Champions League - Jürgen, wir haben ein Problem!

Des Meisters Probleme in der Defensive kommen nicht unerwartet, aber zur absoluten Unzeit. Nur zwei Tage vor dem wichtigsten Spiel im bisherigen Saisonverlauf in Donezk steht Jürgen Klopp vor einer großen Herausforderung.

Viele Tore, Spektakel, Fußballfeste. Vielen werden - angesprochen auf eine angemessene Umschreibung der BVB-Spielweise - diese Schlagworte in den Sinn kommen. Was dabei oft untergeht: Borussia Dortmunds Erfolg ist auf der Basis einer perfekt funktionierenden Defensive errichtet.

Klopps in mühsamer Detailarbeit ausgearbeitetes Meister-System ist in erster Linie ein defensives. Es fußt auf konsequentem Gegenpressing, Überzahl in Ballnähe, einer solide stehenden Verteidigungsreihe und schließlich blitzschnellen Gegenzügen.

Zorc: "Wir werden das hinbekommen"

All dies funktionierte in den vergangenen zwei Jahren fast perfekt. Jetzt ist der Wurm drin. Ausgerechnet jetzt. Am Mittwoch (ab 20:45 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) tritt der BVB bei Schachtjor Donezk an. Eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel soll, ja muss her.

Doch Klopp hat statt selbstbewussten Ausnahmekickern sechs Gegentore und eine schwer gefrustete Mannschaft im Gepäck. "Wir waren zuletzt nicht zu 100 Prozent bereit, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Uns fehlte Konsequenz im Abwehrverhalten", analysiert Manager Michael Zorc im "kicker". Dennoch beruhigt er: "Wir werden das hinbekommen. Es ist ja nicht so, dass diese Truppe nicht lernfähig ist."

Ganz neu erlernen muss das System sicherlich niemand. Klopps Aufgabe wird es aber sein, das Team wieder auf gemeinsamen Kurs zu bringen. In den zurückliegenden Spielen gegen Hamburg (1:4) und Leverkusen (3:2) präsentierte sich Borussia erstaunlich fragil in der Rückwärtsbewegung.

Besonders beim Heim-Debakel gegen Hamburg misslang ein erneutes Defensiv-Experiment Klopps. Die dünne Personaldecke - Schmelzer und Großkreutz fielen aus - und der unbedingte Wille, Rückkehrer Nuri Sahin in die Startelf zu integrieren, zwang den Coach dazu, Sven Bender als Linksverteidiger zu installieren.

Rotiert Sahin wieder raus?

Auf der rechten Seite lief Lukasz Piszczek auf, obwohl er unter der Woche kaum trainiert hatte. Gleiches galt für die Offensivkräfte Marco Reus und Mario Götze. Klopp bieten sich - vor allem in der Defensive - zu wenige echte Alternativen. Erste Stimmen aus dem Umfeld bemängeln, dass dieser bekannte Missstand nicht auf dem Winter-Transfermarkt behoben wurde.

Stattdessen ließ man Schmelzer-Backup Chris Löwe nach Kaiserslautern ziehen und vollzog den viel beachteten Sahin-Transfer. Auch wenn man auf dessen Vorstellung um Zeit mit dem Mittelfeldstrategen bat, spülte ihn die Verletzungsmisere schon im vierten Spiel der Rückrunde in die Startformation. Der massiv durchgeschüttelten Elf konnte Sahin keine Stabilität verleihen. "In Donezk müssen wir defensiv als Mannschaft komplett besser stehen", warnt auch er.

Dort wird Schmelzer wohl zurückkehren, auch der seit Wochen vermisste Neven Subotic steht wieder zur Verfügung. Großkreutz hingegen fehlt weiterhin. Es ist an Jürgen Klopp, das Defensivpuzzle seiner Mannschaft erneut zusammenzusetzen. Zumindest eine Installation Schmelzers auf der linken Seite dürfte als sicher betrachtet werden. Das würde in Bender eine wichtige Alternative für den Stabilitätstrakt vor der Viererkette freimachen.

Die wird bitter benötigt. Denn: Ob Ilkay Gündogan spielen kann, entscheidet sich erst kurz vor Anpfiff. Schafft es der Nationalspieler, wäre Sahins kurzes Intermezzo in der Startelf wohl fürs Erste beendet. Dies wäre nach 19 Monaten fast ohne Spielrhythmus wohl nicht nur für ihn die derzeit beste Lösung.

VIDEO: Vorschau Donezk vs. Dortmund

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