Champions League - Gnadenlos effektiv zum Gruppensieg

Mario Götze konnte sich einfach nicht satt schauen. Als seine Mannschaftskollegen schon lange zum Duschen in den Katakomben der Amsterdam-Arena verschwunden waren, schaute er sich mit verschränkten Armen lieber noch einmal die Torwiederholungen vom 4:1-Erfolg Borussia Dortmunds bei Ajax auf der Anzeigetafel an.

Mit jedem Jubelschrei, der noch im Stadion verbliebenen Fans, wurde sein Grinsen breiter.

Es war eben dieser Götze, der mit einer Gala-Vorstellung maßgeblichen Anteil am souveränen Erfolg des BVB beim niederländischen Rekordmeister hatte.

Ein Tor schoss er selbst, die anderen drei bereitete er im Stile eines Spielmachers von Weltformat mustergültig vor.

Gruppensieger gegen Real

Die "Schwarz-Gelben" stehen in der sogenannten "Todesgruppe D" schon vor dem abschließenden Spieltag bereits als Sieger fest. Real Madrid bleibt nur der zweite Platz. Damit hätten wohl selbst die kühnsten Optimisten vor der Saison nicht gerechnet.

"Besser hätte man sich diesen Abend nicht ausmalen können. Das abschließende Spiel gegen Manchester City wäre sonst sicherlich nicht die angenehmste Aufgabe geworden. Jetzt können wir das relativ entspannt angehen", freute sich Abwehrchef Mats Hummels nach dem Schlusspfiff.

Vom Punktelieferant zum Angstgegner

Dabei sah die Welt bei der Borussia vor fast einem ahr noch ganz anders aus. Da waren für den Deutschen Meister nach fünf Gruppenspielen alle Chancen auf die K.o.-Runde der "Königsklasse" und auch der Europa League verspielt. Und das in einer von den Namen weitaus leichter einzuschätzenden Gruppe.

Doch was macht den neuerlichen Erfolg auf internationalem Parkett aus? Ist es bei dieser jungen Mannschaft einzig der Zugewinn an Erfahrung, der sie die Spiele nun nach Belieben dominieren lässt?

"Wir haben sicherlich dazugelernt. Aber der entscheidende Faktor im Spiel ist die Effektivität. Das bekommen wir in dieser Saison richtig gut hin. Dazu haben wir eine gewisse Ruhe in unser Spiel bekommen, die auf unsere große Konzentration zurückzuführen ist", erklärte Götze das Erfolgsgeheimnis des BVB.

Nur sechs Torschüsse feuerten die Dortmunder in Amsterdam ab. Die Hausherren deren 13. Dazu standen auf den Statistikblättern der UEFA für die Elf von Trainer Jürgen Klopp lediglich 35 Prozent Ballbesitz zu Buche. Ajax hatte optisch und numerisch mehr vom Spiel.

Treffen statt laufen

"Ballbesitz ist kein Qualitätsmerkmal. Er wird zwar mittlerweile als solches betrachtet, weil der FC Barcelona das unfassbar gut macht, aber er ist kein Indiz, ob ein Team besser oder schlechter war. Wir haben auch eine andere Spielphilosophie, nehmen nicht so häufig den Weg über den Torwart sondern spielen zielstrebig nach vorne", gab Hummels Nachhilfeunterricht in Sachen Effektivität.

Und weiter: "Wir sind in der letzten Saison gerannt wie die Irren und haben uns wahrscheinlich auch noch mehr Chancen herausgearbeitet. Aber da hatten wir diese Kaltschnäuzigkeit nicht. Das sieht nun anders aus."

Einer Borussia in dieser Form ist nun wohl auch in der Bundesliga zuzutrauen, erneut eine Aufholjagd auf den Spitzenreiter FC Bayern erfolgreich durchzuziehen. Neun Punkte liegt der BVB hinter den Münchnern. Schon am 1. Dezember kommt es zum großen Duell der Erzrivalen.

Bender wieder Pechvogel

Ganz so weit in die Zukunft wollte in Amsterdam aber noch keiner blicken. "Wir fahren gut damit, nur auf uns zu schauen und nicht auf die Bayern. Unser nächster Gegner heißt Mainz und auf den werden wir uns ab morgen fokussieren. Dem FSV gilt dann die ganze Konzentration", erklärte Marco Reus noch kurz vor der Abfahrt.

Mit im Bus dabei war auch Sven Bender, der mittlerweile getrost als Pechvogel bezeichnet werden kann. Zum wiederholten Mal musste der Mittelfeldstratege mit einer Gesichtsverletzung frühzeitig den Platz verlassen. Verdacht auf Nasenbeinbruch lautete die erste Diagnose. Der Ellenbogenschlag, der zur Verletzung geführt hatte, wurde zum Glück nicht mehr auf der Anzeigetafel wiederholt.

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