Schalke nach München versuchte er erfolgreich nicht durch eigene Aktionen oder Äußerungen noch weiter aufzuheizen, sein Privatleben hält er aus der Öffentlichkeit. Und wie eiskalt er auch unter größtem Druck bleibt, bewies er mit seinem verwandelten Elfmeter im "Finale dahoam" gegen den FC Chelsea und Petr Cech - einen anderen ganz Großen der Torwart-Zunft.

"Rückenprobleme" durch Torreigen

Vor weniger als einem Jahr trafen die beiden Weltklasse-Torhüter schon einmal in einem extrem wichtigen Match aufeinander, dem EM-Halbfinale zwischen Italien und Deutschland. Schon damals wurde offen die Frage gestellt, ob Neuers moderneres Torwartspiel Buffons traditionelleres ablösen wird. Damals setzte sich Buffon mit Italien durch.

Jetzt hat Neuer eine neue Chance zu zeigen, dass er in seinem Spiel noch weiter gereift ist und Buffon übertrumpfen kann. Denn die Zukunft mag dem Deutschen gehören, aber bisher hatte Buffon eher die Trümpfe auf seiner Seite - auch wenn er an die Bayern böse Erinnerungen hat. Mit Blick auf das 1:4 in der Champions-League Gruppenphase 2009/10 meinte Buffon bei der Pressekonferenz: "Ich habe beinahe Rückenprobleme bekommen, weil ich den Ball so oft aus dem Tor holen musste. Das war kein schöner Abend."

VIDEO - Vorschau auf Bayern gegen Juve

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