Champions League - Bayern im Achtelfinale: Müller trifft in höchster Not

Mit einem glanzlosen Remis im berüchtigten Estadio Mestalla hat Bayern München sein Minimalziel in der Champions League vorzeitig erreicht. Der Rekordmeister steht nach einem enttäuschenden 1:1 (0:0) beim FC Valencia im Achtelfinale der Königsklasse. Thomas Müller glich in der 82. Minute die Führung der Spanier durch Sofiane Feghouli fünf Minuten zuvor aus. Außerdem gab's ein übles Foul an Alaba.

Die Lehren:

Minimalziel erreicht – mehr aber auch nicht. Die Bayern wirkten in Valencia wie schon beim 1:1 in Nürnberg mitunter ideenlos sowie passiv und ließen sich erneut den Schneid von einem aggressiven und angriffslustigen Gegner abkaufen. Es scheint, als hätten Nürnberg und Valencia ein wirkungsvolles Mittel gegen die spielerische Übermacht des FC Bayern gefunden. Aggressives Zweikampfverhalten schmeckt den technisch beschlagenen Münchnern nicht unbedingt.

Zudem wurde wieder einmal deutlich, dass die Bayern ohne einen Franck Ribéry in Topform (und ohne einen Arjen Robben) offensiv nicht variabel genug sind. Der Franzose war von seinen überragenden Vorstellungen der Vorwochen weit entfernt. Die Rippenprellung schien ihn nach wie vor zu beeinträchtigen.

Unterm Strich aber steht der Achtelfinaleinzug der Bayern, die mit der gerechten Punkteteilung auch den direkten Vergleich mit dem ebenfalls für das Achtelfinale qualifizierten FC Valencia entschieden. Mit einem Sieg im abschließenden Gruppenspiel gegen Bate Borissow zieht der deutsche Rekordmeister als Gruppensieger in die K.o.-Runde ein.

Die Stimmen:

Thomas Müller (FC Bayern München): "Uns war die Situation von Anfang an bewusst. Mit einem Sieg wären wir Gruppensieger gewesen. Es war noch Schadensbegrenzung, es ist sehr ärgerlich, dass wir hier nicht gewonnen haben. Wir spielen 60 Minuten in Überzahl und sind kurz vor der 80. Minute auf einmal 0:1 hinten. Dann wäre Valencia sicher Gruppenerster gewesen. Da gibst du nicht auf, da gehst du über die Grenze. Aber grundsätzlich war das kein Spiel, für das wir uns feiern können. Wenn wir unsere Spiele weiter so medium bestreiten, wird es auch in der Meisterschaft kein Spaziergang."

Philipp Lahm (FC Bayern München): "Wir haben uns geärgert. Heute war einiges möglich. Wir haben lange Zeit die falschen Entscheidungen getroffen. Am Ende muss man sagen, dass wir glücklich unentschieden gespielt haben. Wir müssen wieder in unsere Spur zurückkehren, um wieder erfolgreich zu spielen. Wir haben zweimal unentschieden gespielt, zweimal gegen Mannschaften, die in Unterzahl gespielt haben. Das müssen wir besser mache und in den Griff bekommen."

Mario Gomez (FC Bayern München): "Mein Comeback war schön. Ich bin froh, dass ich noch zu Einsatzminuten gekommen bin und dass wir noch den Ausgleich erzielt haben. Valencia ist eine sehr, sehr heimstarke und technisch überragende Mannschaft. Es war heute ein bisschen das Problem, dass wir den Ball bei Ballverlust nicht so schnell zurückbekommen haben. Der Trainer hatte uns auf Sieg eingestellt, da denkst du nicht an ein Unentschieden."

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern München): "Mit dem Ergebnis kann man zufrieden sein, mit dem Spiel nicht. Wenn man eine Stunde gegen zehn Mann spielt und dann mit einem Punkt zufrieden sein muss, ist das nicht befriedigend. Wir müssen den Schalter jetzt wieder umlegen. Wir haben eine wichtige Woche vor uns, da müssen wir zulegen, wenn wir die positiv bestreiten wollen. Wir müssen wieder mehr Gas geben."

Die Höhepunkte:

18. Erste richtig gute Chance des Spiels. Nach einer Ecke von Kroos kommt Dante zum Kopfball. Der Innenverteidiger setzt den Ball auf das rechte Eck. Valencias Torwart Guaita macht sich ganz lang und kratzt die Kugel noch von der Linie.

32. Erstes Mal Spektakel vor dem Bayern-Tor. Soldado wird im Strafraum von Alaba geblockt. Feghouli kommt aus dem Hintergrund und setzt den Abpraller sofort auf das Tor. Neuer taucht blitzschnell ab und reagiert ganz stark.

33. Rote Karte für Barragan- und das völlig zu Recht!!! Der bereits mit Gelb verwarnte Rechtsverteidiger fliegt mit Anlauf in Alaba rein und säbelt den Österreicher ganz übel um. Klassische Blutgrätsche!

39. Und dann kommt der bislang unauffällige Pizarro zentral am Strafraum zum Abschluss. Guaita wehrt den Ball zur Seite ab.

62. Also, die Bayern lassen es viel zu locker angehen. Soldado wird steil geschickt und enteilt Dante. Der spanische Nationalspieler setzt den Ball aus elf Metern auf das Tor, nagelt die Kugel aber am Tor vorbei. Da fehlte nicht allzu viel!

65. Endlich mal wieder ein guter Angriff der Bayern. Kroos steckt links am Strafraum durch auf Ribéry, der von der Grundlinie zurücklegt auf Müller. Dessen Abschluss aus acht Metern geht aber genau auf den Torwart.

71. Außenpfosten! Nach einer Hereingabe ist Mandzukic völlig blank im Strafraum. Bayerns Top-Torjäger schraubt sich hoch, setzt den Kopfball aber nur an den Außenpfosten.

77. TOOOR für Valencia! Feghouli kommt aus dem Mittelfeld, zieht in die Mitte und tanzt am Strafraum gleich mehrere Bayern-Spieler aus. Sein eigentlich harmloser Schuss wird von Dante am Elfmeterpunkt abgefälscht. Keine Chance für Neuer, 1:0 für Valencia.

82. TOOOR für die Bayern! Müller bringt die Münchner zurück ins Spiel! Lahm schlägt den Ball flach von der rechten Seite vor das Tor. Mandzukic lässt am kurzen Pfosten durch, Gomez verstolpert in der Mitte, und dann ist es Müller am langen Pfosten, der den Ball im Netz unterbringt. 1:1.

Der Kracher: Howard Webb

Der englische Unparteiische zeigte eine bärenstarke Vorstellung und lag bei allen Entscheidungen goldrichtig. Beim Platzverweis für Barragán zögerte er keine Sekunde, später ließ er sich auch nicht von der einen oder anderen Schauspieleinlage von Andrés Guardado aufs Glatteis führen.

Im Abseits: Antonio Barragán

Es dürfte die roteste Rote Karte in der bisherigen Champions-League-Saison gewesen sein. Der bereits mit Gelb verwarnte Antonio Barragán packte die Blutgrätsche aus und flog mit Anlauf und gestreckten Beinen in David Alaba rein. Das hatte mit Fußball nichts zu tun!

Die Statistik: 12

Vor allem in der ersten Halbzeit schien es so, als reihe sich bei den Bayern Eckball an Eckball. Auf zwölf kamen sie am Ende der 90 Minuten, außer bei einem Kopfball von Dante wurde es aber nie gefährlich. Ecken bleiben ein Schwachpunkt der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes.

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