Champions League - Wirbel um Lewandowski hält an

Dortmunds Stürmer macht Schlagzeilen, auf und neben dem Platz. Das scheint ihn zu irritieren. Doch er hat es nicht anders gewollt.

Es war wohl die aufregendste Woche in der Karriere des polnischen Nationalstürmers.

Erst sein Siegtreffer beim Spitzenspiel in Leverkusen, dann die nicht enden wollenden Gerüchte um einen Wechsel zu Bayern München, gespickt mit halbherzigen Dementis. Zum Schluss das Dortmunder Heim-Debakel gegen Hamburg, bei dem Lewandowski zunächst ein Tor erzielte, dann vom Platz flog.

Nun wäre eigentlich ein tiefes Durchatmen angesagt. Doch dazu wird es nicht kommen. Schon am Mittwoch (ab 20:45 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) ist der Stürmer beim wichtigen Champions-League-Auftritt in Donezk gefordert. Die Hoffnungen der schwarz-gelben Anhängerschaft ruhen auf ihm, denn kaum ein anderer Spieler ist so wichtig für das Angriffsspiel des BVB wie Lewandowski.

Viel Verantwortung für einen, der eigentlich zunächst einige Stunden für sich selbst brauchen dürfte. Doch vielleicht ist Robert Lewandowski nun endlich da, wo er und seine Berater ihn am liebsten sehen, im Zentrum der medialen Öffentlichkeit. Zur Steigerung des eigenen Marktwertes ist eine Woche wie die vergangene sicherlich nicht ungeeignet.

Kehl spricht aus, was alle denken

Und genau dies scheint das Ziel zu sein. Seit Monaten schweigt sich der 24-Jährige zu heiklen Vertragsfragen aus. Beruft sich darauf, selbst nur Spieler zu sein. Kein Bekenntnis, nur schelmisches Grinsen.

In der Mannschaft des aktuellen Double-Siegers kommt diese Haltung nicht gut an. Lewandowski genießt den Respekt seiner Kollegen, tiefe Verbundenheit schlägt ihm nicht entgegen. Seine Landsleute Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski funken auch privat auf einer Wellenlänge. Lewandowskis Frequenz haben sie indes noch nicht gefunden.

Da passt es ins Bild, dass BVB-Kapitän Sebastian Kehl unter der Woche unumwunden zum Besten gab, der Stürmer werde den Verein im Sommer wohl verlassen. Aller Dementis und Verwirrung zum Trotz. Lewandowski scheint Mittel zum Zweck. Wenn er das Weite suchen sollte, schießt eben ein anderer die Tore. Längst schaut sich die Vereinsführung nach Alternativen um.

Einen gleichwertigen Ersatz zu finden, dürfte sich aber schwierig gestalten. In 20 Bundesliga-Partien stehen für den Polen 14 Tore und sechs Vorlagen zu Buche. Hinzu kommen vier Tore in der Champions League und eins im DFB-Pokal. Lewandowski gehört zu den ganz Großen, jedenfalls auf Klub-Ebene.

Umstritten in der Heimat

Denn in der polnischen Heimat mehren sich die Stimmen gegen den Angreifer. Seit nunmehr 792 Minuten hat Lewandowski für die Nationalmannschaft kein Tor mehr erzielt - letztmals im Eröffnungsspiel der EURO 2012 gegen Griechenland. Fans und Beobachter sind ungeduldig, trägt der 24-Jährige doch die Hoffnungen einer ganzen Nation auf den Schultern.

"Er gibt alles, doch bringt er den Ball einfach nicht im Tor unter", beschreibt Piotr Kwiatkowski von Eurosport-Polen. "Er hatte große Chancen gegen Russland, Tschechien, Estland, Montenegro, Moldawien, England, Uruguay. Ihn scheint aber das Glück verlassen zu haben." Das muntere Minutenzählen fand beim 0:2 gegen Irland seine Fortsetzung.

Zu behaupten, der kurzzeitige Kontrollverlust gegen Hamburgs Per Skjelbred sei ein Produkt dieser vielen Einflüsse gewesen, wäre rein spekulativ.

Festzuhalten bleibt jedoch: Robert Lewandowski hat schon ruhigere Tage verlebt. Es ist ihm und seinem Team zu wünschen, dass er die Diskussionen schon am Mittwoch beruhigen kann. Am besten mit einem Ausrufezeichen in Donezk. Danach hat er ohnehin erst einmal Zeit für sich.

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